Tatort : Politisch belastet

Im Bremer „Tatort“ treffen ein Terrier und DDR-Hinterlassenschaften aufeinander.

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Das scheint zu einem unausgesprochenen Prinzip geworden zu sein. Der „Tatort“ aus Bremen will politisch sein und kommt in seiner dramaturgischen Struktur etwas überladen daher. Das hat stets seinen Reiz. In dem neuesten Fall aus der Hansestadt wird man diesem Prinzip voll und ganz gerecht, denn das sympathische Ermittlerduo Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) sieht sich mit Mord, Wirtschaftskriminalität, Waffenhandel und einem Netz alter Stasi-Seilschaften aus DDR-Zeiten konfrontiert. Da will das dramaturgische Netz (Drehbuch: Wilfried Huismann und Dagmar Gabler) gut gewebt sein, da muss die Inszenierung (Regie: Florian Baxmeyer) wasserfest sein – sonst geht’s schief. Der „Tatort: Schlafende Hunde“ ist nicht schiefgegangen, aber auch nicht vollkommen gelungen.

Neben den beiden Kommissaren ist hier der in Hollywood lebende und in deutschen Produktionen eher selten vertretene Schauspieler Jürgen Prochnow zu sehen, der einst 1973 in Wolfgang Petersens „Tatort: Jagdrevier“ an der Seite von Ermittler Klaus Schwarzkopf mitwirkte. Prochnow, der Star aus Petersens „Das Boot“ (1981), der im kommenden Jahr 70 wird, ist in dieser Geschichte die zentrale Figur, um die alles kreist. Prochnow spielt den Bremer Unternehmer Hans Rodenburg, dem es an Geld und Einfluss nicht mangelt und auch nicht an Begehrlichkeiten.

Als die Rentnerin Ruth Thalheim tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird und der nie von ihrer Seite weichende Hund verschwunden ist, da führt die Spur Lürsen und Stedefreund eben zu diesem Rodenburg, der Ruth Thalheim eigenartigerweise die Wohnung kostenfrei vermietet hat, seit Jahrzehnten schon. Doch warum? Und warum musste Frau Thalheim sterben?

Die schwierigen Ermittlungen ergeben, dass die Rentnerin früher in der DDR eine politische Gefangene war. Und dass Rodenburgs Vergangenheit ihn im vereinten Deutschland nicht von alten Ex-Stasi-Seilschaften abgenabelt hat, darunter einem ominösen Herrn Schröder (Heinz Werner Kraehkamp). Rodenburg und Inga Lürsen, sie kannten sich auch einmal, früher, in einem anderen Leben. Als Stedefreund aufgrund einer bestehenden Karteikarte und alter Schwarz-WeißFotos nun auch Lürsen verdächtigt, die angeblich unter dem IM-Decknamen „Schneewittchen“ gehandelt haben soll, verkompliziert sich dieser Fall weiter.

Wem überhaupt kann man vertrauen? Das ist die zentrale Frage, die sich auf mehreren Ebenen durch diesen „Tatort“ zieht. So, wie Lürsen nicht ahnt, dass Kollege Stedefreund sie für einen IM hält. So, wie wiederum Rodenburg nicht ahnt, dass Schröder und die anderen gegen ihn vorgehen. Nichts ist so, wie es scheint – in diesem ambivalenten, fiktiven „Tatort“ nicht, und in unserer ambivalenten, realen bundesrepublikanischen Welt auch nicht.

Der Terrier von Frau Thalheim taucht übrigens wieder auf.Thilo Wydra

„Tatort: Schlafende Hunde“, ARD, 20 Uhr 15

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