Medien : Tiefer Himmel

Barbara Sichtermann

Wie schön die Insel Hiddensee ist – der Strand, die Brandung, die Wiesen, die Pfade – das kann, wer will, anhand des TV-Dramas „Der Bernsteinfischer“ nachvollziehen. Die Kamera von Georgij Pesto weidet sich an der reizvollen Landschaft, sie hat auch lauschige Bootsstege, verwunschene Gärten und gemütliche Küchen zu bieten. Und natürlich die Stars des Films mit einem vom Schicksal und vom Ostseewind zerfurchten Heiner Lauterbach im Mittelpunkt.

Dem armen Tom Reuter – einst Kriegsfotograf, später Privatmann – ist auch nichts erspart geblieben: von der Gefangenschaft übers Koma bis hin zur Tot-Erklärung, zweiten Identität und Wiederauferstehung hat er alles durchlitten und ist nun reif für die Liebe. Die erlebt er ausgerechnet mit der ebenso taffen Journalistin Karoline (Sonsee Neu), die von ihrer Hamburger Zeitung auf die Insel geschickt wird, um den Geheimnissen rund um Reuters Existenz auf den Grund zu gehen. Dem auf Konflikt programmierten Liebespaar wird ein nicht minder auf Konflikt programmiertes Ehepaar gegenübergestellt, Freunde Reuters, die sich dauernd streiten, weil die Frau einen anderen liebt (nämlich Tom Reuter).

Regisseur Olaf Kreinsen hält die Fäden in der Hand, muss es aber in Sachen Personenzeichnung beim Grobschliff bewenden lassen, denn das Buch (Barbara Engelke), das eine Überdosis Schicksal über seine Figuren ausgießt, lässt nichts anderes zu. Aber bevor man drauf und dran ist, über Handlungssprünge, allzu kühn motivierte Zerwürfnisse und nicht minder unglaubhafte Versöhnungen den Kopf zu schütteln, ist da wieder dieses herrliche Hiddensee mit seinem tiefen Himmel, und man traut der Insel zu, dass sie ihre Menschen in solche seltsamen, von unerklärlichen Leidenschaften und Wahnideen geschüttelten Wesen verwandelt, wie sie im „Bernsteinfischer“ umherschweifen.

„Der Bernsteinfischer“: 20 Uhr 15 in der ARD

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