Pimp my PC - kleines 1x1 für Tuner : 4 statt 3 Ghz - so holen Sie mehr Leistung aus Ihrem PC

Übertakten, so nennen die Experten das Tunen des Rechners. Ein bisschen Geduld, sehr viel mehr braucht man nicht, um dem Computer Beine zu machen. Zehn Prozent mehr Leistung sind fast immer drin, wir erhöhten den Takt um ein Drittel. Wie es geht, lesen Sie hier.

Ralf Schönball
Pimp
Getunt -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Für Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie diese Vorbemerkung



Das Tunen von Rechnern ist sehr populär, grundsätzlich setzt man damit aber Garantie und Gewährleistung aufs Spiel und kann im schlimmsten Fall Bauteile zerstören. Die folgenden Tipps und Hinweise wurden zwar in der Redaktion erprobt und sind seither Grundeinstellungen für den Dauerbetrieb des Test-PCs. Außerdem bewegen sie sich größtenteils noch innerhalb der vom Hersteller vorgegebenen Spezifikationen. Dennoch müssen wir hiermit eine Haftung durch den Autor, des Tagesspiegels oder dieser Website ausdrücklich ausschließen: Wer die Tipps befolgt, tut dies auf eigenes Risiko.

Warum übertakten?

Die "Spitzengeschwindigkeit" von Prozessoren ist immer noch wichtig für die Geschwindigkeit des ganzen Computers. Zwar werben die Hersteller auch mit der Zahl der Kerne in der CPU: zwei, vier und bald auch sechs stecken in einer drin. Aber viele Spieler zogen bisher Prozessoren mit zwei Kernen den Vierkern-Modellen vor, weil der Takt der "Duos" höher war und der Takt (und nicht die Zahl der Kerne) viele Spiele entscheidet: Denn nur wenige Programme rufen gleichzeitig die Rechenleistung von zwei Kernen ab, von vier Kernen ganz zu schweigen.

Entscheidend für die Geschwindigkeit der CPU ist der "Front Side Bus" (FSB). Das hat sich seit der Einführung des Intel Spitzenmodells i7 (bald folgen i5- und i9-Modelle) verändert, weil hier ein "Quick Path Interconnect" den FSB ersetzt - nun bestimmt dessen Taktung den Tuning-Spielraum. Aber das Prinzip ist dasselbe geblieben: auch dessen Takt erhöht sich bei einer Beschleunigung der CPU.

Alles Einstellungssache - kein System gleicht dem anderen

Anleitungen wie diese haben ein großes Manko: Kein Prozessor gleicht dem nächsten - und dasselbe gilt für die Computer als Ganzes. Denn es gibt eine Vielzahl von Hersteller und Typen von Mainboards, Rams (Arbeitsspeicher) und CPUs.
Alle Tests, die wir vorgenommen haben und von denen in den folgenden Abschnitten berichtet wird, erfolgten auf einem System mit den folgenden Bauteilen:

CPU: Core2 Extreme Edition QX9650
Mainboard: Asus p5q-premium
Ram: OCZ Platinum XTC 2P-1066 Mhz
Festplatte: Intel x25-e+kingston x25-e Raid0-Verbund
Grafik: Asus Nvidia Geforce 8600 GT
Kühlung: Wasserkühlung Innovatek/Aquacomputer (cpu; grafikkarte)

Vor allem das Dreigespann aus CPU, RAM und Mainboard muss nach dem Tuning den Datenverkehr stabil regeln. Welche Einstellungen am Ende des (tuning-)Tages für die eigenen Komponenten ideal sind, muss jeder an seinem eigenen Rechner herausfinden. Um die einzelnen Stellschrauben vom Grundsatz her zu verstehen, gibt es aber zahlreiche Anleitungen für die verschiedensten Konfigurationen in den Tiefen des Netzes. Hier einige Websites, deren Foren nach Tipps zur eigenen Pc-Konfiguration durchforstet werden können:

http://www.pcgameshardware.de/m,0000
http://www.tomshardware.com/de/
http://www.computerbase.de/

Bevor man die erste Schritte macht, sollte man sich durchaus einige "How-to"s (wie man's macht) zu Gemüte führen: Das sind Anleitungen wie diese, die Grundsätze des Tunens detailliert erläutern.
Hier zwei Beispiele stellvertretend für viele:
Wer einen neuen corei7 im Einsatz hat:
http://www.overclockingstation.de/showthread.php?t=3262

Und wer den Vorgänger tunen will (core2duo oder -quad):
http://www.computerbase.de/forum/showthread.php?t=220462

