Medien : Tod auf dem Sofa

Else Kling hat die „Lindenstraße“ verlassen

Joachim Huber

So viel Zeit, so viel Spannung muss sein: Else Kling, die gefürchtete Hausmeisterin aus der „Lindenstraße“, durfte erst in der letzten und 30. Minute der ARD-Seifenoper sterben. Es war ein ergreifender (und auch ein bisschen kitschiger) Moment, als Else Kling auf ihrem Sofa einschlief. Gefasst und still. Ganz am Anfang hatte eine Stimme, es war die von „Lindenstraßen“-Produzent Hans W. Geißendörfer, die Kling gerufen. Aber so einfach geht eine Hausmeisterin von solchem Kaliber nicht. Erst mussten der Sohn und seine Freundin die Wohnung verlassen haben, dann wurde das schönste Kostüm angezogen, im Fotoalbum nach Erinnerungen gekramt – und der Fernseher eingeschaltet. Das Programm? Natürlich die „Lindenstraße“! Schließlich ging sie ins Licht, zutiefst überzeugt, dass der Herrgott selbst sie zu sich gerufen hatte. Und Else Kling ließ „Sodom und Gomerra“ zurück.

Annemarie Wendl, die 91-jährige Schauspielerin, hatte immer wieder angekündigt, dass sie erschossen werden möchte. Das war Else Kling pur, aber kein würdiges Finale für diese Figur, die vielleicht wie keine zweite die Dauerserie im Ersten geprägt hat. Nach genau 712 Episoden, nach fast 21 Jahren, hat die Wendl die „Lindenstraße“ in ihrer 1069. Fortsetzung verlassen. Auf den Homepages der Serie wie auch der ARD wurde sogleich eine Totentafel eingeblendet: „Else Kling“ und „14.05.1922 – 25.05.2006“. Demnach ist die Hausmeisterin am Himmelfahrtstag gestorben.

Eigentlich hätten noch die Englein singen müssen. Man konnte glauben, es sei mehr als nur eine Serienfigur aus einer Fernsehsendung verschwunden, ja, als hätte die „Lindenstraße“ mit dem „Drachen“ Else ihre Seele verloren. Die Fans der Endlosserie werden viel Trauerarbeit leisten müssen.

Natürlich dreht sich der „Lindenstraßen“-Kosmos weiter. Getreu dem Episoden-Titel „Abschied und Ankunft“, wurde just ein Kindlein geboren, als Else Kling starb.

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