Medien : Tod eines Mannsbilds: ARD-Doku recherchiert den Mordfall Walter Sedlmayr

Tina Angerer

Am 15. Juli 1990 wurde der Schauspieler Walter Sedlmayr ermordet in seiner Wohnung aufgefunden. Damit begann nicht nur einer der spektakulärsten Mordfälle Deutschlands, es begann auch die Metamorphose eines bayerischen Idols. Walter Sedlmayr war der Ur-Münchner, der Grantler und Spießer im Trachtenanzug. Nach dem 15. Juli wurde aus dem zünftigen Mannsbild ein Schwuler, einer, der sich mit Kriminellen umgeben hat. Sein Privatleben tauchte nur noch in Zusammenhang mit dem Wort "Praktiken" auf, und sein Umfeld nannte sich jetzt "Milieu". Der Schauspieler war in seinem Bett gefoltert und mit einem Hammer erschlagen worden. Alles deutete auf einen Sexualmord aus der Stricher-Szene hin. Einen Tag nach dem Mord überklebte die Münchner Großbrauerei die Werbeplakate, auf denen der alte Sedlmayr zu sehen war. Auf der Beerdigung des neuen Sedlmayr waren weder Promis noch der Ministerpräsident.

Die Autoren Walter Harrich und Danuta Harrich-Zandberg versuchen in der Reihe "Die größten Kriminalfälle" in enger Zusammenarbeit mit den damals zuständigen Polizisten den Fall Sedlmayr noch einmal aufzurollen (ARD, 21 Uhr 50). Die Ermittler geben sich sehr offen, zeichnen selbst den Weg nach, auf dem sich der vermeintliche Sexualmord als berechneter Mord aus Habgier herausstellte. Ein Privatsekretär, der ein Testament zu seinen eigenen Gunsten fälschte. Ein Geschäftspartner und Freund, der mit gestohlenen Antiquitäten handelte, Sedlmayr seit langem betrog und ein falsches Alibi angab. Zwei V-Männer, die ins "Milieu" eingeschleust wurden und tatsächlich einen Täter dingfest machten. Wäre es ein Fernsehkrimi, hielte man ihn für überzogen. Doch es ist alles echt.

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