Medien : Tourhelden gesucht

Kurt Sagatz

Tour de France – Prolog am Sonnabend im ZDF, 1. Etappe am Sonntag in der ARD. Die Fahrer müssen sich den Schock erst aus den Beinen strampeln, sagte am Samstag einer der Radsportexperten, die für ARD und ZDF nunmehr zum siebten Mal im täglichen Wechsel von der Tour de France berichten. So tief der Schock auch sitzen mag, so erstaunlich flexibel hat das Fernsehen auf die geänderte Lage nach der Suspendierung von Jan Ullrich und dem Aus für andere Fahrer aus dem Spitzenfeld reagiert. Man kann sich sicher sein, dass die TV-Beiträge über die Erbfolge von Toursieger Lance Armstrong gut vorbereitet waren. Doch die nun nicht mehr sendbaren Duellantenporträts von Ullrich-Basso-Mancebo haben keine Lücke im Programm hinterlassen. Denn die Zuschauer verlangen nach Aufklärung – einerseits über die Machenschaften der Dopingmafia, andererseits darüber, wer nun die Führungsrollen in den Teams übernimmt.

Im Sport – und damit im Fernsehen – sind einige Ereignisse immer so lange undenkbar, bis sie dann doch passieren. Während des Kalten Krieges boykottierten zuerst westliche Länder wie die USA und auch die Bundesrepublik die Olympischen Spiele 1980 in Moskau, worauf sich die UdSSR und die DDR mit dem Fernbleiben in Los Angeles 1984 revanchierten. Der Begeisterung für die Sieger hat es damals keinen großen Abbruch getan. Dass die Tour für viele Zuschauer möglicherweise genauso gut ohne die Ex-Favoriten läuft, hat bereits der Prolog in Straßburg angedeutet. Bis kurz vor den letzten Startern lag Sebastian Lang vom Team Gerolstein vorn, und fast wäre er, wenn nicht in Gelb, so doch in Grün in die erste Etappe gefahren. Sofort war sie wieder da, die Spannung, die Begeisterung, wenn auch nur, um wieder in der Tour anzukommen. „Die Tour macht Helden, nicht die Helden machen die Tour“, erinnerte Marcel Wüst.

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