Medien : Tödliche Tricks

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Tom Peuckert verrät, was

Sie nicht verpassen sollten

Darf man in einer Todeszelle Witze machen? Im texanischen Wüstenkaff Desertstone hat niemand ein Problem damit. Der Sheriff veranstaltet in der Zelle sogar eine Art Kampftrinken mit der Pflichtverteidigerin des Delinquenten, während sich der Wärter gierig über dessen Henkersmahl hermacht. Nur der Todeskandidat selbst hat alle Hände voll damit zu tun, seine Unschuld zu beteuern. Was ihm die Gesetzeshüter im Prinzip auch glauben, aber nun ist es viel zu spät für eine Kursänderung. In zwei Stunden soll der junge Motil sterben, verdammt wenig Zeit, um den eigenen Kopf noch zu retten. Wie es ihm trotzdem gelingt, erzählt Jörg Graser in seinem amüsanten Hörspiel „Jailhouse Blues“ . Ein Amerika aus dem schwarzen Comic, die meisten Witze so gut, dass sie sogar in der Todeszelle erlaubt sind (Deutschlandradio, 29. Juni, 18 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Als vor 20 Jahren in bundesdeutschen Zeitungen die Vergabe eines Milliardenkredits an die DDR gemeldet wurde, da glaubten viele Zeitgenossen an schwarzen Humor. Eigentlich sollte der feindliche Bruder doch ökonomisch an die Wand gedrückt werden. Und nun war es ausgerechnet der bekennende Antikommunist Franz Josef Strauß, der den Deal mit einem SEDManager namens Schalck-Golodkowski eingefädelt hatte. Was damals eigentlich los gewesen ist hinter den Kulissen der Politik, das hat Paul Kohl in seinem Feature „Meisterschaft in Kurventechnik“ ermittelt. Der Autor hat Zeitzeugen beider Seiten gefunden, die ihm alles genau erklären: warum man in Bonn plötzlich ganz anders dachte, was die Milliarde Westmark im Osten eigentlich bewirkte und – die delikateste aller Fragen – ob jemals etwas vom Kredit zurückgezahlt wurde (Radio Kultur, 2. Juli, 21 Uhr, UKW 92,4 MHz).

Allen Ginsberg dagegen hat schon immer gewusst, dass in der Politik auf übelste Weise getrickst und betrogen wird. „Howl“ hieß eines seiner legendären Langgedichte zum Thema. Das große, radikalpoetische Geheul der amerikanischen Lämmer über die Verderbtheit der Wölfe im eigenen Land. Ein Geburtsdokument der amerikanischen Beat-Bewegung. Nun ist Ginsberg seit sechs Jahren tot und jede Art der Würdigung angemessen. „Allen Ginsberg – Eine Hommage“ haben Grace Yoon und Florian Vetsch ihr Feature überschrieben. Ginsberg als Weltreisender, Kämpfernatur, Meisterdichter (Radio Kultur, 29. Juni, 14 Uhr).

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