"Tatort" Krankenhaus : Zu Tode behandelt

Für das Münsteraner Krimi-Duo ist Mord überraschenderweise die beste Medizin. Und Boerne lässt sich einweisen.

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Ärzte sind schlechte Patienten, das gilt insbesondere für Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, links), der sich um seine Leber und um seinen Ruf sorgt.
Ärzte sind schlechte Patienten, das gilt insbesondere für Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, links), der sich um...Foto: WDR/Filmpool Fiction/Wolfgang En

Es härtet ab, wenn man es seit seiner Kindheit gewohnt ist, dass medizinische Themen zu den Tischgesprächen gehören. Krankheiten und sogar der Tod verlieren zwar dadurch nicht ihren Schrecken, aber es entsteht auch nicht diese Sprachlosigkeit, die viele Menschen erfasst, sobald sie mit solchen Schicksalsschlägen konfrontiert werden. Dorothee Schön, die das Drehbuch zur „Tatort“-Folge „Mord ist die beste Medizin“ geschrieben hat, kennt das aus eigener Anschauung. Der Urgroßvater war Mediziner, Gefängnisarzt in einem Frauenknast. Der Großvater fuhr noch als Landarzt über die Dörfer. Die Mutter und ihre Schwester erlernten ebenfalls das Mediziner-Handwerk. Und zurzeit studiert ihre Tochter: Medizin.

„Als Krimiautor muss man ebenso wie ein Arzt Blut sehen können, wenn auch nur in der Phantasie“, sagt Dorothee Schön. Der neue „Tatort“ aus Münster ist allerdings völlig unblutig – trotz mehrerer Todesfälle, den dazugehörenden pathologischen Untersuchungen und anderen medizinischen Eingriffen. Der Mordanschlag im Botanischen Garten, mit dem der TV-Krimi beginnt, wäre sogar beinahe unbemerkt geblieben, hätte nicht eine zehnjährige Schülerin (Lena Meyer) registriert, dass sich der Mann auf der Parkbank mit einem Unbekannten gestritten hatte, bevor er zusammensackte. Die Mannschaft des herbeigerufenen Rettungswagens kann den Mann retten, geht jedoch von einer natürlichen Ursache des zeitweisen Herzversagens aus. Das selbstbewusste Mädchen beharrt jedoch darauf, dass hier ein Verbrechen begangen wurde und setzt nun alles daran, Kommissar Thiel (Axel Prahl) auf die Spur zu bringen.

Drehbuchautorin Schön wünscht sich, dass das deutsche Fernsehen weniger Berührungsängste im Umgang mit ernsten medizinischen Themen hat. Das Medium im angelsächsischen Kulturkreis habe sogar den Mut, aus der Diagnose Krebs eine Komödie zu machen, wie zum Beispiel mit der Serie „The Big C“ (gemeint ist das englische Wort „Cancer“ für Krebs), merkt sie an. Der WDR sah das offensichtlich ähnlich, als der Sender ihr den Auftrag für das Drehbuch zu „Mord ist die beste Medizin“ gab.

Der „Münster“-Tatort changiert bekanntermaßen zwischen Krimi und Komödie. Im besten Fall kommt es dabei zu jener chemischen Verbindung der beiden Elemente, aus der etwas ganz Eigenes entsteht, das die Zuschauer oftmals so begeistert, dass das beschauliche Münster zur erfolgreichsten „Tatort“-Stadt wurde.

Ein Lehrstück mit besonderem Erkenntnisgewinn ist „Mord ist die beste Medizin“ allerdings nicht geworden. Dass mit der Gesundheit viel Geld verdient werden kann, nicht nur auf ehrliche Weise, hat manchen Thriller beschäftigt. Das Grundmotiv des Verbrechens, um das es in diesem „Tatort“ geht, kommt bereits im Kino-Klassiker „Der dritte Mann“ mit Orson Welles von 1949 vor. Immerhin haben es Dorothee Schön und Regisseur Thomas Jauch geschafft, einige Dialoge zum Thema Krebs unterzubringen, bei denen die Zuschauer in anderen Filmen heftig hätten schlucken müssen.

Vor allem aber dürfen Jan Josef Liefers als versnobter Rechtsmediziner und Axel Prahl als griesgrämiger Kommissar einmal mehr zu Höchstform auflaufen. Während Thiel bei der Jagd nach einer Verdächtigen die Krankenhaustreppen auf und ab rennen muss, hat Boerne längst die Befragung aufgenommen, weil er einfach im Aufzug mitgefahren ist.

Dafür hadert Boerne mit seinen Medizinerkollegen: „Unverrückbare Überzeugungen sind etwas für Taxifahrer, meine Schwester, Heilpraktiker und schlechte Ärzte“, wirft er einem Kollegen aus dem Krankenhaus an den Kopf. Dorthin war auch der Mann aus dem Botanischen Garten, bei dem es sich um einen Pharmazeuten aus der Uniklinik handelte und dem die Behandlung gar nicht bekommt, gebracht worden. Boerne hat reichlich Gelegenheit, den mysteriösen Fall genauer zu untersuchen, das sogar vor Ort. Nach Beschwerden im Bauch hat sich Boerne zu einer Vorsorge-Untersuchung in jene Klinik einweisen lassen. Es wird sich zeigen, ob Mord für ihn die beste Medizin ist.

„Tatort: Mord ist die beste Medizin“. ARD, Sonntag um 20 Uhr 15

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