Medien : Traditionsbewusstes aus der Männerecke

Der neue „Tatort“ aus Kiel mit Axel Milberg als Kommissar Borowski

Uta-Maria Heim

Die Idee kam vom Schauspieler Axel Milberg, also sozusagen von Kommissar Borowski persönlich. „Das fing auf Mallorca an, wo ich den Kollegen Uwe Ochsenknecht und seine Familie traf. Wir gingen zusammen essen, und dort stieß ein anderer Kollege zu uns, der Jan Josef Liefers, in Begleitung zweier Autoren, die für ihn gerade einen ,Tatort’ schrieben“, erzählt Axel Milberg. Und da ist es passiert. Plötzlich sei ihm der Gedanke gekommen, „man müsste doch mal einen ,Tatort’ in Kiel ansiedeln, in der Stadt, die ich liebe.“ Denn Kiel ist Milbergs Heimatstadt. Kiel hat einen Hafen – und deshalb bietet das Kieler Milieu „bestimmte Tatorte, bestimmte Motive, auch bestimmte, mögliche Todesarten, und das Lokalkolorit muss natürlich stimmen.“ Dann ging alles ganz schnell. Noch ganz schlaftrunken rief Milberg am nächsten Tag beim NDR an, und Doris J. Heinze, die Fernsehspielchefin, legte den Hörer ans Ohr. Mit ihr hatte Milberg schon eine „Stahlnetz“- Folge gemacht. „Den Kommissar, diesen Borowski, der uns dort schon so gut gefallen hatte – den können wir doch von Hannover nach Kiel ziehen lassen, schlug ich vor …“

Zack, das war’s. Und jetzt ermittelt Borowski halt in Kiel, und bei der ersten Folge „Väter“ (Buch: Orkun Ertener, Regie: Thomas Freundner) gewinnen wir den Eindruck, dass er dort schon ziemlich lange lebt. Der holsteinische Borowski im fremden Hannover? