Vorstellung Canon EOS 6D : Vollformat für Einsteiger

Wer Fotos in bester Qualität schießen will oder ambitioniert filmen, der kommt um eine Vollformatkamera nicht herum. Mit der neuen Canon EOS 6D ist der Einstieg in die Königsklasse so günstig wie nie.

Martin Lewicki
Preisknaller für Profi-Fotografen: Mit der Canon EOS 6D kommt eine Kamera auf den Markt, die für einen vergleichsweise günstigen Preis viel bietet.
Preisknaller für Profi-Fotografen: Mit der Canon EOS 6D kommt eine Kamera auf den Markt, die für einen vergleichsweise günstigen...Foto: Hersteller

In den letzten 15 Jahren hat die Fotografie einen Umsturz erlebt. Kaum ein anderer technologischer Zweig hat sich derart gewandelt von analog zu digital und eine so schnelllebige Dynamik angenommen. Selbst einige der größten Kamerahersteller haben dabei den Anschluss verloren. So musste der Pionier und Branchenlegende Kodak letztes Jahr Insolvenz anmelden und sich komplett aus dem Foto- und Filmmarkt zurückziehen. Auch Namen wie Konica und Minolta verschwanden in den letzten Jahren von der Bildfläche und gaben ihre Kamera- und Filmsparten auf. Der digitale Megapixel-Markt liefert Konsumfutter ohne Ende, doch wer als Hersteller bei den Trends nicht mithalten kann, der verendet in dem Haifischbecken.

Neben der Schnelllebigkeit des Digicam-Marktes kommt auch noch starke Konkurrenz von außerhalb: Smartphones mit ihren eingebauten Kameras. Diese sind auf dem besten Weg die Immer-dabei-Digicams abzulösen. Praktisch gesehen ist es die wohl smarteste Lösung seine Smartphone-Kamera für Schnappschüsse zu nutzen. Zum einen ist das Smartphone im Gegensatz zu den meisten Digicams tatsächlich immer dabei. Und zum anderen kann man seine Schnappschüsse direkt bei Facebook oder WhatsApp hochladen, per E-Mail und MMS versenden oder kabellos an einem kompatiblen Drucker ausdrucken. Erstaunlicherweise wird die Kluft bei der Bildqualität zwischen Smartphones und kompakten Einsteiger-Digicams immer geringer. So bietet beispielsweise Sony in seinem neuen Handy-Flagschiff XperiaZ eine 13-Megapixel-Kamera mit Bildstabilisierung, Gesichtserkennung, Motiverkennung, und HDR sowohl für Fotos als auch für Filme. Letztere lassen sich obligatorisch in Full-HD drehen.

Auf den Sensor kommt es an

Die rasante Entwicklung der Smartphone-Kameras bringt klassische Digicams in Bedrängnis, denn beide verfolgen das gleiche Ziel: die perfekte Bildqualität bei möglichst geringen Abmessungen. Allerdings haben in dieser Hinsicht die Digicams nach wie vor die wesentlich besseren Karten. Dabei kommt es in erster Linie nicht auf die Megapixelanzahl an (was immer noch oft von den Herstellern suggeriert wird), sondern auf die Sensorgröße und das Objektiv. Denn je größer der Sensor, desto mehr einfallendes Licht und mehr Details können eingefangen werden. Insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen (und da reicht oft schon ein bewölkter Himmel oder ein schlecht ausgeleuchteter Raum) spielen die großen Sensoren ihre volle Stärke aus.

Der Vollformat-Sensor mit den Abmessungen 36 x 24 mm macht die EOS 6D so wertvoll. Sogar Filme im HD-Format sind problemlos machbar.
Der Vollformat-Sensor mit den Abmessungen 36 x 24 mm macht die EOS 6D so wertvoll. Sogar Filme im HD-Format sind problemlos...Foto: Hersteller

Zum Vergleich: Eine beliebte Reisezoom-Kamera wie die Panasonic Lumix DMC-TZ25 hat einen 1/2,3 Zoll-Sensor. Das ist ungefähr so groß wie der Nagel des kleinen Fingers. Eine gute Systemkamera mit Wechselobjektiv wie die Olympus Pen E-PL5 hat einen so genannten Four-Thirds-Sensor, der in etwa so groß ist wie ein Daumennagel. Darüber rangieren die digitalen Spiegelreflexkameras, wie zum Beispiel die brandneue Nikon D5200. Diese hat einen DX-Sensor mit einem Format von 23,7 x 15,6 mm, also fast doppelt so groß wie der Four-Thirds-Sensor. Und dann gibt es noch die Königsklasse: Vollformat- beziehungsweise Kleinbildformat-Sensoren mit 36 x 24 mm Größe. Diese sind also etwa doppelt so groß wie der Sensor einer Mittelklasse-Spiegelreflex-Kamera. Die jüngste Erscheinung dieser Gattung ist die taufrische Canon EOS 6D.

