Medien : Telekolleg

Stephan Alxeander Weichert

Fernsehen bildet - nicht erst seitdem die Quiz-Manie die Programme des Abendlands heimsucht. Und während Jauch & Co mitunter kläglich scheitern, den bildungsärmeren Teil der Republik mit neuem Wissen zu versorgen, zeigen die öffentlich-rechtlichen Dritten schon eine halbe Ewigkeit, dass "Lernsehen" durchaus unterhaltsam sein kann: Junge Scharping-Doubles in zu kleinen Kord-Sakkos, die uns englische Konjugationen zum Nachsprechen aufsagen; pickelige Physik-Onkels mit zerzausten Fidel-Castro-Bärten und bayerischem Akzent, die Ionen durch ein Geiger-Müller-Zählrohr jagen; windige Mathematikgenies in orange-braunen Strickpullis, die unentwegt Formeln in die Tafel kratzen und dabei genüsslich an ihrer Pfeife saugen - originelle Pädagogen, die uns Schulkindern die Regennachmittage vor der Glotze versüßten, hatte das "Telekolleg" in den späten 70ern zuhauf. Sie erleichterten den Kultusministern ihre Arbeit - und steigerten so unsere Vorfreude auf ein heiteres, lebenslanges Lernen enorm.

Immerhin: Der Vorläufer von Edutainment-Shows wie "Wer wird Millionär?" und "Knoff Hoff" zählt ganze 35 Lenze. Und selbst wenn das etwas in die Jahre gekommene Telekolleg seine Zuschauer bisweilen nicht mit Millionengewinnen aus Werbeeinnahmen zum Büffeln animieren konnte, hat dieses Langzeitformat das Bildungsbürgertum geprägt wie kein zweites. Der Siegeszug der Fernseh-Schule begann in den 60ern als man Bildung zum "Bürgerrecht" (v)erklärte: Für die wissbegierigen Hausfrauen und Schichtarbeiter der Nachkriegsgeneration bliesen Bayerischer Rundfunk und Bayerisches Kultusministerium am 2. Januar 1967 zur Bildungsoffensive in deutschen Wohnzimmern - WDR und ORB schlossen sich später dem Fern-Lehren an. Inzwischen wurde das freundliche Telekollegium allerdings in die frühen Morgenstunden abgeschoben. Wen wundern da eigentlich noch die miserablen Ergebnisse der PISA-Studie?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben