Medien : Tiefgang für echte Kerle

Der neue Männersender DMAX setzt auf Autos, Abenteuer und Angeln

Simon Feldmer

Die Legende hält sich, seitdem es Männermagazine gibt: Den „Playboy“ kauft man nicht wegen der Fotos von nackten Frauen. Nein, man kauft ihn wegen der tollen Reportagen und Interviews, die den Geruch von Geld, Abenteuer und Freiheit atmen. Legenden sind bekanntlich hartnäckig. Und so gibt es ab morgen einen Fernsehsender, der ein bisschen so aussehen wird wie „Playboy“ ohne Busen. DMAX heißt dieser neue Männerkanal. Werden Männer zwischen 20 und 39 Jahren, die keinen Bock auf Erotik haben, endlich nicht mehr unmotiviert vor der Glotze durchhängen müssen? Ganz so sieht Patrick Hörl, Vice President der DMAX-Mutter Discovery Networks Deutschland, das erotikfreie DMAX-Programm nicht. „Männer wissen, wo sie Sexthemen finden. Das ist vorwiegend nicht im Fernsehen, sondern im Internet“, sagt Hörl, Doktor der Philosophie.

Bei DMAX geht es um klassische Männerthemen abseits von Frauengeschichten: um Abenteuer, Lifestyle, Autos. Der Sendername, der schwer nach Brainstorming, Kreativschmiede und Aktienindex klingt, soll laut Hörl eine „neue Marke“ im deutschen Fernsehen werden. „Wir wollen spannende Unterhaltung mit Tiefgang bieten.“ Spielfilme sind hier nicht gemeint. Es laufen Reportagen, Dokumentationen, Magazine, Real-Life-Formate und Talkshows. Mit DMAX baut die deutsche Discovery-Division, eine Tochter des US-Medienkonzerns Discovery, hierzulande ihr erstes Free-TV-Angebot auf. Im Frühjahr hatte der 43-jährige Hörl den Kauf des vor sich hin dümpelnden Reportage- und Dokukanals XXP verkündet. Die Gründer von XXP, Spiegel TV und die Produktionsgesellschaft DCTP von Alexander Kluge, blieben bei DMAX mit jeweils einem Prozent der Anteile an Bord – ein Kontingent an Sendezeiten inklusive. So liefert „Spiegel TV“ am Montagabend das politische Magazin „Studio B“ aus dem Hauptstadtstudio. Am Sonntag wird „Spiegel TV“ Fragen wie „Macht Spinat wirklich stark?“ oder „Warum gehen tonnenschwere Schiffe nicht unter?“ beantworten. In der Primetime sollen zu 50 Prozent Eigenproduktionen laufen. Den Rest besorgt die amerikanische Mutter Discovery: In „Long Way Round – Ein wahres Abenteuer“ fährt Ewan McGregor auf dem Motorrad durch die Welt. Fast-Food-Selbstverstümmler Morgan Spurlock („Supersize Me“) stellt sich in „30 Days“ neuen Herausforderungen.

Über Marktanteile mag Discovery-Manager Hörl nicht spekulieren. Die „beträchtlichen Investitionen“ sollen sich „in absehbarer Zeit“ rechnen. Dabei helfen wird ab Oktober Katja Hofem-Best, derzeit Programmchefin bei RTL 2. Hofem-Best bringt gleich drei RTL-2-Manager an den Discovery-Sitz in München mit und darf den Titel „Vice President Channels“ auf ihre Visitenkarte drucken. Einige DMAX-Formate klingen schon jetzt nach RTL 2: Die Doku-Soap „Die Ludolfs – 4 Brüder auf’m Schrottplatz“ zeigt jeden Dienstag den „bizarren Alltag zwischen Schrott, Einzelteilen und Kundengesprächen“. Auch der „Moneycoach“ und „Was geht? Experimente am Limit“ könnten bei RTL 2 laufen. Dafür werden DMAX-Ideen wie „Fish ’n’ Fun – Die Angelshow“ oder das Automagazin „D Motor“ sicher neue Maßstäbe in der modernen Männerunterhaltung setzen. Auch „GQ-TV“, zuletzt bei Pro 7 gescheitert, wird für DMAX produziert. Wer braucht da noch seinen „Playboy“?

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