Auf den zweiten Blick ein Schnäppchen

Das besondere an der Canon EOS 6D ist vor allem ihr Preis. Der Kamera-Body ist bereits ab etwa 1.798,90 Euro im Internet erhältlich. Für die Meisten hört sich das nicht gerade nach einem Schnäppchen an, doch in ihrer Klasse ist die EOS 6D tatsächlich ein preiswertes Angebot. So kostet das große Schwestermodell EOS 5D Mark III ohne Objektiv mindestens 2.777 Euro. Doch gehört die 5D mit ihrer ausgezeichneten Bildqualität zu den Referenzmodellen. Die EOS 6D ist nur einen Hauch entfernt von der Bildqualität ihrer großen Schwester. Und der gesparte Tausender kann in ein gutes Objektiv investiert werden.

Vielfältig: Neben den klassischen Anschlüssen lässt sich die Canon EOS 6D sogar über ein Smartphone steuern.
Vielfältig: Neben den klassischen Anschlüssen lässt sich die Canon EOS 6D sogar über ein Smartphone steuern.Foto: Hersteller

Im Handlingvergleich macht die 6D sogar eine bessere Figur als die 5D. Das liegt daran, dass die 6D für eine Vollformatkamera ziemlich kompakt geraten ist. Zudem ist sie auch eine der leichtesten Kameras dieser Klasse und wiegt mit 777 Gramm fast 200 Gramm weniger als die 5D. Und das spürt man sofort. Die 6D liegt hervorragend in der Hand. Die großzügige Oberflächengummierung ist sehr griffig, wodurch die Kamera einen sicheren und komfortablen Halt hat. Zudem ist das Magnesiumgehäuse mit Dichtungen gegen Staub und Feuchtigkeit geschützt. Das fühlt sich nach einer längeren Kamera-Beziehung an.

Smartphone befiehlt Kamera

Die 6D hat der teureren 5D sogar zwei Goodies voraus. Zum einen WLAN, wodurch sie von einem PC, Mac oder Smartphone aus gesteuert werden. Die Bilder lassen sich dann drahtlos übertragen oder ins Internet hochladen. Und mit der App „EOS Remote“ lässt sich sogar das Live-Bild auf einem Tablet oder Smartphone anzeigen. Zum anderen verfügt sie über einen GPS-Empfänger, der den Aufnahmeort speichern kann.

Wer kein Profifotograf ist, der wird sich zudem über die automatische Motiverkennung freuen, die es so in der 5D nicht gibt. Dazu gehören Porträt, Landschaft, Nahaufnahme, Sport, Nachtporträt und Nachtaufnahme ohne Stativ. Besonders gelungen ist der HDR-Modus, mit dem gute Bilder auch bei Gegenlicht gelingen. Dabei werden mehrere Aufnahmen gleichzeitig geschossen und miteinander kombiniert.

Das Bild des LiveView-Monitors lässt sich auch auf ein Smartphone übertragen. Außerdem ist ein GPS-Modeul verbaut.
Das Bild des LiveView-Monitors lässt sich auch auf ein Smartphone übertragen. Außerdem ist ein GPS-Modeul verbaut.Foto: Hersteller

Ein großer Pluspunkt der 6D ist ihre hervorragende Filmqualität. Als vor einigen Jahren die 5D Mark II von Canon auf den Markt kam revolutionierte sie nahezu die Low-Budget-Filmmöglichkeiten. Denn im Full-HD-Aufnahmemodus erreichte ihr Vollformatsensor eine Spitzenbildqualität, die für viele Musik- und Werbevideos sowie Kurzfilme genutzt wurde. Außerdem ermöglicht der große Sensor sehr schöne Tiefenunschärfen, die zu einem beliebten filmischen Element wurden. All dies bietet auch die 6D und eignet sich mit ihren filmischen Möglichkeiten sowohl für Hobby-, als auch für ambitionierte Filmer.

Gegenüber der deutlichen teureren Canon EOS 5D Mark III ist die 6D kompakter gebaut und deutlich leichter. Von den Funktionen her fehlt aber kaum etwas.
Gegenüber der deutlichen teureren Canon EOS 5D Mark III ist die 6D kompakter gebaut und deutlich leichter. Von den Funktionen her...Foto: Hersteller

So begeisternd die 6D auch ist, es gibt ein paar Minuspunkte. Völlig unverständlich in dieser Preis- und Leistungsklasse ist ein fehlender schwenk- und drehbarer Monitor. Besonders nervig ist das bei bodennahen Aufnahmen, die extreme Verrenkungen erfordern. Und einen integrierten Blitz gibt es genauso wenig. Man darf gespannt sein, wann diese technischen Finessen es in eine Vollformatkamera von Canon schaffen. Nichts desto trotz: Wer die ultimative Bildqualität zu einem noch erschwinglichen Preis sucht, der wird bei der Canon EOS 6D fündig.

CANON EOS 6D, Vollformat-Sensor, 20 Megapixel, Full-HD-Video, HDR, GPS, WLAN, 145 x 111 x 71 mm, 777 Gramm, ab ca. 1798,90 Euro

2 Kommentare

Neuester Kommentar