TOPF VOLL Gold : Tue Gutes – und leide daran

Moritz Tschermak ekelt sich vor der Freude und dem Mitleid in der Regenbogenpresse

Moritz Tschermak
Super TV führt die Leser bewusst in die Irre
Super TV führt die Leser bewusst in die IrreFoto: Promo

„Tue Gutes und rede darüber“, raten findige PR-Berater seit Jahren ihren prominenten Klienten, wenn die mal wieder positive Schlagzeilen brauchen. „Tue Gutes und rede darüber und bekomme dann eine Schlagzeile um die Ohren gefeudelt, in der zu stehen scheint, du seist an Krebs erkrankt“, hört man aus den PR-Abteilungen hingegen seltener. Vermutlich rechnen die Image-Profis nicht mit der Ekel-Logik im weit entfernten Regenbogen-Universum. Die dortigen Hefte übersetzen karitatives Engagement nämlich gern mal in schockierende Überschriften.

Beispiel eins: Schlagersängerin Andrea Berg. Im Internet hat sie ihre Fans dazu aufgerufen, sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei typisieren zu lassen. Das „Echo der Frau“ ist voll des Lobes: „Für einen kleinen Jungen namens Felix (7 Monate) nimmt Andrea tapfer den Kampf gegen Krebs auf. Sie hilft, den passenden Spender zu finden.“ Andrea Berg ist für das Blatt die „Königin der Nächstenliebe“ – zumindest im Heftinneren. Auf der Titelseite verkauft sich dieser Kuschelkurs indes nicht besonders, da zieht nur was Negatives. Und so machen die Redaktionsonkologen des „Echos der Frau“ die „Königin“ kurzerhand zum Krankheitsfall: „Andrea Berg – Ihr tapferer Kampf gegen Krebs“.

Beispiel zwei: die Schlagersängerin Linda Hesse. Die „bildhübsche Blondine“ will mit ihrem Song „Mit aller Kraft“ krebskranken Menschen neuen Mut geben. „Und sie macht so der Deutschen Krebshilfe ein großes Geschenk: Je 85 Cent pro verkauftem Song-Download spendet die Halberstädterin für den Kampf gegen die heimtückische Krankheit“, schreibt die „Super TV“, ein Fernseh-Klatsch-Gemisch der Mediengruppe Klambt.

Die Expertise der Mitarbeiter liegt im Auflisten des kommenden Fernsehprogramms. Und in widerlichen Überschriften: „Linda Hesse – Krebs! Wie sie mit der heimtückischen Krankheit umgeht“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar