Medien : Terrorträume

Annabel Wahba

Norden-College in Upstate New York. Eine ganze Batterie von 70er- Jahre-BMWs kurvt durch die Straßen. Auch sonst begegnen der jungen Mara einige sonderbare Dinge, als sie an das exklusive College für die Kinder der Neureichen wechselt. Sie hat ein Faible für Serienmörder und studiert die Psychologie des Abnormen. Gleich am ersten Tag verliebt sie sich in Holden, den mysteriösen Germanistikstudenten mit dem Waschbrettbauch.

„Die Baader-Meinhof-Affäre“ der 35-jährigen amerikanischen Künstlerin Erin Cosgrove erschien gerade im Münchner Blumenbar Verlag, derzeit ist die Autorin in Deutschland auf Lesereise (am 17. März in den Kunstwerken in Berlin, wo auch Videos von ihr in der RAF-Ausstellung zu sehen sind). Das Buch ist „ein romantisches Manifest“, ziemlich kitschig und ziemlich komisch.

Vom Studentenmilieu der USA konnte man bislang annehmen, dass die Affinität zu deutschen Terroristen nicht allzu groß ist. Das macht die Komik des Buches aus: diese Gruppe von Germanistikstudenten, die für Baader und Meinhof schwärmen, fleißig Deutsch lernen und BMW fahren. Mara, die durch die Liebe zu Holden zu dem Geheimzirkel stößt, verwechselt den Namen „Rote Armee Fraktion“ immer mal wieder mit „Rote Freak-Armee“. „Mag sein, dass es unamerikanisch ist, sich über Terrorismus lustig zu machen“, schrieb die New Yorker „Village Voice“ über das Buch, aber „es wäre zu schade, wenn wir nicht mal mehr was zu lachen hätten.“


Dieses Buch bestellen Erin Cosgrove: Die Baader-Meinhof-Affäre. Roman. Aus dem Amerikanischen von Hans Schmid. Blumenbar, München. 336 Seiten, 18 €.

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