Medien : Tiefe Schnitte

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Die Betriebsversammlung war am Dienstag für 16 Uhr 30 angesetzt. Während draußen die Autos hupten und den Einzug der deutschen Nationalelf ins WM-Finale feierten, harrten die Mitarbeiter der Verlagsgruppe Handelsblatt der Dinge, die Michael Grabner, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, ankündigen wird. Dass es schmerzlich sein wird, wussten die Mitarbeiter bereits durch diverse Veröffentlichungen vorab. Die getroffenen Entscheidungen seien nicht leicht gefallen, aber „leider ließ uns die wirtschaftliche Situation keine andere Wahl“, sagte Grabner in der Versammlung. 175 Arbeitsplätze werden betriebsbedingt abgebaut, die Verlagsgruppe Handelsblatt wird künftig nur noch 1250 Mitarbeiter beschäftigen. Innerhalb der „Handelsblatt“-Redaktion sind vorwiegend Mitarbeiter aus dem technischen Bereich betroffen, innerhalb des Verlags fallen 50 Stellen weg. Die „Netzwert“-Beilage wird in das „Handelsblatt“-Buch „Unternehmen und Märkte“ integriert, die „Investor“-Beilage in die Anlegerzeitung. Eingestellt wird die „Telebörse“. Am Donnerstag erscheint das Anlegermagazin zum letzten Mal. Stattdessen konzentriert sich die Verlagsgruppe auf die „Wirtschaftswoche“. Um den Geldteil der „Telebörse“ zu übernehmen und die Berichterstattung um Themen rund um die Luxusgüterindustrie und mittelständische Unternehmen auszudehnen, wird der Umfang der „Wirtschaftswoche“ erweitert. Acht zusätzliche redaktionelle Seiten erhält der Unternehmensteil, acht weitere der Finanzteil. Die „Telebörse“ im Programm des Fernsehsenders n-tv, an dem die Verlagsgruppe beteiligt ist, soll bestehen bleiben. Von Düsseldorf in die Finanzstadt Frankfurt umziehen wird die Redaktion von „DMEuro“. Sie wird ab Herbst im neuen Gebäude in der Eschersheimer Landstraße sitzen. Hermann Kutzer gibt die Chefredaktion an Roland Tichy ab, der bislang die Print-„Telebörse“-leitet. Kutzer moderiert künftig bei n-tv.

Nur noch 31 statt der zuletzt 74 Mitarbeiter wird die Online-Tochter Economy.One zählen. Sie soll sich dann nur noch auf Technik, Vermarktung und „Contentaggregation“ konzentrieren, also auf das Bündeln, Veredeln und Verkaufen von Inhalten. Für die Mitarbeiter werden Sozialpläne entwickelt.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Verlagsgruppe Handelsblatt Kosten reduziert. Das habe jedoch „angesichts der sich ständig verschärfenden Situation“ nicht mehr ausgereicht, sagt Michael Grabner. Mit den Maßnahmen würde das profitable Kerngeschäft gestärkt. Auf diese Weise soll die Verlagsgruppe insgesamt wieder dauerhaft profitabel werden. usi

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