Medien : Teil und Träger der Instanz „FAZ“

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Verleger wirken hinter den Kulissen, und auch ihnen flicht die Nachwelt keine Kränze. Hans-Wolfgang Pfeifer hätte sie verdient – obwohl er den Titel nicht in Anspruch nahm, sondern schlicht der Vorsitzende der Geschäftsführung der „FAZ“ war, über zwanzig Jahre lang. Aber ohne ihn wäre diese Zeitung nicht, was sie heute ist. Seine Geschäftspolitik sichert ab, dass sie das Blatt ist, das zwar nicht gerade zu den Verfassungsorganen der Bundesrepublik gehört, aber mit ihnen doch die instanzhafte Unersetzbarkeit teilt. Er war es, der es vom Anfang der siebziger Jahre an zum Mittelpunkt einer verzweigten Verlagsgruppe gemacht hat. Der Anwalt aus einer alten Frankfurter Familie kultivierte seine Unabhängigkeit, politisch, geschäftlich und intellektuell – der Vorsitz des hessischen Verbands Freier Berufe war ihm wohl das liebste der zahlreichen Ämter, die sich bei ihm ansiedelten. Aber Pfeifer stand auch für den Geist des Hauses „FAZ“. Die unterschiedlichen Ansichten, die in dieser Zeitung zusammenwohnen – und gelegentlich auch zusammenstoßen –, waren sich einig in der Hochschätzung dieses Mannes. Bis ins hohe Alter erstaunlich alterslos, nahm Pfeifer, ein schlanker Mann, dem immer noch ein Hauch Assessor anhing, für sich ein durch Interessiertheit, Witz und die Maßstäbe, die er setzte. Hat man je – und das in einer Branche, die sich gerne das Maul zerreist – etwas Bösartiges über ihn gehört? Man merkte Pfeifer an, dass er neben der Juristerei auch Theologie und Literatur studiert hatte. Mit seiner leicht ironischen Art des Umgangs war er unendlich prägend, nicht zuletzt gegenüber seinen Redakteuren – ein Verleger, der es verstand, diesem komplizierten Verhältnis eine ganz persönliche Façon zu geben. Im Alter von 71 Jahren ist Pfeifer jetzt der Krankheit, die ihn im Frühjahr wahrlich hinterrücks überfallen hat, erlegen. Rdh.

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