Vor dem Tunen Werkseinstellungen abrufen

Ein letzter Tipp bevor wir loslegen: Jeder sollte die "Norm-Werte" für die eigene CPU nachlesen! Die CPU wird "ab Werk" auf eine bestimmte Spannung eingestellt uns ausgeliefert. Sie verträgt aber durchaus auch andere Spannungen, versichert jedenfalls Intel. Die Bandbreite ist in den "technischen Daten" des Herstellers zu finden. Diese Daten findet für Intel im "Prozessorfinder" hier:
http://processorfinder.intel.com/default.aspx
oder - für AMD - hier:
http://products.amd.com/en-us/DesktopCPUResult.aspx

Dort muss man das eigene Modell auswählen und anschließend die "Product Documentation" anklicken: So gelangt man zu den "Datasheets" - das ist eine Pdf-Datei, die alle nötigen Informationen enthält.

Öko ist In: "Undervolten" statt Übertakten!

In unserem konkreten Fall testen wir das Tunen an einer core2quad 9650 Extreme Edition. Diese wird ab Werk mit einer Stromspannung ("Voltage") von 1,25 ausgeliefert, er soll aber laut Intel ebenso stabil rechnen in einer Bandbreite zwischen 0,85 und 1,3625. Man kann die CPU also Hochdrehen bis an die Leistungsgrenze oder auch in unteren "Drehzahlen" bei geringem Verbrauch laufen lassen. Dieses "ökologische" Undervolten, ein stabiles System mit möglichst wenig Stromverbrauch (also niedriger Corevoltage) zu konfigurieren, kommt zunehmend in Mode. Doch Vorsicht: Niedrige Spannungen erfordern ein gutes Netzteil (mindestens "80plus"-zertifiziert), weil es sonst Spannungsschwankungen kommt und das System nicht stabil läuft.

Und noch eine gute Nachricht für Umweltbewegte vorweg: Auch wer auf Höchstgeschwindigkeit aus ist, muss aufs Energie sparen nicht ganz verzichten: Den Energiesparmodus C1 muss man dafür nicht ausschalten. C1 ist ein genialer, weil einfacher Kniff von Intel, mit dem das Bios auf dem Board die Leistung des Prozessors herabsenkt, wenn der Rechner gerade nicht ausgelastet ist. In unserem Fall wird die Leistung fast halbiert: von 4 GHz auf gut 2. Das spart Strom und Geld bei der nächsten Rechnung, denn der Rechner verhält sich wie ein Auto, das bei niedriger Drehzahlt im höchsten Gang "cruised".

Jetzt aber los - rein ins Bios!

Ein- und Ausschalten kann man den Energiesparmodus C1 so wie alle anderen wichtigen "Tuning-Schalter" im Bios. Dahin gelangt man, indem man nach dem Starten des Rechners die Entf-Taste gedrückt hält. Achtung: Diese Tastaturbelegung gilt nicht für jedes Bios. Bitte das Handbuch konsultieren oder diese ausgezeichnete Website:
http://www.bios-info.de/
In unserem Fall (Asus P5Q-Premium-Mainboard) heißt das Tuning-Menü im Bios: "AI Tweaker". Etwa ein Dutzend Einstellungen muss man dort verändern, um ein stabiles, perfekt getuntes System zu bekommen.

Als erstes haben wir eine CPU-Einstellungen verändert: Den Multiplikator von 9 auf 11,5 erhöht und den Frontside-Bus von 333 auf 348. Aber Vorsicht: Die muss unbedingt in vielen kleinstmöglichen Schritten erfolgen: zunächst von 9, auf 9,25 erhöhen (oder welche kleinste Erhöhung möglich ist).
Diese zwei Grundeinstellungen bestimmen den "Gesamttakt" der CPU und zwar so: 11,5 mal 348 ergeben 4,002 GHz für den Prozessor. Dieser Eingriff ist allerdings nur bei einem Prozessor wie unserem möglich, einer Extreme Edition: Nur bei diesen ist der Multiplikator "offen", soll heißen: kann beliebig verändert werden.

Bei 90 Prozent der "normalen" CPUs ist dies aber nicht der Fall. Da muss man das Tuning ausschließlich mit der Anhebung des FSBs durchführen. Und das erschwert die Sache. In unserem Fall wurde der FSB nur geringfügig angehoben. Dadurch umgehen wir eines der großen Probleme beim Tuning der core2-CPUS: die Überforderung des Arbeitsspeichers. Denn wer am FSB dreht, beschleunigt automatisch zugleich den RAM-Takt. Denn der FSB ist die Datenautobahn zwischen CPU und Arbeitsspeicher.

