Tatort "Großer schwarzer Vogel" : Abschied mit großem Knall

Zum letzten Mal mit Dominic Raacke: Der Berliner Tatort verliert einen Kommissar. Boris Aljinovics letzter Einsatz im November trägt den Titel "Die Vorsehung".

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Ein eingespieltes Team, das sind die Berliner „Tatort“-Kommissare Felix Stark (Boris Aljinovic, links) und Till Ritter (Dominic Raacke).
Ein eingespieltes Team, das sind die Berliner „Tatort“-Kommissare Felix Stark (Boris Aljinovic, links) und Till Ritter (Dominic...Foto: rbb/Conny Klein

Seinen bislang letzten öffentlichen Auftritt hatte Winfried Glatzeder vor einigen Tagen als frauenschubsender Dschungelopa in der RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“. Schlussendlich gescheitert aber war Glatzeder als Berliner „Tatort“-Kommissar Roiter. Die technische Qualität der SFB-Krimis war von der ARD als so schlecht bewertet worden, dass man die Ausstrahlung auf 23 Uhr verschoben hatte. Mit dem neuen Duo sollte es besser werden, zunächst jedenfalls. 1999 hatten Dominic Raacke als Kommissar Till Ritter und Stefan Jürgens als Kommissar Robert Hellmann ihren ersten Einsatz in Berlin. Sympathisch, endlich mal nicht so verschnarcht, so lauteten die Reaktionen, die den SFB nach der Ausstrahlung der Folge erreichten.

Raackes „Tatort“-Partner Jürgens schied 2001 aus, an seine Stelle trat Boris Aljinovic als Kommissar Felix Stark. An diesem Sonntag ermitteln Ritter und Stark zum letzten Mal als Duo, ein neues Team wird die beiden 2015 ersetzen. Der letzte gemeinsame „Tatort“ mit dem Titel „Großer schwarzer Vogel“ wird zu einer explosiven Vorstellung. Eine Briefbombe tötet einen unbeteiligten Jungen.

Eine tödliche Explosion im ersten Raacke-„Tatort“ mit dem Titel „Dagoberts Enkel“ hatte den damaligen SFB 1999 beinahe in die Bredouille gebracht. Arno Funke, der reale Kaufhauserpresser, hatte eine Einstweilige Verfügung beantragt, weil er seine Resozialisierung durch den Film in Gefahr sah. In dem Krimi starb eine Frau, weil der Film-Erpresser in einem Postamt eine Bombe zündete. Das Gericht teilte Funkes Befürchtung jedoch nicht, „Dagoberts Enkel“ wurde wie geplant ausgestrahlt.

Das Aus für das aktuelle Berliner „Tatort“-Team war Ende vergangenen Jahres keineswegs erwartbar gewesen. Gerade die letzten Folgen von Raacke, 55, und Aljinovic, 46, waren bei Kritik und Publikum gut angekommen. Insbesondere „Dinge, die noch zu tun sind“ und „Gegen den Kopf“ über die tödlichen Tritte zweier junger Männer in der U-Bahn stachen aus der Masse der Krimi-Routine heraus.

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Boris Aljinovic wird noch eine letzte Folge mit dem Titel „Die Vorsehung“ drehen, die voraussichtlich im November ausgestrahlt wird. Für Dominic Raacke war mit dem Dreh von „Großer schwarzer Vogel“ Schluss. Wenn schon aufhören, dann richtig, erklärte er dem RBB, als der Sender auf eine Schlussfolge drängte. Ein Zerwürfnis gab es zwar nicht, aber Raacke machte keinen Hehl daraus, dass er den „Tatort“-Kommissar gerne noch länger gegeben hätte.

Von der ursprünglichen Charakterisierung seiner Rolle war ohnehin nicht mehr viel übrig geblieben. Nur Stiefel und Lederjacke erinnerten noch an den Großstadtcowboy, als der Raacke vor fünfzehn Jahren angetreten war. Da gab Ritter den kaputten Großstadtbullen, der am Abend zuvor noch zu viel getrunken hatte und auch schon mal neben einer ihm unbekannten Frau aufwachte. Typen wie Nick Nolte oder Gene Hackman, die schwebten Raacke für die Rolle vor. Sein damaliger Kompagnon Stefan Jürgens war hingegen ganz als gewissenhafter aber leidenschaftlicher Ermittler angelegt gewesen. Boris Aljinovics Kommissar Stark spielte ebenfalls den ruhenden Pol in diesem Duo.

Mit welchem Konzept und mit welchen Darstellern der RBB das neue Team bestückt, wird derzeit noch als großes Geheimnis gehütet. „Die Entscheidung wird in Kürze fallen. Seien Sie sicher, dass es gut wird“, sagte Intendantin Dagmar Reim vor einigen Tagen. Genügend Anlässe, das Geheimnis zu lüften, hätte es mit der Berlinale und dem letzten gemeinsamen Einsatz von Raacke und Aljinovic genügend gegeben, vorausgesetzt, die Tinte unter den Verträgen ist trocken. Aber außer ein paar Eckpunkten – jung und hipp, ein Mann und eine Frau – ist nichts durchgesickert.

Ritter und Stark, über die Jahre ist daraus ein routiniertes Team geworden. Da hat sich niemand mehr an dem anderen gerieben, die Spannung musste sich aus den Fällen ergeben. Zwischen Aljinovic und Raacke hat sich keine tiefe Freundschaft entwickelt. Ihr letzter gemeinsamer Auftritt an diesem Sonntag ist solide Krimi-Unterhaltung, mehr nicht. Die Briefbombe gilt dem Radiomoderator Nico Lohmann (Florian Panzner), der sich mit seiner Call-in-Sendung nicht nur Freunde macht. Der Verdacht fällt schnell auf einen Mann, der von seiner Frau nach einem Anruf bei Lohmann verlassen wurde. Bei den Ermittlungen stellen Ritter und Stark zudem fest, dass der Moderator in einen Autounfall verwickelt war, bei dem eine Frau und ihr Kind ums Leben kamen. Durch den Unfall wurde zugleich Lohmanns Karriere als Leistungsschwimmer beendet. Zu seiner damaligen Freundin (Julia Koschitz) hat er noch immer Kontakt, obwohl seine Lebensgefährtin (Klara Manzel) ein Kind von ihm erwartet. Unverständlich auch, warum er die Hilfe seines Vaters und früheren Trainers (Hans Uwe Bauer) ausschlägt.

Die Ära des Duos Raacke/Aljinovic endet ohne echte Abschiedsfolge. Weil bei der Entscheidung über das Aus die letzte Klappe für „Großer schwarzer Vogel“ bereits gefallen war, läuft die Zusammenarbeit sang- und klanglos aus. Darum sagen wir von hier aus: „Mach’s gut, Dominic!“

„Tatort: Großer schwarzer Vogel“, ARD, Sonntag, 20 Uhr 15

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