Thommys Triumph : Abschiede und Aufbrüche

Thomas Gottschalk geht mit Traumquote und mit ihm geht die Traumquote fürs ZDF. Was bleibt, ist die Nachfolgefrage für den Moderator von "Wetten, dass..?".

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Zukunft? Ein Schatten bleibt, wie immer auch es mit „Wetten, dass..?“ weitergeht. Foto: dpa
Zukunft? Ein Schatten bleibt, wie immer auch es mit „Wetten, dass..?“ weitergeht. Foto: dpaFoto: dpa

So viel Abschied war selten im deutschen Fernsehen. Thomas Gottschalk trennte sich mit der Traumquote von fast 14,73 Millionen Zuschauern am Samstag von „Wetten, dass..?“. Bei 46 Prozent Marktanteil hatte jeder beinahe Zweite dieses Ziel im Sinn – Gottschalk und seiner Lebenszeit, die er mit dem Moderator dieser ZDF-Show verbracht hat, adieu zu sagen. Es war der besondere Moment, nicht die durchschnittliche Performance der Sendung, die solche Quoten produzierte.

Und weil der Moment zum Momentum wurde, ist noch ein Abschied zu registrieren. Thomas Gottschalk ist ein allseits beliebter Showkönig, er hat, zerlegt man den Gesamtwert in seine Einzelteile, nicht nur ein großes, sondern ein All-inclusive- Publikum erreicht, die „Generation Gottschalk“. Noch einmal prasselte das TV-Lagerfeuer wie sonst nur bei den wichtigen Partien der Nationalelf. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen gelang dem ZDF mit 4,86 Millionen und 39,1 Prozent Marktanteil ein Sieg, der dem zweiten Programm, geplagt vom Generationenabriss, sonst nicht gelingt. „Wetten, dass..?“ am Samstag – über die mehr als drei Stunden hinweg weniger Highlight als Kaleidoskop der Schwächen und der Stärken (auch des Moderators) – konnte „Das Supertalent“ in allen Zuschauerklassen schlagen, bei den Jüngeren wollten nur 2,52 Millionen (MA: 20,2 Prozent) die RTL-Show einschalten. „Wetten, dass..?“ am 3. Dezember 2011: Das Fernsehvolk nahm Abschied von einem seiner Lieblinge in einer seiner Lieblingssendungen, und der Liebling nahm Abschied von seinem größten Publikumserfolg.

Was jenseits von „Wetten, dass..?“ längst passiert ist, eine Sortierung des Angebots nach Zielgruppen und die Fragmentierung des Programms nach Zuschauerinteressen – diesem Grundgesetz wird sich vom 23. Januar auch Thomas Gottschalk anschließen. Er fängt da mit seiner neuen ARD-Vorabendsendung „Gottschalk live“ an, die vier Mal pro Woche ausgestrahlt wird. Es wird eine Art „Tagesshow“ vor der „Tagesschau“ – mit den Taten und Typen des Tages, aufbereitet von einer Horde von Redakteuren und Gagschreibern für den vorbereitungsunwilligen Moderator, ein kleinteiliges Format ohne jenes Studiopublikum, das Gottschalk immer herausfordern konnte. Ob das klappt mit der Tagesshow? Auch diese Regel gilt: Immer wenn Gottschalk nichts mehr mit „Wetten, dass..?“ am Hut haben will, scheitern seine Ausflüge. Vielleicht wird Gottschalk dann doch wieder sein eigener Nachfolger, obwohl er immer wieder das Gegenteil beteuert.

Für das ZDF wäre es eine Erlösung. Nach der Absage des heißersehnten Hape Kerkeling herrscht Fatalismus im Sender. Der designierte Intendant Thomas Bellut werde schon noch einen oder ein Duo finden, heißt es im ZDF. Klar ist, dass es eine Doppelaufgabe zu bewältigen gilt: Die überarbeitete Show muss, wenn nicht sofort, so doch schnell zum neuen Moderator passen und umgekehrt. Ein Abbruch wird allem Hurra zum Trotz befürchtet. Jedenfalls ist der Mainzer Sender wild entschlossen, „Wetten, dass..?“ im nächsten Jahr fortzusetzen.

Die ungelöste Nachfolgefrage hat sich zum führenden Gesellschaftsspiel in der Republik entwickelt. Die Blogs, die Plattformen, die Medien quellen über von Vorschlägen. Die Guttenbergs scheinen sich als Geheimfavoriten herauszuschälen. Oder doch Lothar Matthäus mit Michelle Hunziker?

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