''Tatort'' : Die Debatte danach

Für und wider den Ludwigshafener „Tatort: Schatten der Angst“.

Christian Tretbar

„Tizian“ ist sich seiner Sache sicher: „Unsere Kulturen passen einfach nicht zusammen.“ Moscheen möchte er nicht, „spuckende Ausländer“ auch nicht und „Kopftuchkarawanen“ in den Innenstädten schon gar nicht. Es ist einer von rund 200 Beiträgen im SWR-Forum zum „Tatort: Schatten der Angst“. Mit 7,55 Millionen Zuschauern war es die meistgesehene Fernsehsendung des Tages (Marktanteil 21,2 Prozent).

Der SWR hatte sich zu diesem Forum entschlossen, weil es schon im Vorfeld des Ludwigshafener „Tatort“ viel Aufregung gab. Der Film, in dem es um restriktive türkische Familientraditionen geht, sollte bereits am 10. Februar ausgestrahlt werden. Wegen der Brandkatastrophe in einem Ludwigshafener Wohnhaus wenige Tage zuvor, bei dem neun Türken ums Leben gekommen sind, wurde er aber verschoben. Genau diese Entscheidung kritisierten einige Forumsteilnehmer. Der Film sei Fiktion und habe keinen direkten Bezug zu dem Ereignis, argumentierte eine Vielzahl der Nutzer. Andere begrüßten die Entscheidung.

Das Forum wurde von der SWR-Redaktion moderiert. Von Zensur konnte aber keine Rede sein. Kritische Beiträge, die den Tatort schlicht für langweilig hielten, kamen genauso ins Forum, wie Beiträge, die hart an der Grenze zur Fremdenfeindlichkeit segelten. „Tizian“ ist ein Beispiel, aber auch „Topspion“, der vor einer „Osmanisierung Deutschlands“ warnt.

Allerdings gab es auch zahlreiche differenzierte und ausgewogene Kommentare. Rund 20 000 Menschen verfolgten die Diskussion von 400 angemeldeten Nutzern nach SWR-Angaben. Der Ansturm sei so groß gewesen, dass die Startseite zum Forum kurz vor Ende des Films zusammengebrochen war.

Viele berichteten über Integrationsprobleme und eigene Erfahrungen. Die Anzahl der Beiträge, in denen sich Türken selbst äußerten hielt sich in Grenzen. „Lalelu“ ist eine Ausnahme. Sie gibt sich als 27-jährige Türkin mit deutschem Freund aus: „Klar war meine Familie nicht begeistert von meinem Lebensstil, jedoch lebe ich noch und weiß auch nichts über irgendwelche Mordtheorien meiner Familie! Nicht alle über einen Kamm scheren.“

Die meisten User riefen dazu auf, dass sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen weiter diesem Thema widmen sollte. Allerdings tauchte auch der Wunsch auf, den Tatort mit Sozialkritik nicht zu überfrachten: „Wolferl“ fordert: „Lasst doch bitte den Tatort was er einmal war: ein guter Krimi“. Das Forum ist noch einige Tage offen. Und auch der „Tatort“ ist unter www.swr.de/tatort bis 13. April, je ab 20 Uhr abrufbar. Christian Tretbar

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