Medien : Taxi zum Tod

Felix Huby hat für Ernst Bienzle, den komischsten deutschen „Tatort“-Kommissar, einen neuen Fall geschrieben

Mechthild Zschau

Erster Kriminalhauptkommissar. Das klingt gut. Und diese Beförderung hat er wirklich verdient, der treue, biedere, zerknautschte Bienzle mit seinem Hut in Unfarbe, dem ewigen Trenchcoat und dem ausgebeulten Sakko. Und dass zu einem so festlichen Ereignis ein neuer Anzug fällig ist, versteht sich nur bei einem so verstockten, mit Worten wie Münzen sparenden Schwaben nicht von selbst. Aber dazu hat er ja schließlich seine Frau Hannelore (Rita Russek), die aber auch nicht verhindern kann, dass sowohl Beförderung als auch Anzugkauf zum Hindernislauf geraten.

Felix Hubys handy-, pistolen- und autofreier Bienzle (Dietz-Werner Steck) ist der wohl gemütlichste, leiseste und komischste unter allen „Tatort“-Kommissaren, Kollege Gächter an seiner Seite (Rüdiger Wandel) deckt die blinden Flecken seines Meisters mit geradezu krankenpflegerischer Sorgfalt ab. Das Stuttgart drumherum aber ist ein so idyllischer wie an alltäglicher Scheußlichkeit reicher Ort wie alle anderen Städte der „Tatort“-Republik auch.

Diesmal wütet das Unheil in der Taxibranche. Vor einem Jahr schon wurde der Taxi- Kleinunternehmer Holz in seinem Wagen erstochen. Nun kommt sein Nachfolger an der Seite der Witwe Holz auf die identische Art ums Leben. Panik geht um unter den Fahrern. Welcher Fahrgast auch immer sich ein bisschen verdächtig aufführt, bekommt die Angst durchaus handgreiflich zu spüren. Und schuld ist natürlich die untätige Polizei, die schon den ersten Mord verdächtig schnell zu den Akten legte. Und tatsächlich muss Bienzle feststellen, dass sein Vorgänger, der Erste Kriminalhauptkommissar Gollhofer (Günter Mack als überdeutlich grimassierender schlechter Lügner), der, mittlerweile pensioniert, zurückgezogen auf seinem Weinberg lebt, unverständlich schlampig gearbeitet hat. Teile der Akten fehlen, fragwürdige Alibis wurden nicht überprüft, Verdächtige schnell laufen gelassen. Da stimmt doch was nicht – ausgerechnet bei einem verdienten Polizisten?

Mit stoischer Ruhe wie immer geht Bienzle ans Werk der verwirrenden Suche nach dem Täter. Immer mehr dubiose Figuren tauchen auf: ein Schutzgelderpresser, leichte Mädchen, ein Punk-Paar, ein verkrachter Jura-Student, der seine Neugier nicht bändigen kann, und nicht zuletzt der „Platzhirsch im Stuttgarter Taxigewerbe“, Erich Blacher, dem Christian Redl einen so brutalen wie raffiniert geschäftstüchtigen und tief unter Einsamkeit leidenden Charakter verleiht. Wie nebenher zeichnet Huby in bester Aufklärermanier die mafiöse Struktur im harten Konkurrenzgetriebe, zeigt ein Stück Taxifahrer-Realität zwischen unbedingter Kollegialität und rechtsradikalem Sprücheklopfen.

Den sorgfältig gebauten Who-done-it- Krimi mit erhellenden Wirklichkeitsmomenten setzt Hans-Christoph Blumenberg mit leichter Hand und großer Entschiedenheit ins Bild, führt dabei seine vorzügliche Schauspielerschar mit viel Understatement durch den hoch emotionalisierten Wirbel des Geschehens.

In dessen Mitte thront Bienzle, scheinbar ungerührt und doch voller Leiden an den Übeln der Welt. Und an sich selbst. Wie gut, dass er seine Hannelore hat, die ihn schließlich vor aller Augen umarmen darf bei der Beförderung, die im dritten Anlauf doch tatsächlich stattfindet – mit Bienzle in einem sehr schickem neuen dreiteiligen Anzug.

„Tatort – Bienzle und der Taximord“: 20 Uhr 15 Uhr, ARD

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