Tatort mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers : Die Superhelden von Münster

Die Zutaten der aktuellen Krimi-Komödie sind skrurril genug: Jan Josef Liefers, Axel Prahl und Frank Zander bekommen es bei ihrem 25. „Tatort“-Einsatz mit Puff-Gegnern und einem Hammermörder zu tun.

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Krimi und Komik, dazwischen das richtige Maß zu finden, gelingt dem „Tatort“ aus Münster mit Jan Josef Liefers (links) und Axel Prahl mal mehr, mal weniger gut. Die Jubiläumsfolge „Der Hammer“ dürfte den Fans gefallen.
Krimi und Komik, dazwischen das richtige Maß zu finden, gelingt dem „Tatort“ aus Münster mit Jan Josef Liefers (links) und Axel...Foto: WDR/Martin Menke

Ein normaler „Tatort“ muss in erster Linie spannend sein. Schon das gelingt nicht immer. „In Münster muss es spannend und lustig sein, das ist eine ganz besondere Herausforderung“, sagt Lars Kraume. Beim 25. Einsatz von Jan Josef Liefers als Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne und Axel Prahl in der Rolle von Kommissar Frank Thiel hat Kraume das Drehbuch verfasst und zugleich Regie geführt. Die ihm auferlegte Aufgabe hat er mit Bravour gelöst. Die Folge „Der Hammer“ hält alles bereit, was sich die Fans des beliebtesten „Tatort“-Teams wünschen. Auf derartige Peinlichkeiten wie das Techtelmechtel zwischen Thiels Vater Herbert (Claus D. Clausnitzer) mit Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) wird diesmal glücklicherweise genauso verzichtet wie auf allzu provinzielle Darstellungen von pupsenden Kühen, die es in „Das Wunder von Wolbeck“ zum zehnjährigen Jubiläum des Münster-„Tatort“ im Jahr 2012 gab.

Der Wellness-Tempel ist ein Flatrate-Bordell

Die Zutaten der aktuellen Krimi-Komödie sind skurril genug: In Münster formiert sich Widerstand gegen die geplante „Waikikioase“ in einem Vorort mit lauter netten Ein- bis Zweifamilienhäusern. Die Befürworter preisen es als harmlosen Wellness-Tempel an, doch tatsächlich handelt es sich um ein Flatrate-Bordell, das langfristig die Lebensqualität in Münster-Roxel gefährdet, kurzfristig bereits den Wert der Grundstücke und Häuser ins Bodenlose hat fallen lassen. Dass die Pläne überhaupt genehmigt wurden, wird von der Bürgerbewegung gegen den Groß-Puff als klares Indiz für Korruption an verantwortlicher Position gewertet. Überhaupt fühlt man sich wie in Stuttgart, als dort gegen den neuen Bahnhof demonstriert wurde. „Vadder“ Thiel selbstredend in der ersten Reihe.

Ein Zuhälter wird tot aufgefunden

Doch offenbar reicht längst nicht allen Gegnern der friedliche Protest. Zuerst kommt ein einflussreicher Bauunternehmer unter die Räder. Da war er aber bereits tot. Auch der stadtbekannte Zuhälter Bruno Vogler (passender Name, genial getroffen von Sänger Frank Zander in der Gastrolle) überlebt das Zusammentreffen mit diesem Bordellgegner nicht. Beim Mord an Vogler ist der Täter gut zu erkennen. Er trägt einen weiten Umhang, einen auffälligen Hodenschutz, eine dunkelgrüne Wollmütze mit Augenschlitzen und leuchtend grüne Handschuhe. Und auf der Brust des Superhelden prangt ein großes H, denn dieser Rächer der Entrechteten mordet mit einem Hammer. Nicht mit irgendeinem, sondern einem sogenannten Markierungsschlägel, mit dem er seine Opfer durchnummeriert.

Die Inspiration dazu ist Kraume übrigens bei einer Drehpause zu einem anderen „Tatort“ gekommen. Ein Schuster in Frankfurt am Main hatte ein privates Hammermuseum eingerichtet und dort fand sich auch dieses Werkzeug, das üblicherweise in der Forstwirtschaft eingesetzt wird. Darauf muss man erst einmal kommen, und dies auch noch geschickt in die Handlung einbauen. Rechtsmediziner Boerne benötigt dazu einige forensische Versuche, die er an abgetrennten Schweineköpfen vornimmt. Humor in Münsteraner „Tatort“-Manier eben. Dabei ist die „Hammer“-Folge keineswegs nur derb-rustikal. Die Dialoge halten durchaus Schritt mit den Bildideen, wenn zum Beispiel Boerne auf die Bemerkung seiner Assistentin Haller (ChrisTine Urspruch) – „ich liebe Superhelden“ – nur trocken antwortet: „Richtig, sonst würden Sie ja auch nicht mit mir zusammenarbeiten.“ Auch der sonst nicht gerade mit lockeren Zitaten gesegnete Thiel hat diesmal seine großen Momente, zum Beispiel, wenn er seinen ewigen Widersacher Boerne mit den Worten „Da hat der Maurer für Sie das Loch gelassen“ aus dem Zimmer weist.

Bei aller Komik verliert dieser Krimi zum Glück nicht aus dem Blick, dass ein Mord – und erst recht ein Serienmord – immer auch einen ernsten Hintergrund hat. Um dies zu verdeutlichen, benötigt ein „Tatort“ aus Münster allerdings einen breiteren Pinsel als andernorts. Oder eine breitere Blutspur.

„Tatort: Der Hammer“, Sonntag, ARD, 20 Uhr 15

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