Medien : Tessa ist anders als die anderen

Frederik Hanssen findet, dass nicht alle

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Schund sind

Da bestellt sich das ZDF eine neue Telenovela – und bekommt ein Produkt geliefert, das lediglich dem Namen nach an jene abgefilmten Endlosgroschenromane erinnert. „Leben für die Liebe“ bietet vielschichtige Charaktere, geistreiche Dialoge, eine geschmackssichere Ausstattung sowie eine Hauptdarstellerin, die durch ihre strahlende Natürlichkeit bezaubert. Alles eher untypisch für diese Art von TV-Dauerdramen, in denen sich normalerweise Klischee-Figuren mit gestanzten Sätzen durch vorhersehbare Katastrophenszenarien manövrieren wie im „Sturm der Liebe“, der Konkurrenz im Ersten. In „Leben für die Liebe“ sind die Männer die Zicken: Da ist der Buchautor, der seiner überarbeiteten Mediziner-Frau mehrere Folgen lang nicht verzeiht, dass sie den 30. Hochzeitstag vergessen hat. Da leidet ein pubertierender Bengel Höllenqualen, weil seine Angebetete nicht pünktlich angerufen hat.

Während man sich sonst bei Telenovelas immer fragt, wann die Leute eigentlich ihren Lebensunterhalt verdienen, sieht man sie bei „Leben für die Liebe“ arbeiten: Die Heldin Tessa Thalbach wird nach einem Unfall in eine Sportklinik eingeliefert – und gleich dabehalten, als sich herausstellt, dass die patente junge Frau Physiotherapie gelernt hat. In ihrem neuen Job lernt Tessa auch ihren Felix kennen. Der ist seinerseits keiner dieser Nussknackerkinnkerle, wie sie zu Dutzenden die Telenovelas bevölkern, sondern ein weich konturierter Klassikfan und angehender Arzt. Mit einem Wort: Jeder Vergleich zwischen der konventionellen Soap und „Leben für die Liebe“ fällt aus wie der zwischen Laminat und echtem Dielenboden.

Und was macht das ZDF? Gibt das teuer produzierte Produkt schon nach zwei quotenschwachen Startwochen verloren und verlegt die Sendezeit um eine Stunde vor. Seitdem versendet sie sich dort. Liebe Mainzer, bitte gebt doch der sympathischen Physiotherapeutin eine zweite Chance! Habt den Mut, die Serie noch einmal neu starten, diesmal zu einer Sendezeit, die zum Zielpublikum passt, sagen wir: um 18 Uhr. Und mit einem neuen Titel versehen, der keine Abschaltreflexe auslöst. Zum Beispiel: „Tessa – Wechselbäder der Liebe“.

„Leben für die Liebe“; ZDF, 14 Uhr 10

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