Zunächst wurden unsere Rams durch die Anhebung des FSB-Takts auf 1114 MHz beschleunigt. Ab Werk sind sie für 1066 Mhz "zugelassen". Der Hersteller OCZ ist zwar für seine übertaktungsfreudige Rams bekannt - in unserem Fall waren die 48 MHz Übertaktung aber zu viel. Wir müssen also den Ram-Takt einzeln bremsen.

Am besten testen: Die Grenzen der Arbeitsspeicher

Dass unser Ram nicht mitspielte, zeigte die Prüfung der Übertaktung mit Hilfe des eigens dafür entwickelten und kostenlosen Programms "Memtest": Es meldete Fehler.
Wir senkten deshalb den Takt des Speichers im Bios auf 836 MhZ - danach passierte das System den Mem(ory)test fehlerlos. Dabei können wir es beruhigt bewenden lassen. Denn bei einem aufwendigen Vergleich von zwei v verschiedenen Arbeitsspeichern, einer mit der Taktrate 800 MHz und ein anderer mit 1200 MHz, haben die Experten vom Magazin "toms Hardware" festgestellt: Die zusätzlichen "PS" im Arbeitsspeicher sind in der Praxis kaum messbar. Wir leben also gut mit einem Tempo von 836 MHz.

Wer unbedingt auf 1114 MHz beschleunigen will, der kann versuchen, eine andere Einstellungen der Arbeitsspeicher zu frisieren: den so genannten Cash Latency (CL). Das sind, grob gesagt, die Zugriffszeiten auf die Ram-Informationen. Standard sind ab Werk in unserem Fall: 5-5-5. OCZ-Tuningexperte Nico Stamp nannte 6-5-5 oder 6-6-5 als Alternativen. Der "langsamere Zugriff" soll in der Praxis ebenfalls kaum zu spüren sein - dafür gewinnt das System an Stabilität.

Wir mühten uns mit dieser Alternative aber gar nicht erst ab, weil uns der schnellere Standardzugriff (5-5-5) bei respektablen 836 MHz als vernünftiger Kompromiss erscheint. Sollten wir einmal viel Zeit haben, dann werden wir die CLs eher noch strammer anziehen, um so das Tempo zu erhöhen. Aber wer hat schon so viel Zeit für so wenig Ertrag? Näheres zum Thema Cash Latency:
http://ht4u.net/old/2002/speicherroundup/index4.php

Abstürze und blaue Bildschirme - und wie man darauf reagiert

Natürlich erreichten wir unser Ziel, das System bei einer "Höchstgeschwindigkeit" der CPU von 4 GHz stabil im Dauerbetrieb zu halten, nicht beim ersten Anlauf. Der Rechner startete nach der Veränderung von Bus-Takt und Multiplikator entweder gar nicht oder gab mitten beim Booten von Windows auf. Enttäuscht machten wir uns auf die Fehlersuche.
Und wurden fündig: Wer mehr Tempo will muss die Spannung der CPU anheben. 3,8 GHz erreichten wir mit der höchsten von Intel offiziell noch zulässigen Spannung (Core-Voltage) von 1,3625. Die 4-GHz-Marke knackten wir dagegen erst mit 1,40 Volt. Ein Nachteil dieser Maßnahme: Die Temperatur steigt deutlich. Weil wir eine Wasserkühlung im Testrechner haben, hielten sich die Temperaturen in Grenzen. Unter Last - gemessen mit dem Programm Prime95 - wurden die Kerne der CPU rund 65 Grad Celsius warm. Das ist vertretbar. Vorsicht: Wer einen normalen Intel-Kühler (oem) im Einsatz hat, dürfte erheblich höhere Temperaturen auch bei voller Drehzahl des Lüfters haben.

Mit der Anhebung der Spannung war es nicht getan: Der Fernsehempfang ruckelte. Die TV-Karte ist im Board an einem PCI-Anschluss eingesteckt. Wir befolgten deshalb die folgenden Tipps, die wir von verschiedenen Seiten im Netz sammelten:

PCIE spread spectrum: Disable (statt Auto)
PCIE-Frequency (100) (statt Auto)
Loadline Calibration: Disable (statt Auto)

Diese gelten in der Tuning-Gemeinde als Grundeinstellungen für jeden Übertaktungsversuch.

