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Top-Quote für "Schlag den Raab" : Die Machtdemonstration des Stefan Raab

"Schlag den Raab": Letzte Sendung, wie ProSieben twitterte und dann selber dementierte? Ein Verwirrspiel für die Spannung im Publikum

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Der 37. Sieg. Am Anfang sah es so aus, als könnte Hochschullehrer Robert (rechts) Stefan Raab in der 53. Ausgabe von "Schlag den Raab" schlagen. Dann dreht der "Raabinator" auf und gewinnt souverän.
Der 37. Sieg. Am Anfang sah es so aus, als könnte Hochschullehrer Robert (rechts) Stefan Raab in der 53. Ausgabe von "Schlag den...Foto: dpa

Vielleicht ist das alles furchtbar clever. Am Samstag verbreitete ProSieben folgenden Tweet: "Eine der letzten Ausgaben. Vielleicht die letzte. Keiner weiß es. Fast keiner. #SdR". Die Fans von "Schlag den Raab" erlitten eine Panikattacke, so wild war die Twitterei danach. Dann meldete sich wieder ProSieben: "Nein. Das wird nicht die letzte Ausgabe von #SdR sein."

Hü und Hott, hin und her, der PR-Coup schien geglückt zu sein. 2,52 Millionen Zuschauer haben am Samstagabend die Show eingeschaltet. Das sind im Gesamtpublikum 12,7 Prozent Marktanteil, das ist das Doppelte, was der Privatsender sonst erreicht. Insbesondere bei den Werberelevanten, den 14- bis 49-Jährigen, holte die Livesendung herausragende Werte: 22,8 Prozent Marktanteil, ein glasklarer Sieg.

ProSieben spricht nicht zu von einer "Machtdemonstration des Entertainers", natürlich auch deswegen, weil Raab in der 53. Ausgabe von "SdR" zum 37. Mal gewann. Hochschullehrer Robert aus Leipzig lag bis Spiel acht in Führung, dann kam der "Raabinator" und verlor keine weitere Runde. Wer den Zweikampf gesehen hat, der konnte erleben, wie der 48-jährige Raab nicht nur sein Spiel spielte, sondern im Endeffekt auch mit dem Gegner. Lange, sehr lange hielt sich die Erwartung, dass 500.000 Euro Gewinn nicht doch nach Leipzig gehen. Jetzt ist eine Million Euro im Jackpot.

Raab hat alles im Blick: Gegner, Spannung, Werbung

Es darf angenommen werden, dass Stefan Raab das alles im Blick hat: den Gegner, die Herausforderung, die Spannung im Publikum, die ja oben gehalten werden muss, damit möglichst viele die eingebauten Werbeblöcke mitnehmen. Die hatten teilweise einen solchen Umfang, da bekommt die Konkurrenz ganze Sendungen rein. Der "Raabinator" als Dominator. "Dreimal noch #SdR, dann ist das Kapitel beendet. Ein komisches Gefühl", twitterte Kommentator Frank Buschmann.

Stimmt, ein komisches Gefühl, aber anders komisch, als "Buschi" denkt. Es gilt ja die Ankündigung: Stefan Raab verabschiedet sich am 19. Dezember aus dem Fernsehen. Das hat bei ProSieben zu einer Panikattacke geführt, eine grandiose, jedenfalls überzeugende Nachfolge- und Nachfolgerlösung wurde noch nicht präsentiert. Sehr bedeckt hielt sich der Privatsender mit Ankündigungen, ob es mit "Schlag den Raab" nach Raabs Abgang (?) weitergeht oder nicht. Wenn die Beobachtung stimmt, dann wurde noch in keiner der Raab-Sendungen seit der Sommerpause, also in "TV Total", der Abschied thematisiert. Der "King of Kotelett" gibt sich als Sphinx.

Raab macht, ProSieben macht mit

Kann ja extrem clever sein, weil hier neben und über allen Raab-Auftritten weiterer Suspense aufgebaut wird: Geht Raab wirklich, verschwinden seine Sendungen wirklich in den TV-Annalen? ProSieben geht auch diesen Raab-Weg mit. Der Privatsender hat diesem Entertainer, ausgestattet mit einer singulären Bandbreite an Talenten, gepaart mit Ehrgeiz und Fleiß, eine Sonderstellung gegeben. Raab macht, was Raab machen will, ProSieben macht mit. Win-Win-Situation, keine Frage.

Bleiben die Zuschauer. Müssen sie dieses Spielchen - #SdR die letzte, vorletzte, ja, was denn nun? - akzeptieren? Überhaupt nicht, sie können es ignorieren, die Leck-mich-Haltung ist möglich. Zugleich auch sinnlos. Raab/ProSieben haben die Werberelevanten am Haken. Jeder Raab-Auftritt ist ein Thema, unterfüttert von Gefühl und Gedanken, dass Stefan Raab, der Alltags- und Lebensbegleiter, dann mal weg ist. Wenn der Entertainer tatsächlich auf Abschiedstour ist, dann begleiten ihn (Millionen) Fans. Das hat dann nichts mehr mit Rationalität und Cleverness zu tun, das ist die berühmte Emotion. Härter formuliert: Eine Machtdemonstration des Stefan Raab.

"TV total" ist am Ende

An diesem Montag startet „Circus Halligalli“ bei ProSieben in eine neue Saison. Joko (Winterscheidt) und Klaas (Heufer-Umlauf) zelebrieren gute Witze, schlechte Witze, Gäste-Talk, gesungen und gespielt wird auch, eine ordentliche Mischung aus Anarcho, Wahnsinn und Sich-gegenseitig-großartig-finden.
Danach und quasi als Betthupferl für die Werberelevanten „TV total“, also Stefan Raab, wie er seine „Tagesschau“ zelebriert. „TV total“ zeigt sich als der Schwachpunkt im TV-Kosmos des gelernten Metzgers. Gestartet 1999 ist das eine Sendung geworden, in der die Routine des Fensehkönners unangenehm sichtbar wird. Ich wette einmal Pommes rot-weiß, dass Raab wegen „TV total“ in TV-Rente gehen will. Vorschlag: Ende mit der Qual, weitermachen mit „Schlag den Raab“, „Bundesvision Song Contest“, mit all dem Fernsehen, was keiner kann wie Stefan Raab.

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