Tatort : Von einem anderen Stern

Mehr Kömödie als Krimi: Die Münchner „Tatort“-Kommissare wagen sich ins esoterische Fach und ermitteln im Milieu der "Astro-Freaks".

Laura Wieland

Die Sterne irren nicht. Gott sei Dank, möchte man meinen, denn wie das Allensbach-Institut herausgefunden hat, glauben immerhin 40 Prozent der Deutschen, dass Sternschnuppen lebensbedeutsam sind. Das sind auch jene Himmelskörper, die Fernseh-Astrologin Doro Pirol Auskunft über das Schicksal ihrer Zuschauer geben. Eines Tages wird der Esoterik-Star in seiner Nymphenburger Villa erschossen aufgefunden. Die ätherische Schönheit und empfindsame Seele, die zusammen mit ihrem Gatten Remy die Sendung „Astro-Time“ moderierte, soll sich das Leben genommen haben. Obwohl alle Indizien dafür sprechen, will es keiner so recht glauben. Vor allem nicht Doros beste Freundin Selina, die die Leiche gefunden hat und standfest behauptet, es handele sich um Mord.

Klarer Fall: Im bayerischen „Tatort – Gesang der toten Dinge“ (Regie: Thomas Roth) geht es nicht mit rechten Dingen zu. Zwar nehmen die Münchner Hauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemic) keinen Kontakt zu Außerirdischen auf. Dafür kommen die Mitarbeiter von „Astro-Time“ extraterrestrialen Wesen ganz schön nah. Da ist der Witwer Remy (André Eisermann), der in regem Kontakt zu gleich zwei Erzengeln steht. Als er mit nacktem Oberkörper, in ein indisches Tuch und Schwaden von Räucherstäbchen gehüllt seiner toten Frau gedenkt, nimmt er gar Kontakt zur Jungfrau Maria auf. Doch bedauerlicherweise liefert dem unter Tatverdacht stehenden Remy kein leibhaftiger Mensch mit Nachnamen und festem Wohnsitz ein Alibi.

Dann gibt es noch Doros Stiefvater Professor Mosberg (Bernd Stegemann), ein mit Seidenschals und Perlenketten behangener, exaltierter Unsympath. Er betreibt „parasensorische Stochastik“ mit medial begabten Menschen – was nichts anderes bedeutet, als dass er sich von Laien den Verlauf von Aktienkursen voraussagen lässt, um anschließend Broker und Geschäftsleute zu beraten. Die Finanzkrise kommt also nicht von ungefähr.

Auch Selina (Christiane von Poelnitz) ist im Klub der „Astro-Freaks“: Sie leistet Energiearbeit – und das nicht etwa, wie Kommissar Leitmayr vermutet, bei den Stadtwerken, sondern mit Kristallen und Runen. Selbst die bodenständig wirkende Fefi (Irm Hermann) hat eine besondere Gabe. Die „Aura“-Seherin schlägt allerdings kein Kapital daraus. Sie bevorzugt es, Geräusche – eben den „Gesang der toten Dinge“ – zu sammeln, zum Beispiel das Knarren der Türen im Schlosspark.

Kommissar Batic ist ganz angetan von der unprätentiösen Kräuterhexe, die in Reimen spricht und ihm von dem verstorbenen Hund erzählt, den er als Kind hatte. Der Pragmatiker Leitmayr will von dem ganzen Humbug nichts wissen. Ebenso wenig wie die Baseler Kollegin Gabi (Sabine Timoteo), die das alteingesessene Münchener Männerteam ordentlich aufmischt und ein Schwyzerdütsch spricht, dass es einem nur so in der Kehle kratzt.

Catnapping, Engelsbotschaften, metaphysische Wirtschaftsprognosen – es sind schon seltsame Dinge, die sich da im herbstlichen Nymphenburg ereignen. Da verwundert kaum noch die skurrile Szene im Altersheim, in der Greise in elektrischen Rollstühlen und mit Gehstöcken bewaffnet eine Verfolgungsjagd aufnehmen. Auch wenn sich dieser „Tatort“ zeitweise allzu nah am Slapstick bewegt, rettet das große komische Talent des ewig frotzelnden Ermittler-Duos die Krimi-Komödie.

„Tatort – Gesang der toten Dinge“, ARD, 20 Uhr 15

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