Medien : Tony Maddox im Gespräch: Immer hart am Konkurrenten

Wen wird CNN als nächsten US-Präsidenten

Tony Maddox, 39, ist Vizepräsident und geschäftsführender Chefredakteur von CNN International. Bevor er im April 1998 zum weltweit agierenden Nachrichtensender wechselte, arbeitete er für die BBC, zuletzt in Belfast



Wen wird CNN als nächsten US-Präsidenten ausrufen?

Da wir uns bei dieser Frage schon einmal die Finger verbrannt haben, werde ich jetzt keine Vorhersagen machen.

Welche Konsequenzen zieht denn CNN aus der US-Wahlnacht, als der Nachrichtensender mal Gore, mal Bush zum Sieger erklärte?

Das weiß ich noch nicht. Derzeit läuft eine Untersuchung, wie es zu diesem Fehler kam. Möglicherweise werden wir aus dem gemeinsamen Umfragesystem Voter News Service, das wir gemeinsam mit den Fernsehsendern ABC, CBS, NBC und Fox sowie der Nachrichtenagentur AP haben, aussteigen und dafür eigene Umfragen starten.

Aber die Glaubwürdigkeit von CNN hat durch die Falschmeldungen gelitten.

Die hat gelitten - aber nicht nur unsere, sondern die aller Nachrichtenstationen. Also müssen wir sie wiederherstellen.

Rührt die Wahlpleite nicht daher, dass CNN mit dem Profil der "Live Breaking News" selbst unter enormen Aktualitätsdruck setzt. Wenn CNN ein Ereignis nicht sofort und live berichtet, dann hat CNN auch schon verloren.

Wer Nachrichtenfernsehen macht, der macht immer aktuelles, schnelles Fernsehen. Das ist oft Fernsehen in Echtzeit. Klar ist, dass die Genauigkeit darunter nicht leiden darf.

Das News-Fernsehen hat Politik, Sport und Wirtschaft verändert.

Bestimmt. Aber auch die Politiker, Sportler und die Business-Leute haben sich verändert. Sie haben medial dazu gelernt. Sie können in der Regel mit den Medien umgehen. Für die Journalisten heißt das: noch gründlichere Recherche, noch gründlichere Vorbeitung, um sich gegenüber ihren Gesprächspartnern in Stellung bringen zu können. Wobei Sie die Medien auch unterscheiden müssen: Fernsehen wird nie so sehr in die Tiefe gehen können wie eine Zeitung. Und das Internet, siehe CNN.com, wird immer das große Sammelbecken der Informationen sein, dort werden die Nutzer Hintergrund und weitergehende Informationen bekommen. Kein Medium killt das andere, nur die jeweilige Funktion wird neu definiert.

"Think global, act local" - noch immer der CNN-Weg zum Erfolg?

CNN International kann mit einer globalen Zielgruppe rechnen: Englisch sprechend, sehr gut ausgebildet, beruflich sehr engagiert, mobil. Andererseits hat sich CNN International regionalisiert und muss sich weiter regionalisieren. Also nicht nur die internationalen Stories liefern, die die Heimat-Medien nicht so stark fokussieren. Deutschland zum Beispiel ist ein eminent wichtiger Markt. Hier gilt es, rund um die starke Marke CNN International CNN Deutschland zu stärken, um noch mehr Aufmerksamkeit für das Gesamtprogramm zu erreichen.

Haben denn die Zuschauer der regional unterfütterten CNN-Progamme - zum Beispiel in Deutschland, Spanien und der Türkei - unterschiedliche Ansprüche?

Ja. Die Nutzer von CNN Spanien und CNN Türkei sind weniger international ausgerichtet. Da können wir weniger Wissen voraussetzen. Das müssen wir in der Auswahl, der Aufbereitung und der Vermittlung von Informationen berücksichtigen: weniger News, breiter erklärt, langsamer kommuniziert.

In Berlin werden mit CNN International und BBC World zwei englischsprachige Nachrichtenkanäle ausgestrahlt. Ist die Hauptstadt groß und international genug für beide?

Absolut, Berlin, wie ganz Deutschland, verträgt noch mehr News-Programme. Als starker Wettbewerber heißt unsere Aufgabe: Aus einem an News interessierten, insgesamt möglichst großem Publikum ein möglichst großes Segment für CNN International zu gewinnen, nicht aus einem kleinen Publikum ein kleines Segment.

Also keine Sorgen, wenn der CNN-Partnersender n-tv mehr und mehr Konkurrenz durch N 24 bekommt?

Überhaupt nicht. n-tv arbeitet ganz hervorragend. N 24 muss erst einmal dahin kommen, wo n-tv schon ist: in der Gewinnzone.

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