"Tatort"-Kommissar Axel Prahl : "'Das kann ja wohl nur ein Witz sein"

Schauspieler Axel Prahl über Peter Sodann als Bundespräsident, Humor im „Tatort“ und Ekel Alfred.

Prahl
Axel Prahl gibt am Sonntag wieder den ''Tatort"-Kommissar Frank Thiel. -FFoto: ddp

Herr Prahl, am Donnerstag haben Sie im „Großen Tatort-Quiz mit Jörg Pilawa“ auf dem Ratestuhl gesessen. Man sieht Sie sonst selten in Quiz- und Talkshows.

Ich bin da auch grundsätzlich nicht. Nicht so gerne jedenfalls. Sendungen wie „Clever“, die im Fernsehen Wissen vermitteln, das ist interessant. Talkshows sind in der Regel Verkaufsveranstaltungen. Das „Tatort“-Format hat es aber verdient, in der Form gewürdigt zu werden.

Der „Tatort“ „Wolfsstunde“ am Sonntag muss gar nicht groß verkauft werden. Ein eindringlicher Thriller über Sexualmorde und männliche Machtfantasien, weniger burlesk wie sonst der „Tatort“ aus Münster. Ihr Hauptkommissar Frank Thiel zeigt sich von einer ziemlich sensiblen Seite. Fühlen Sie sich in dieser Rolle wohler?

Durchaus. Anfangs waren wir skeptisch, ob die Geschichte für unser Format das Richtige sei. Vergewaltigung ist ein heftiges Thema. Der Humor ist bei der Bearbeitung aber nicht gänzlich unter den Tisch gefallen. Ich finde, wir haben da zum ersten Mal einen richtig guten Fall. Das ist ja das, was uns meistens in der Kritik vorgeworfen wird: dass unsere Fälle ein bisschen konstruiert sind.

Der Kifferpapa, die zwergenwüchsige Pathologin mit Spitznamen „Alberich“ – das Burleske oder Konstruierte ist beim Münsteraner „Tatort“ zum Markenzeichen geworden. Wie weit kann man das treiben?

Das Geheimrezept der Unterhaltung ist immer die Überraschung. Insofern sollte man sich nie in eine Richtung komplett verschreiben. Ich bin mal ganz froh, dass wir jetzt diesen ernsthaften Thriller gemacht haben.

Fans von Frank Thiel und Professor Boerne alias Jan Josef Liefers vielleicht nicht.

Weil sie einen gewissen Humoranteil einfordern? Abwarten. Ich würde mir für den Münsteraner „Tatort“ schon weitere Experimente wünschen.

Die Grundidee mit der ungewöhnlichen Portion Humor, schrägen Ermittlercharakteren und Plots im Münsteraner „Tatort“ wird von Ihnen getragen?

Sicher. „Tatort“ ist nun mal einfach … Unterhaltung. Der US-Krimi „Columbo“ war ein Riesenerfolg. Da könnte man in Sachen Ermittlungsmethoden und Sozialkritik auch viele Fragen stellen. Diese vermeintliche sozialkritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart würde ich beim „Tatort“ dann doch eher in Anführungsstrichen sehen.

Ist die Kleinstadt Münster eigentlich ein guter Ort für einen Krimi, besser als Köln, Hamburg oder München?

Kein schlechterer zumindest. Schauen Sie sich die tollen skandinavischen Krimis an. Kommissar Beck, diese ganzen Sozialstudien, die spielen meistens in der Provinz.

Auch in Hamburg wird versucht, mit dem verdeckten Ermittler Mehmet Kurtulus die seit 40 Jahren eingefahrenen Grenzen des ARD-Krimis neu abzustecken, ähnlich wie in Münster.

Ich habe den neuen NDR-„Tatort“ leider nicht sehen können. Das werde ich aber garantiert nachholen. Viele Kollegen waren sehr angetan.

Das sollten Sie tun. Kurtulus alias Cenk Batu ist ähnlich wortkarg wie Ihr muffiger Kommissar. Wie viel Axel Prahl steckt eigentlich im Griesgram Frank Thiel? Man hat direkt Angst vor Interviews mit Ihnen.

Eine meiner Lieblingsserien war „Ein Herz und eine Seele“ mit Ekel Alfred, Heinz Schubert. Solche Figuren sehe ich selten in der deutschen Fernsehlandschaft: der griesgrämige Muffel, der sein Herz auf dem rechten Flecken trägt. Und der Thiel ist beim Publikum durchaus wohlgelitten. Ich wollte den einfach nicht immer freundlich grinsend oder jugendlich-tough schimanskihaft spielen.

Das breite Publikum scheint aber schon Schwierigkeiten mit Ihnen zu haben.

Wieso?

Wenn der Bundespräsident aus der Reihe der TV-Kommissare gewählt würde, könnten sich laut Umfrage nur zwei Prozent der Zuschauer Axel Prahl als Bundespräsidenten vorstellen. Vorne liegt Maria Furtwängler, vor Peter Sodann.

Ich würde sagen, laut dieser Statistik habe ich doch wohl anscheinend was richtig gemacht.

Sind Sie nicht neidisch auf Ihren Ex-„Tatort“-Kollegen Peter Sodann?

Diese Debatte um Sodann, der Bundespräsident werden will, finde ich äußerst fragwürdig. Dass jemand, der niemals Politik studiert hat, seinen Namen für diese Kandidatur hergibt – das kann ja wohl nur ein Witz sein. Es markiert eher den Stellenwert, wo Politik heute gelandet ist: in einer reinen Medienveranstaltung.

Haben Sie das Herrn Sodann gesagt?

Wir sind uns diesbezüglich leider noch nie begegnet. Okay, man kann Verantwortung übernehmen, auch politische Verantwortung. Aber das sollte man doch in einem angemessenen Rahmen tun, meinetwegen als Ortsteilbürgermeister von Dresden, aber nicht als Amtsträger für die Bundesrepublik.

Sie hätten sowieso keine Zeit für eine Kandidatur, drehen einen Film nach dem anderen. Wie lange wollen Sie den Kommissar Thiel im Team mit dem nervigen Professor Boerne überhaupt noch spielen?

Puuh, das ist von so vielen Faktoren abhängig. Mal sehen, was den Autoren noch so alles einfällt.

Und ohne Boerne, ohne Jan Josef Liefers?

Gar nicht mehr.


Das Gespräch führte Markus Ehrenberg.

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