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"Tatort" mit Til Schweiger : Was Männer tun müssen

Das Krimi-Jahr startet mit zwei Action-geladenen „Tatort“-Folgen mit Til Schweiger und Gaststar Helene Fischer. Doch nur knapp über acht Millionen Zuschauer wollten den ersten Teil des Doppelschlags sehen.

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So ramponiert wie Bruce Willis in "Stirb langsam". Allerdings braucht Til Schweiger als "Tatort"-Ermittler Nick Tschiller dafür keine fünf Minuten.
So ramponiert wie Bruce Willis in "Stirb langsam". Allerdings braucht Til Schweiger als "Tatort"-Ermittler Nick Tschiller dafür...Foto: NDR/Gordon Timpen

Wofür Bruce Willis in „Stirb langsam“ mindestens eine Stunde benötigt, das schafft Til Schweiger in „Der große Schmerz“ bereits in der ersten Einstellung. Die Augen zugeschwollen, ein tiefe Wunde auf der Nase wird der Hamburger Kommissar Nick Tschiller von drei gemeingefährlichen Russen in die Mangel genommen. „Wo ist Firat Astan?“, wollen sie wissen, doch da sind sie bei Tschiller an der falschen Adresse, denn die Antwort darauf wüsste er selbst allzu gern.
Mit der Folterszene beginnt am Freitag der furiose „Tatort“-Doppelpack aus Hamburg, der am Sonntag mit „Fegefeuer“ fortgesetzt wird. Ein „Tatort“ mit Til Schweiger, das ist zwangsläufig ein Film, in dem ein Schauspieler im Zentrum steht: Til Schweiger. Und man verrät sicherlich nicht zu viel über den Plot (Buch: Christoph Darnstädt, Regie: Christian Alvart), wenn man sagt, dass es ein Film über einen Mann ist, der tut, was ein Mann tun muss. Das Interesse der Zuschauer daran war allerdings begrenzt. Nur 8,24 Millionen Zuschauer wollten den ersten Teil der Doppelfolge sehen. Doch obwohl die Quote unter dem "Tatort"-Durchschnitt lag, kann sich die ARD damit trösten, dass die Schweiger-Folge mit einem Marktanteil von 19,2 Prozent dennoch den Tagessieg verbuchte.
In „Der große Schmerz“ steht Tschiller vor einer Entscheidung, die einerseits ganz einfach ist, ihm andererseits alles abverlangt. Sein Erzfeind, der Clanchef Firat Astan (Erdal Yildiz), mit dem er sich im Dauerclinch befindet, will seine Verbrecherorganisation nicht länger aus dem Gefängnis herausführen. Mit Tschillers Hilfe will er ausbrechen. Das nötige Druckmittel hat Astan auch schon gefunden: Tschillers Tochter Lenny (Luna Schweiger) und seine Ex Isabella Schoppenroth (Stefanie Stappenbeck). Eine wichtige Rolle spielt zudem die Russin Leyla, gespielt von Sängerin Helene Fischer mit schwarzen Haaren und herbem Akzent. Sie gibt die taffe Eisprinzessin, die Tschiller zunächst den Arsch rettet, dann aber ganz andere Ziele verfolgt. Als Gegenpol zu all den knallharten Typen genauso wichtig ist erneut Fahri Yardim als Tschiller-Partner Yalcin Gümer.

