Samsung Audio Dock DA-E751 im Test : Mp3 aus der Röhre

Mp3 und Röhrenverstärker? Das ist wie McDonalds und Haute Cuisine. Samsung baut ein Gerät, in dem sich diese beiden Welten zusammen finden sollen. Das Audio Dock DA-E751 gibt mit Röhrenverstärker vornehmlich Mp3s wieder. Reduktion versus hohem Genuss, eigentlich Quatsch, oder? Ein guter Grund genauer hinzusehen.

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Schaust Du auf die Röhre: Unter dem Fiberglasdeckel rechts sind die beiden Elektronenröhren des Samsung DA-E751 zu sehen. An der Vorderseite geben zwei 20-Watt-Lautsprecher den Sound wieder, unten verstärkt ein 60 Watt starker Subwoofer.
Schaust Du auf die Röhre: Unter dem Fiberglasdeckel rechts sind die beiden Elektronenröhren des Samsung DA-E751 zu sehen. An der...Foto: Hersteller

Röhrenverstärker sind spätestens seit den neunziger Jahren eigentlich nur noch was für Liebhaber. Schon in den siebziger Jahren begann die Ablösung der guten alten Röhre zugunsten der Transistoren. Sie waren billiger zu produzieren und weniger empfindlich als die bisher verbreiteten Glasbausteine, die allerdings Hifi-Klänge seit den fünfziger Jahren erst richtig zur Verbreitung verholfen haben. Lange Zeit aber konnten die auf Halbleitertechnologie basierenden Transitstorenverstärker klanglich den Röhren nicht das Wasser reichen. Erst in den späten siebziger und dann in den achtziger Jahren waren die Wachablösung perfekt und in den neunziger Jahren saßen die Röhrenverstärker endgültig in der Nische von Gitarrenverstärkern und auf den Altären der Audiophilen. Die behaupten bis heute den perfekten Klang nur aus solchen Geräten erhörne zu können. Das mag sein, aber geschultes Gehör erschließt sich das wohl niemand.
Und diese Soundfetischisten leben ihre Leidenschaft für die höchste Klangkultur in der Regel auch mit ganz feinen Tönen aus. Da muss es dann Vinyl sein, lieber sogar Schellack. Und gerne live und auf keinen Fall elektronisch aufbereitet. Ein kleine, sehr anspruchsvolle Klientel, die sich bis heute enthusiastisch um die schön anzusehenden Röhrenverstärker als Sammlerobjekte und Liebhaberstücke kümmert.

Reduzieren bis die Ohren quietschen

Die kompakten Abmessungen sind ein großer Vorteil der Samsung DA-E751. Mit nur 45 Zentimetern Breite und 24 Zentimetern Tiefe passt das Audio Dock fast in jedes Regal.
Die kompakten Abmessungen sind ein großer Vorteil der Samsung DA-E751. Mit nur 45 Zentimetern Breite und 24 Zentimetern Tiefe...Foto: Hersteller

Mp3 hingegen ist Komprimierung. Entstanden ist das Format als Kompromiss zwischen Dateigröße und Klangqualität. Mitte der neunziger Jahre, als Napster groß in Mode und die Bandbreite des Netzes noch gering war, gingen Mp3-Dateien durch die Kabel, bei denen man ernsthafte Hörschäden befürchten musste. So stark waren diese runterkomprimiert. Die Idee ist so simpel wie genial. Digital gespeicherte Audiodateien werden um diese Frequenzen reduziert, die der Mensch ohnehin nicht hören kann. Je mehr an Audiosignalen wegreduziert wird desto kleiner wird die Datei. Da sind die Grenzen aber fließend. Als Datentransfer im Internet noch richtig teuer war, gab es viele Musiktitel, denen anzuhören war, dass so einiges an Klangqualität zugunsten der Dateigröße verlustig ging.

Nun geht Samsung hin und bringt ein Gerät, dass diese beiden Welten vereinen soll: Eine Audio-Docking-Station für Smartphones oder Tablets mit einem integrierten Röhrenverstärker. Da werden oben genannte Klangfetischisten die Nase rümpfen, denn diese Geräte arbeiten allesamt mit komprimierten oder reduzierten Musikformaten wie Mp3 oder Wave. Ein Anachronismus also?

Verstärkung durch Hybrid

Das Audio Dock DA-E751 beweist das Gegenteil. Der Klang der drei Lautsprecher – unten ein Subwoofer mit 60 Watt und zwei Frontlautsprecher mit je 20 Watt – ist bestechend und lässt viele Transistorverstärker recht alt aussehen. Allerdings ist zu erwähnen, dass der Samsung Audio Dock DA-E751 kein reiner Röhrenverstärker zugrunde liegt. Vielmehr ist unter dem schwarzen Echtholz ein Hybridverstärker verbaut, der auch mit Transistoren arbeitet. Die beiden Elektronen-Röhren unter einem Fiberglasdeckel untergebracht und beim Betrieb mit Licht illuminiert. Das macht schon was her.

Neben dem schwarzen Klavierlack gibt es das Audio Dock DA-E751 auch noch in Eichenholz-Optik. Das Gehäuse ist Echtholz gefertigt und massiv gebaut.
Neben dem schwarzen Klavierlack gibt es das Audio Dock DA-E751 auch noch in Eichenholz-Optik. Das Gehäuse ist Echtholz gefertigt...Foto: Hersteller

Ähnlich wie der Klang des Samsung DA-E751. Was einige Fachzeitschriften bereits feststellten erschließt sich auch bei unserer Hörprobe schnell: Sowohl Fülle als auch Lautstärke der Klänge sind erster Güte und können sich durchaus mit hochpreisigeren Hifi-Verstärkern messen. Zugute kommen dem Gerät aber die kompakten Abmessungen und vor allem die einfache Handhabung. Dieses Audio Dock ist für die Generation Smartphone gemacht. Ein Druck auf die Rückseite lässt die Dockingstation aufklappen. Hier können iPod und iPhone direkt verbunden werden. Aber es handelt sich hier um einen Samsung-Gerät und daher kann über Mini-USB natürlich auch das hauseigene Smartphone Galaxy S2 oder S3 angeschlossen werden. Das ist mal erfreulich anders, denn diese Gelegenheit bekommen Android-Nutzer selten.

Offene Welt

Für die hauseigenen Smartphones hat Samsung auch eine eigen App zur Steuerung der DA-E751 programmieren lassen. Hier lassen sich Equalizer-Einstellungen vornehmen und die Sounds werden visualisiert. Schöne integrierte Welt, die sich Apples schärfster Rivale sicher aus Palo Alto abgeschaut hat. Warum auch nicht, denn anders als die Apfel-Produkte ist das Samsung Audio Dock auch für andere Geräte offen. Über Bluetooth kann sich jedes Smartphone oder auch Blu-Ray-Player verbinden. Ansonsten geht noch die USB-Verbindung und natürlich auch Apples Sonderweg Airplay. Eine rundum offene Veranstaltung also.

Ganz billig ist dieses Vergnügen dann aber nicht. Im Fachhandel kostet das Samsung Audio Dock DA-E751 rund 600 Euro. Über den Online-Handel lässt sich möglicherweise ein Preis von etwa 500 Euro erzielen. Das ist im Vergleich zu anderen Bluetooth-Wiedergabegeräten oder Audio Docks schon eine Hausnummer höher. Allerdings dürften die sich nicht so schick ins Wohnzimmer integrieren. Vom Stylefaktor sticht dieses Gerät von Samsung schon heraus. Und die beiden Welten, Röhrenverstärker und Mp3 passen am Ende wunderbar zusammen.

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