The next Uri Geller : Der Beschiss des Raben

Zum Finale bei Uri Geller: Wie Fans, Fernsehmacher und Skeptiker reagieren.

Torben Waleczek
Raven
Vincent Raven steht im Finale. -Foto: ProSieben

Scheiden tut weh, sagt der Volksmund. Aber dem Sieger von „The next Uri Geller“ wird der Abschied vom wöchentlichen TV-Auftritt zumindest mit einem Preisgeld von 100 000 Euro versüßt. Heute Abend wählen die Zuschauer beim Finale der Show unter den verbliebenen drei Kandidaten den Gewinner. Dann hat es sich „ausgegellert“. Ob man bei ProSieben darüber so unglücklich ist? Die Quoten der Sendung sind nach einem erfolgreichen Start mit 20 Prozent in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen jedenfalls kontinuierlich nach unten gerutscht. Zuletzt erreichte die Show einen Marktanteil von 13,8 Prozent. Vielleicht lag es an der ewigen Wiederholung der immer fast gleichen und zumeist auch recht durchsichtigen Kunststückchen der so genannten Mentalmagier.

Ein Verdienst, immerhin, kann man Uri Geller hoch anrechnen: Mit seiner Sendung hat er den anderen Fernsehmachern reichlich Stoff für wirklich gelungene Parodien geliefert. Das Medium, so die wieder belegte Soziologen-These, verweist stets auf sich selbst. Dass dabei Endlosschleifen produziert werden – geschenkt. Wenn Oliver Pocher als „Morta Deller“ per Fingerzeig Kaufhaustüren öffnet, erweist sich spielerisch die ganze Blödsinnigkeit mentalmagischer Tricksereien.

Auch Stefan Raab hat kürzlich geschlagene zwanzig Minuten seiner Sendung auf den „Mentalmagier“ Vincent Raven verwendet. Dieser Finalkandidat, schwarzer Mantel und lange blonde Haare, tut sich vor allem dadurch hervor, dass er seine prominenten Show-Partner rüde zurechtweist („Lies das vor! Lies es lauter!“), während sein Rabe Corax ganz ungerührt die Bühne bescheißt. Als dann auch noch eine seiner Voodoo-Nummern kläglich daneben ging, da kannte Stefan Raab keine Gnade mehr und lieferte bei „TV Total“ eine Krawall-Persiflage auf Vincent Raven, die es in sich hatte. Mit einem freundlichen Crossmarketing für die Senderkollegen hatte das nur noch wenig zu tun. Auf dem Internetportal Youtube sind die Parodien von Raab und Pocher mittlerweile wahre Renner geworden.

Überhaupt grassiert in der Youtube-Gemeinde eine regelrechte Geller-Manie. Weit über 100 Kurzfilme von Fans und Verächtern finden sich auf dem Videoportal, viele davon erzielen Klickzahlen im sechsstelligen Bereich. Wenn Geller seine Zauberworte spricht („Echat, Schteim, Schalosch“) und bei einem Zuschauer tatsächlich ein Löffel vom Fernsehgerät fällt, dann wollen das Tausende sehen.

In den meisten Clips jedoch versuchen findige Skeptiker, die Kunststücke aus der Sendung als einfache Tricks zu entlarven. So erfahren wir etwa, dass es das Mona-Lisa-Puzzle, für das Kati Witt aus einem vollen Beutel ausgerechnet das fehlende Teil herausfischt, im Zauberer-Shop für 500 Euro zu kaufen gibt. Einige ganz hartnäckige Zweifler haben sogar eigene Weblogs mit Namen wie „Urigellertricks“ oder „Gellerentlarvt“ gestartet. Darin versorgen sie ihre Leser direkt nach den Sendungen mit mehr oder weniger plausiblen Erklärungen für das wundersame Geschehen im Fernsehen. Dass man derlei Entzauberungen bei ProSieben wenig erbaulich findet, liegt nahe. Medienberichten zufolge soll der Sender sein hauseigenes Diskussionsforum kurzerhand abgeschaltet haben, als auf den Seiten zu viele Tricks verraten wurden. ProSieben bestreitet solche Zensurmaßnahmen natürlich vehement, statt dessen verweist man lieber auf eine ebenso positive wie massive Resonanz von Seiten der Zuschauer. Uri Geller bekommt im Schnitt 1500 Mails pro Tag, sagt ein ProSieben-Sprecher. Und angeblich beantwortet Geller jede dieser Mails höchstpersönlich. Die größte Rückmeldung hatte der Sender auf seine Raucherentwöhnungsaktion. „Echat, Schteim, Schalosch“ – und die Lust auf die Zigarette ist wie weggezaubert. So jedenfalls hat Uri Geller seine Wundertat angekündigt. Rund 100 000 Zuschauer haben anschließend bei ProSieben gemeldet, dass es bei ihnen geklappt hat.

Weniger gesundheitsförderlich war die Show für einen Schüler aus Kirchheim/Baden-Württemberg. Mit seinen Freunden wollte der 14-Jährige einen Trick nachspielen. Die Freunde griffen dem Jungen mit ausgestreckten Zeigefingern in die Kniekehlen und unter die Achseln, um ihn so zum Schweben zu bringen. Das Ergebnis war ein böser Sturz auf den Kopf: Der Schüler wurde mit Verdacht auf Schädelbasisbruch in das nächste Krankenhaus eingeliefert.

„The next Uri Geller“, ProSieben, 20 Uhr 15

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