Medien : "Tatort": Einmal zuviel gezwinkert

Thomas Gehringer

Wer anderen eine Grube gräbt: Am Ende vom "Tatort" (ARD, 20 Uhr 15) wird der Bösewicht doch noch hineinfallen. Er hat nur einmal zuviel mit den Augen gezwinkert - ein minimaler Fehler, zumal zuvor alles so perfekt gelaufen ist.

"Mördergrube", der sechzehnte Fall des Kölner "Tatort"-Teams, überrascht das Publikum immer wieder und bis zum Schluss mit Knalleffekten aus heiterem Himmel. Das erste Opfer, eine Jura-Studentin, wird auf dem Campus erschossen, und nicht nur diese Tat wird von der 30-jährigen Regisseurin Christiane Balthasar eindrucksvoll inszeniert: als Schrecksekunde, in der die Zeit stehen zu bleiben scheint.

Erstmals saß eine Frau bei dem Kölner "Tatort" auf dem Regiestuhl, und ihre Sympathie für die mal gereizte, mal warmherzige Partnerschaft der so unterschiedlichen Männertypen Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) ist dem Film bestens bekommen. Mal gegenseitiger Respekt, mal ordentlich Zoff - das Verhältnis der Kölner Kommissare biete Raum für viele Nuancen, "fast wie bei einer Liebesbeziehung", sagt sie. Dass Christiane Balthasar nur knapp zwei Jahre nach ihrem Debüt ("Callboys"/Sat 1) bereits eine beachtliche "Tatort"-Arbeit vorweisen kann, ist in der Männerdomäne Regie sicher eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte.

Die Kommissare in "Mördergrube" sind allerdings nicht ganz so erfolgreich. Schenk darf zwar mit einem Ferrari protzen und legt sich voller Genuss mit dem unsympathischen Chef der Juristischen Fakultät an, doch dafür ist Kollege Ballauf "nicht ganz auf Ballhöhe", wie Schenk treffend bemerkt. Das ist allerdings kein Wunder, denn in Ballaufs Leben taucht unversehens sein obdachloser Vater (Peter Franke) auf, der die Familie vor Jahrzehnten im Stich ließ.

Zwei ungleiche Welten prallen da in dem Film aufeinander: Hier das trostlose Hotelzimmer des immer noch heimatlosen Polizisten, dort die elitäre Fakultät voller (etwas überzogen) kaltherziger Karrieristen. Die beiden Handlungsstränge werden in einer überraschenden Wendung miteinander verknüpft, und Jurist Schwentke stimmt das bekannte Klagelied über fehlende Gleichheit vor dem Gesetz an: Dem Penner glaubt nicht einmal der eigene Sohn (ein Polizist!), dass er die hundert Mark in der Hosentasche nicht geklaut hat. Doch über den Tatverdächtigen aus dem feinen Juristen-Clan hält dessen Vater die schützende Hand.

Ballauf und Schenk sind gewissermaßen in beiden Fällen machtlos. Doch dafür sind die mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten Schauspieler Behrendt und Bär in diesen brüchigen Rollen in ihrem Element.

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