Außerdem orientierten wir uns an folgenden Einstellungen eines erfahrenen Kollegen, der zu unserem großen Glück ein ähnliches System hat:

CPU GTL Voltage Reference (0/2) [auto] 0.63
CPU GTL Voltage Reference (1/3) [auto] 0,63
CPU PLL Voltage [auto] 1,56
FSB Termination Voltage [auto] 1,46
DRAM Voltage [auto] 2,20
NB Voltage [auto] 1,40
NB GTL Reference [auto] 0,67
SB Voltage [auto] 1,10


Wir wollen nicht jede dieser Einstellungen kommentieren - es handelt sich, kurz gesagt, um die Spannung unter der Arbeitsspeicher sowie "Northbridge" und "Southbridge" stehen, also um den Zustand der "Autobahnen", über die Daten zwischen den Bauteilen befördert werden. Den Tipp des erfahrenen Kollegen testeten wir auch deshalb, weil diese Werte innerhalb der Spannen liegen, die das Handbuch unseres Mainboards als verträglich einstuft. Dank und Gruß geht also an "rumpel02", dessen Tipps und Anweisungen hier zu finden sind: http://www.computerbase.de/forum/showpost.php?p=3811735&postcount=2

Das Ziel vor Augen - jetzt die Bewährungsprobe

Nun läuft unser PC schnell - und rund. Doch noch ist der Beweis nicht erbracht, dass diese Einstellungen unter Last auch wirklich stabil sind. Daher kommt nun die Stunde von "prime95" und "coretemp". Soll heißen: Der Prozessor wird auf Herz und Nieren geprüft, indem er durch die Rechenoperationen von "prime95" zu 100 Prozent ausgelastet wird, dabei aber zugleich die Temperaturen im Blick bleiben (Coretemp). Sind die Einstellungen mangelhaft, erkennt man das daran: Das grüne Testlabel von prime wird rot - das Programm setzt mit dem Rechnen aus. Der scharfe Blick auf coretemp gilt den Temperaturen: Ist das System nicht ausreichend gekühlt, dann werden die Kerne rasch 70 Grad und mehr heiß - und es geht ans umbauen des Rechners (größerer Kühler oder gleich die Wasserkühlung).

Ganz sorgfältige Overclocker lassen Prime95 sogar mehrere Tage laufen - andere über Nacht. Wer sicher gehen will, sollte es mindestens sechs Stunden laufen lassen. Dann ist man auch beim Gaming auf der sicheren Seite.

Übrigens: "Prime95" prüft nicht nur den Prozessor, sondern auch das Zusammenspiel mit dem Arbeitsspeicher. Dazu gibt es mehrere Anwendungen, die man hintereinander ablaufen lassen kann. Einen schönen und wirklich erschöpfenden Beitrag zu dem so genannten "Primeln", wie dieses Verfahren genannt wird, hat "angoholic" hier abgelegt:
http://www.hardwareluxx.de/community/showthread.php?t=508101

Und, war es wirklich so schlimm?

Hm.. jetzt, wo der Rechner stabil bei 4 GHz läuft, können wir sagen -: nein, es hat Spaß gemacht!

Und, hat es sich gelohnt?
Ja - ganz sicher.

Nur wegen der Zahlen? Nur weil auf dem Papier, genauer: auf dem Bildschirm, der Takt erhöht, das Tempo beschleunigt, und das zugleich auch eine ungeheure Placebo-Wirkung hinterlässt? Nur weil wir jetzt mit dem Porsche aus dem Auto-Quartett auftrumpfen, der allein schon wegen der PS-Zahl immer sticht?

Sicher, auch das gehört dazu, aber es ist nicht der einzige Grund: Wir haben nachgemessen, und die Zahlen bestätigten unser Wahrnehmung.

Auch hierfür gibt es Software: SisSandra und VantageMarkPC. Bei zwei von vier Tests, der Multimedia-Leistung (SisSandra) und der praxisnahen Prüfung von Video-, Web-, Schreib- und Fotobearbeitungsleistung (PCMarkVantage) ist die Leistung beim 4-GHz-beschleunigten Auslaufmodell sogar höher als beim neuen corei7-965-Testsystem in der Werkseinstellung.

Wir feiern also einen kleinen Triumph über das gnadenlose Moorsche Gesetz, wonach sich die Leistungsfähigkeit von Rechnern alle 18 Monate verdoppelt. Natürlich, es ist ein Triumph von kurzer Dauer und natürlich nur über neue Systeme, bei denen nicht an der Taktschraube gedreht wurde. Denn im Netz findet man auch die echten Monster: ein corei7, der auf 4,3 GHz geschraubt wird - und der erreicht die doppelte Punktszahl auch im praxisnahen VantageMarkPC-Test.

Wir heben den Hut und gönnen es ihm - schließlich kostet dessen Rechner doppelt so viel wie unser nicht mehr ganz so taufrisches Testsystem. Wer aber nun Feuer gefangen hat, sollte gleich nach diesem System greifen. Bieten sie mit - bei uns!

1 Kommentar

Neuester Kommentar