Medien : Todesnachrichten statt Partytipps

Wie die zehn deutschsprachigen Zeitungen in Thailand über die Flut berichten

Annika Müller Joana Hauff

Rolf Dettmar ist wegen der Flutkatastrophe sofort aus dem Urlaub zurückgekehrt – zurück nach Phuket, in den Ort, den die meisten Deutschen zurzeit verlassen. Seit zwanzig Jahren lebt Dettmar auf der thailändischen Insel mit seiner Familie. Dort sind auch die Redaktionsräume seiner Zeitung „Thailand Tip“, die außer in Phuket auch noch in Bangkok und Pattaya erscheint. Die Redaktion blieb unbeschädigt. „Phuket selbst ist kein Katastrophengebiet, nur die Strandgebiete sind zerstört.“ Erst hat er nach seiner Familie und seinen Angestellten gesehen und sich dann noch am 26. Dezember an die Arbeit gemacht. Zum Glück ist keinem Schlimmeres passiert. „Mit halber Besetzung und im Eigendruck haben wir die Zeitung vorgezogen herausgebracht“, sagt Rolf Dettmar.

Dettmars Zeitung „Thailand Tip“ ist eine von mehr als einem Dutzend deutscher Medien, die in den Ländern erscheinen, die von der Flut betroffen sind. Die Interessenvertretung deutschsprachiger Auslandsmedien in Köln hat zehn in Thailand und drei in Indonesien registriert. Sie richten sich hauptsächlich an Touristen, außerdem gibt es eine kleine deutschsprachige Minderheit, die ihren Wohnsitz in Südostasien hat. Normalerweise informieren die Blätter Handelsreisende über die thailändische Wirtschaft und Touristen über die Attraktionen der Regionen. Seit Weihnachten haben sie natürlich vor allem ein Thema: die Flut.

Und Rolf Dettmar versteht das politisch: Er kritisiert in seiner Zeitung die thailändische Regierung scharf für ihr Zögern bei der Herausgabe der Flutwarnung. „Eine Stunde lang haben sie diskutiert, in der Zeit hätte man rund zehn Prozent der Leute retten können“, sagt er. „Ich weiß nicht, wie die das mit ihrem Gewissen vereinbaren können.“ Seine scharfen Kommentare – auch gegen Ministerpräsident Thaksin Shinawatira – bringen ihm Probleme. „Seit vier Jahren wird hier die Pressefreiheit massiv unterdrückt.“ Das mache sich jetzt nach der Flut besonders bemerkbar. „Ich sitze mit einem Bein im Knast“, sagt Dettmar.

Seit 1998 gibt er die vierzehntäglich erscheinende Zeitung „Thailand Tip“ heraus – auf den Namen seiner thailändischen Frau, denn Ausländer dürfen in Thailand nicht verlegerisch tätig werden.

Die Hochburg der deutschsprachigen Zeitungen in Thailand ist Pattaya, wo jährlich 240000 Deutsche Urlaub machen. Dort gibt es insgesamt vier Publikationen: den „Farang“, das „Magazin“, den „Pattaya Focus“ und das „Pattaya Blatt“, das sich erst im Anfang Juli von der englischsprachigen „Pattaya Mail“ abgespalten hat, die wiederum seit neun Jahren verkauft wird. „Wir gehen zwar in unserer Berichterstattung auf die Flut ein, sind aber hier in Pattaya von der Katastrophe auf der Insel Phuket eher weniger betroffen“, sagt Redakteur Peter Nordhues. Doch das „Pattaya Blatt“ hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Die deutschen Zeitungen mit Sitz in Bangkok fühlen sich erst recht fern der Katastrophe. „Aktuell Thailand“ versteht sich als Wirtschaftszeitung, die Leser sind Handelsreisende. „Die Berichterstattung geht bei uns weiter wie sonst“, sagt Redakteur Ralph Rieth, der seit zehn Jahren in Thailand lebt. Mit Meldungen der Nachrichtenagenturen informiert die Zeitung über die Auswirkungen der Katastrophe. Rieth bangt jedoch um seinen freien Korrespondenten in Phuket, Ulrich Niemann, von dem er zwar weiß, dass er lebt, aber dass es ihm schlecht geht.

Ein Redakteur der „Südostasien-Zeitung“, die mit einer Auflage von 4000 wöchentlich erscheint, konnte der Welle gerade noch davonlaufen. Er war in Phuket in Urlaub, lag sogar am Strand, als die Katastrophe hereinbrach. In der „Südostasien-Zeitung“ schilderte er seine Erlebnisse.

Auch die „Südostasien-Zeitung“ hat ihre Redaktion fern der Katastrophe, in Bangkok, der Inhaber Peter Hochstraße fühlt sich trotzdem betroffen. „Wir sind die einzige deutschsprachige Zeitung, die in ganz Thailand verkauft wird. Die Katastrophe wirkt sich somit auch auf uns aus, obwohl wir nicht direkt im Krisengebiet sitzen.“

Das Problem: Die Touristen, somit die Leser der Zeitungen bleiben weg. Björn Akstinats von der Internationalen Medienhilfe (IMH) glaubt, dass es zu enormen Einbrüchen bei Anzeigenkunden und Leserzahlen komme.

Auch Rolf Dettmar druckt seinen „Thailand Tip“ zurzeit nur noch in einer Auflage von 1000 Exemplaren, früher waren es 10 000. Auch die Anzeigen von Bars und Restaurants bleiben aus. Aber er will durchhalten. „Ich will mir nicht nachsagen lassen“, sagt er, „wie eine Ratte das sinkende Schiff verlassen zu haben.“

Die Titel im Internet unter:

www.aktuellasia.com

www.der-farang.com

www.pattayablatt.com

www.thailand-tip.de

www.suedostasien-zeitung.com

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