"Tatort" aus Köln : Mord beim Dating-Portal

Der neue Kölner „Tatort“ sucht die Liebe in Zeiten des Internets. Das ist nicht zwingend spannend und dramatisch - erinnert aber an Zitate aus Woody-Allen-Filmen.

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Zwischen One-Night-Stand und Beziehung. Kriminalpsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) und Hauptkommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) kommen sich näher.
Zwischen One-Night-Stand und Beziehung. Kriminalpsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) und Hauptkommissar Max Ballauf (Klaus...Foto: WDR/Thomas Kost

Vielleicht hatte Woody Allen doch nicht ganz recht, als er im Film „Hannah und ihre Schwestern“ sagen ließ: Das Herz ist ein kleiner, sehr, sehr elastischer Muskel.“ Nachdem, was uns dieser Kölner „Tatort“ präsentiert, müsste es heißen: Das Herz ist ein kleiner sehr, sehr elastischer Algorithmus. Über zehn Millionen Menschen in Deutschland suchen ihre Liebe im Internet und vertrauen dabei einem Fragenkatalog und einem Computerprogramm, der möglichst gleichgesinnte Paare aufgrund verhaltenstheoretisch orientierter Ansätze zusammenbringen soll. Nur eine Frage der Zeit also, bis sich auch Deutschlands beliebtester Krimi mal wieder des Dating-Themas annimmt und dabei zu einem Schluss kommt, der vielen Liebe-Suchenden nicht gefallen dürfte.

Von wegen Herz zu Herz. Hauptkommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) zum Beispiel. Der notorische Single hat seit geraumer Zeit eine Affäre mit der Kriminalpsychologin Lydia (Juliane Köhler). Wobei einem seltsamerweise wieder Woody Allen einfällt, ein Satz aus „Ehemänner und Ehefrauen“: „Du benutzt Sex, um alle möglichen Gefühle auszudrücken, außer Liebe“. Ab und zu schlafen sie miteinander, wachen genervt nebeneinander auf, zufrieden sind sie beide nicht. Kollege Freddy Schenk (Dietmar Bär) ist da pragmatischer. Der schwört darauf, seine Frau nicht im Internet, sondern an der Bar kennengelernt zu haben. Glücklich wirkt er deswegen auch nicht. Ständig diese Anrufe seiner Frau, wann er nach Hause komme.

Und der Mordfall? Ach ja, der Mordfall. Natascha Klein (Suzan Anbeh), Inhaberin der Internet-Partneragentur „Lovecast“, wird erschlagen im Büro gefunden. Fragestellung und Verdächtigenlage sind für Ballauf und Schenk recht unübersichtlich. Da sind enttäuschte Kunden, die sich an der Agenturchefin rächen wollten, weil jene online nicht ihr Glück gefunden haben, der Ehemann Jörg Klein (Holger Daemgen) , der wusste, das seine Frau ihn betrog, ein Hausmeister, der sich gut mit Überwachungskameras in der Agentur auskennt, ein unbekannter Heiratsschwindler namens „Der Zauberer“, der Frauen um ihr Geld gebracht hat, sowie ein ehemaliger Kommilitone, dem Natascha Klein die Geschäftsidee der Agentur geklaut hat. Eben jenen Algorithmus, der Paare passend machen soll.

Die Geschichte basiert auf einem journalistischem Text

Dem Ganzen liegt ein journalistischer Text über eine Internet-Liebes-Agentur zugrunde, dem Autor Maxim Leo mit reichlich Fantasie nachgeholfen hat. Das ist nicht zwingend spannend und dramatisch. Immerhin, wann hat man beim Kölner „Tatort“ schon mal an Woody Allen gedacht? Kino-Regisseur André Erkau gewinnt der Geschichte ein paar schöne sepiahafte Bilder ab. „Wahre Liebe“ steht mehr in der Tradition der Münsteraner Schmunzelkrimis als der des Kölner „Tatorts“, der sich in den vergangenen Jahren an Themen wie Kindesmisshandlung, Kinderprostitution, Ausländerhass oder Landminen abgearbeitet hat. Das macht Ballauf und Schenk laut letzter Emnid-Umfrage zu den beliebtesten „Tatort“-Ermittlern. Dem wird die Geschichte um Herz, Schmerz unddiesunddas keinen Abbruch tun. Es ist dann aber recht schnell wieder vergessen, zudem auch der abendlich-abschließende Plausch der beiden Ermittler an der berühmten Currywurst-Bude fehlt, mit Blick auf den Rhein. Unverbrüchlicher Bestandteil dieses Krimis seit 1997. Was ist denn nur da in Köln los?

In Erinnerung bleibt der Staatsanwalt Prinz, dessen Darsteller Christian Tasche hier seinen letzten Auftritt hat. Tasche verstarb während des Drehs. Und die neue Aushilfs-Assistentin von Schenk und Ballauf, Gabi (Kathi Angerer), die sich bei den Ermittlungen im Umfeld der Partnerschaftsagentur gleich mal als Lockvogel anbietet. Das bringt sie, wie sollte es anders sein, in eine gefährliche Situation. Assistentinnen haben es bei Ballauf und Schenk nicht leicht. Auch die ehemalige Gehilfin Franziska alias Tessa Mittelstaedt hat sich öfter in Gefahr begeben, abgesehen davon, dass sie von den beiden Bullen abends ständig Überstunden aufgebrummt bekam. Das wird Gabi nicht anders ergehen. Wie soll sie da jemanden kennenlernen?

„Tatort“, Sonntag, ARD, 20 Uhr 15

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