Medien : Teurer Bohlen

RTL muss 100 000 Euro Bußgeld für Sprüche zahlen

„Den ganzen Vormittag hatte ich das Gefühl, am Abgrund zu stehen. Mit dir sind wir einen Schritt weiter.“ „Du guckst wie ich beim Kacken.“ „Jeder Specht im Wald hat mehr Taktgefühl als du.“ Für solche Art Sprüche muss der Kölner Privatsender RTL 100 000 Euro zahlen, weil in der Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) gegen den Jugendschutz verstoßen wurde. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) bleibe auch nach einer Anhörung des Senders am Mittwoch bei ihrem Beschluss vom Februar, teilte das Gremium mit. Es hatte insbesondere beleidigende Äußerungen von Jury-Mitglied Dieter Bohlen kritisiert. RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer sagte, der Sender nehme die Entscheidung zur Kenntnis, behalte sich „weitere Schritte vor“ und wollen den Bescheid der Niedersächsischen Landesmedienanstalt abwarten. Diese ist formell für die Aufsicht über RTL zuständig.

Der KJM-Vorsitzende Wolf-Dieter Ring kritisierte, beleidigende Äußerungen und antisoziales Verhalten würden bei „DSDS“ als Normalität dargestellt. So würden Verhaltensmodelle vorgeführt, die Erziehungszielen wie Toleranz und Respekt widersprächen. „Das kann vor allem auf Kinder unter zwölf Jahren desorientierend wirken“, sagte Ring. Die Jugendschützer hatten vor allem Nachmittagswiederholungen der Casting-Show beanstandet, da tagsüber auch Kinder vor dem Fernseher säßen, die besonders geschützt werden müssten. Ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen RTL wurde eingestellt, da der Sender sich verpflichtete, die Casting-Sendungen der nächsten Staffel der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) vorzulegen. Sie gibt Empfehlungen dazu ab, für welche Altersgruppe eine bestimmte Sendung geeignet ist und zu welcher Uhrzeit sie ausgestrahlt werden kann.

„Deutschland sucht den Superstar“ soll laut Eickmeyer wie geplant 2009 in die nächste Staffel gehen. Bewerber werden bereits gesucht. Ob die sich bei einem moderaten Dieter Bohlen vorstellen müssen, ist unwahrscheinlich, ein Maulkorb für Bohlen nur schwer vorstellbar. Möglicherweise werden die Redakteure im Schnitt bei der Abnahme der Sendung etwas mehr zu tun kriegen. meh

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