Der „Tatort“ mit Til Schweiger bricht mit einigen Traditionen. In keinem anderen Krimi aus der ARD-Reihe sind die einzelnen Folgen so miteinander verschmolzen wie hier. Das horizontale Erzählen haben die Schweiger-„Tatorte“ zwar nicht erfunden, wie insbesondere der Dortmund-„Tatort“ mit Kommissar Faber (Jörg Hartmann) zeigte, der Stück für Stück herausfand, dass hinter dem tödlichen Unfall seiner Frau und seiner Tochter in Wahrheit ein perfides Verbrechen steckte. Doch der „Tatort“ mit Til Schweiger geht viel weiter. Das Ende einer Folge hat hier eher den Charakter eines Zwischenstandes, die Episoden werden zu Kapiteln in einer großen Erzählung. Möglicherweise erleben die TV-Zuschauer an diesem Sonntag darum auch eine herbe Enttäuschung. Die Frage lautet: Findet das Finale bei Schweiger tatsächlich im Fernsehen statt oder folgt der Showdown erst in „Tschiller a. D.“ Ende Februar im Kino? Bekannt ist bislang nur, dass sich Tschiller darin zu einer brisanten Odyssee durch halb Europa aufmacht.
Fest steht: Genau werden es die Zuschauer erst am Sonntagabend um 21 Uhr 45 wissen. Die Gefahr, dass vorher etwas verraten wird, ist gering. Selbst die TV-Kritiker von Programmzeitschriften und Tageszeitungen können nur rätseln, weil sie nur den dritten Teil für ihre Ankündigungen wie gewohnt vorab ansehen konnten. Dass Schweiger dies vom NDR verlangt hat, wurde vom Sender zwar bestritten, aber für die Zusammenarbeit mit dem erfolgreichen Schauspieler und Regisseur sind die Hamburger offenbar zu einigen Zugeständnissen bereit. Zur Vorpremiere von „Der große Schmerz“ im Berliner Kino Babylon durfte angeblich nur die Produktionsfirma einladen, nicht aber der NDR. Und Til Schweiger weiß das zu schätzen: Die Zusammenarbeit zwischen dem Sender und ihm wurde um vier „Tatort“-Folgen verlängert (siehe Kasten).
Der Blick auf die Quoten hat die Entscheidung sicherlich erleichtert. Die Auftaktfolge „Willkommen in Hamburg“ erreichte im März 2013 fast 13 Millionen Zuschauer und kratzte kurzzeitig an der Spitzenposition des Münsteraner „Tatort“, bis das Duo Jan Josef Liefers/Axel Prahl die Messlatte noch ein Stück höher legte. Der zweite Schweiger-„Tatort“ kam zwar nur auf etwas über zehn Millionen Zuschauer, doch zum Abschluss der ersten Vierer-Staffel sind die Erwartungen vor allem wegen Helene Fischers Auftritt besonders hoch. Unterhaltsam wird es allemal.

„Tatort: Der große Schmerz“, Freitag; „Fegefeuer“, Sonntag, beide 20 Uhr 15 in der ARD[/TV-HINWEIS]

Schweiger, Makatsch, Schmidt - Tatort-Neustarts in 2016

„Tatort“ und Testosteron – diese Mischung wird es auch nach dem fulminanten Jahresauftakt mit dem Til-Schweiger-Doppelpack geben. Der NDR setzt die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler fort und hat einen Vertrag über vier neue Episoden geschlossen. Die erste Folge findet allerdings nicht im Fernsehen, sondern vom 25. Februar an mit „Tschiller a. D.“ im Kino statt.

Weiter geht es auch für Nora Tischirner und Christian Ulmen. Im ersten Quartal kommt der dritte Weimar-„Tatort“ – bei dem es sich nach dem Ende des Erfurt-„Tatort“ nun nicht mehr um eine Event-Programmierung, sondern um einen regulären Bestandteil der ARD-Reihe handelt, ins Fernsehen. „Siegfried und Roy“ heißt die Folge mit den Kommissaren Dorn und Lessing.

Am Ostermontag gibt es dafür einen neuen Event-„Tatort“ in Freiburg im Breisgau. Der SWR hat Heike Makatsch verpflichtet. Ihre Figur Ellen Berlinger kehrt als „verlorene Tochter“ in ihre badische Heimatstadt zurück. Eine Fortsetzung ist bereits eingeplant, derzeit wird am Konzept gearbeitet.

Am Bodensee werden Eva Mattes und Sebastian Bezzel als Blum und Perlmann im kommenden Jahr ihre letzten zwei Fälle lösen. Abgelöst werden sie von einem neuen Team aus dem Schwarzwald. Die Kommissare Franziska Tobler und Friedemann Berg werden gespielt von Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner. Als ihren Chef Gernot Schöllhammer hat der SWR den Entertainer Harald Schmidt gewonnen. Zunächst sind drei Einsätze mit ihm vereinbart.

Einen weiteren Neustart gibt es in Dresden. Zum ersten Mal in der „Tatort“-Geschichte gibt es mit den Schauspielerinnen Karin Hanczewski, Alwara Höfels und Jella Haase ein rein weibliches Ermittlerteam – allerdings unter männlicher Führung, die von Schauspieler Martin Brambach verkörpert wird.

Im Herbst hat die im Jahr 1970 gestartete Krimi-Reihe Grund zum Feiern. Voraussichtlich am 16. Oktober wird die 1000. Folge ausgestrahlt. Wie damals mit Paul Richter als Kommissar Trimmel heißt sie „Taxi nach Leipzig“. Mit dabei sind Maria Furtwängler und Axel Milberg. sag

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