Tatort : Wenn Männer zu sehr lieben

Der "Tatort" aus Stuttgart pendelt zwischen Familientragödie und Mafia-Thriller

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Kann man zwei Menschen genau gleich lieben? Ohne daran zu zerbrechen und ohne diese Menschen aufs Schwerste zu verletzten? Marc Simon, dargestellt von Stephan Kampwirth, hat sich diese Frage im Stuttgarter „Tatort: Blutgeld“ sehr oft gestellt. Und ist daran bereits zu Anfang dieses sehr emotionalen „Tatort“ ohne jede Aussicht auf Hoffnung gescheitert. Seine Frau und seine Tochter liegen auf dem Boden des Wohnzimmers, jede mit einem Loch in der Brust. Marc Simon steht vor dem Einfamilienhaus, im strömenden Regen geht er auf sein Auto zu, wenig später wird man ihn schon halb im Fluss stehend sehen, denn dieser Mann hat alles verloren. Fast alles, denn der Banker Marc Simon führt seit Jahren ein Doppelleben, pendelte immer hin und her zwischen seiner Ehefrau und seiner Geliebten Cornelia König (Lisa Martinek) und dem gemeinsamen Kind Florian (Jonas Meyer). Aber das erfahren die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) erst später.

Martin Eigler, der in diesem „Tatort“ für Buch und Regie verantwortlich ist, hat es nicht bei einer Familientragödie bewenden lassen. Dabei lasten die Verdachtsmomente schwer auf dem Ehemann und Geliebten. Im Haus gibt es keinerlei Anzeichen für einen Einbruch, gestohlen wurde nichts, Simon ist zuerst nicht aufzufinden, bevor er – völlig verstört – an seinem Arbeitsplatz in der Bank auftaucht. Hinzu kommt, dass ein Doppelleben nicht nur emotional ein komplizierter Spagat ist, sondern für einen Angestellten auch finanziell kaum zu bewältigen. Die Spur des Geldes führt in eine ganz andere Richtung: nach Kalabrien, zur Organisierten Kriminalität mit zwielichtigen Kredithaien und gedungenen osteuropäischen Killern.

Der Wechsel von der Familientragödie zum Mafia-Thriller, neudeutsch als Cross over bezeichnet, gelingt Martin Eigler ohne Brüche, denn alles dreht sich wie bei einer Achse um Marc Simon. Darsteller Stephan Kampwirth wird dabei viel abverlangt. Anfangs droht er vor Verwirrung und Verzweiflung den Verstand zu verlieren. Als ihm bewusst wird, dass er auch für seine zweite Familie verantwortlich ist und die Mafia keinesfalls auf das von ihm unterschlagene Geld verzichten wird, kann Kampwirth die andere, gleichermaßen starke wie opferbereite Seite des Marc Simon zeigen. Und Lannert und Bootz vergessen zumindest zeitweise das Diensthandbuch. Kurt Sagatz

„Tatort: Blutgeld“, ARD, 20 Uhr 15

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