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Tatort-Check und Twitter-Kritik : So war der neue "Tatort" aus Berlin

Blut, Drogen und ganz viel Hauptstadt: Die neuen "Tatort"-Kommissare Nina Rubin und Robert Karow legen ein gelungenes Debüt hin. Berlin als "dritte Hauptdarstellerin" zeigt sich dabei nicht von ihrer Postkartenseite. Der Lohn: über zehn Millionen Zuschauer.

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Erste Begegnung am Tatort: die neuen Ermittler Robert Karow (Mark Waschke) und Nina Rubin (Meret Becker).
Erste Begegnung am Tatort: die neuen Ermittler Robert Karow (Mark Waschke) und Nina Rubin (Meret Becker).Foto: RBB

Wenn neue "Tatort"-Kommissare ihr Debüt geben, dann muss das eigentlich ganz großes Kino sein. Und wenn dieses Debüt noch dazu in Berlin stattfindet, dann erwartet der Zuschauer einen Film, so rau und unberechenbar wie die Hauptstadt. Deshalb hat der RBB beim ersten "Tatort" mit den Ermittlern Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) auch nichts ausgelassen: Blut, Hinrichtungen, Drogen, Sex, Beziehungsdrama und ein dunkles Geheimnis - all das bekam der Zuschauer am Sonntagabend in 90 Minuten serviert.

In "Das Muli" ging es um Drogenschmuggel im großen Stil - zwei Mädchen werden als Drogenkuriere missbraucht, eines stirbt, das andere versteckt sich mit ihrem Bruder im leer stehenden Flughafenhotel des BER. Währenddessen finden Karow und Rubin zunächst nur einen blutverschmierten Tatort ohne Leiche vor. Karow vermutet bald, dass der Fall etwas mit dem Drogenmilieu zu tun hat. Rubin ist unterdessen damit beschäftigt, in der Vergangenheit ihres neuen Kollegen herumzuschnüffeln. Dessen ehemaliger Ermittlungspartner ist nämlich auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen. Zum Showdown kommt es dann im BER-Flughafenhotel, wo die brutalen Verbrecher das Geschwisterpaar ebenfalls aufgespürt haben.

Der Titel "Das Muli" wirkt zunächst kryptisch, denkt man da doch zuerst an Maultiere. In der Drogenszene weiß man es jedoch besser.

Was genau sind Mulis?

Dort werden als „Mulis“ häufig junge Frauen bezeichnet, die in ihrem Darm abgepackte Rauschmittel, transportieren. Generell nennt man den Drogenschmuggel im Körper auch Bodypacking. Die Bodypacker verschlucken sogenannte Plomben, also kleine mit 8 bis 10 Gramm Kokain gefüllte Päckchen. Dabei dienen Kondome häufig als Verpackungsmaterial. Wie Kommissar Robert Karow auch im Film erklärt, sind das oft 80 oder 100 Stück, so dass die „Mulis“ mit Mengen von um die 800 Gramm Kokain im Darm herumlaufen. Feststellen lässt sich das allerdings für Zollbeamte nur schwer. Wenn sich die Schmuggler nicht verdächtig verhalten, bleiben sie meist unerkannt. Ein Röntgenbild des Unterleibs würde aber Aufschluss geben.


Wo liegt die Gefahr?

Generell besteht jederzeit das Risiko, dass eines der kleinen Päckchen reißt, Kokain über die Darmschleimhäute aufgenommen wird und der Bodypacker an einer tödlichen Überdosis stirbt. Die Schmuggler sind deshalb auf der Reise sehr vorsichtig, sie essen häufig nichts und nehmen Medikamente zu sich, die die Darmtätigkeit für die Zeit bis zur Ankunft am Ziel hemmen. Das macht aber auch das Ausscheiden schwer. Gefährlich können dann Brech- und Abführmittel werden. Zwar setzt auch die Polizei bei Bodypackern Abführmittel unter ärztlicher Aufsicht ein. Auf gar keinen Fall dürfen das aber Abführmittel auf Öl-Basis sein, weil diese das Kondom angreifen und zum Reißen bringen können. Vermutlich ist das im „Tatort“ bei Johanna Michels (Emma Bading) passiert. Auch der Einsatz von Brechmitteln ist umstritten - es ist nicht klar, ob auch diese das Reißen des Kondoms begünstigen können.

Für Robert Karow, der vorher bei der Drogenfahndung gearbeitet hat, ist dieser Fall natürlich ein Heimspiel. Nicht nur, dass er sich bestens mit organisierter Kriminalität in diesem Bereich auskennt, er hat offenbar auch noch alte Kontakte in die Szene.

Wie viel Berlin steckt im Tatort?

Neben Karow und Rubin stand aber vor allem eine im Mittelpunkt: die Hauptstadt. Berlin solle die "dritte Hauptrolle" spielen - das hatte der RBB zuvor schon angekündigt. Also werden Klischees ausgepackt, bekannte Kulissen wie der Speepark im Plänterwald bemüht und Berliner Dauerthemen angespielt. Nina Rubin hat SM-Sex auf dem Hinterhof des Nachtclubs Cassiopeia in der Revaler Straße. Der nicht funktionsfähige Flughafen BER wird auf die Schippe genommen. Und auch ein kleiner Seitenhieb in Richtung Zweckentfremdungsverbot ("Sie vermieten die Wohnung als Ferienwohnung? Ist das nicht mittlerweile verboten?") darf nicht fehlen. Außerdem dabei: Nächtliche Stadtansichten im Zeitraffer, verwahrloste Kinder am Bahnhof Zoo und ein Blick in die Müllaufbereitungsanlage in Britz.

Für die nächsten Folgen bietet sich ein Kulissen-Bingo an. Unser Tipp: Berghain, Tempelhofer Feld und das Restaurant im Fernsehturm.

Was sagen die Twitter-Nutzer dazu?

Auch auf Twitter wurde die Frage, wie nah Berlin jetzt eigentlich an diesem "Tatort" dran ist, viel diskutiert.

Ganz einig ist man da nicht.

Häufiger zu lesen auch die Frage: Ein blutverschmiertes Mädchen - Johanna Michels - läuft durch Berlin, doch es scheint keiner zu merken oder zumindest hält es niemand für nötig zu helfen. Ist Berlin so erbarmungslos?

Dass zuweilen mehr als 100 Tweets in drei Minuten zum "Tatort" aufliegen, zeigt zumindest schon mal eines: Rubin und Karow sind den Zuschauern nicht egal. Trotzdem kommen beide nicht gleich gut an.

Für die größte Belustigung sorgte in diesem "Tatort" wohl der Auftritt des BER. Den würde wohl auch so mancher in der nächsten Folge gerne wieder sehen.

Das Interesse an diesem "Tatort" lässt sich auch an der Quote ablesen. Gleich der erste Fall schaffte den Sprung über die Marke von zehn Millionen Zuschauern. 10,19 Millionen Zuschauer sahen diesen "Tatort" - das waren ein paar weniger als zuletzt im November beim "Tatort"-Abschied von Boris Aljinovic dabei waren. Der Marktanteil lag bei hervorragenden 27,1 Prozent.

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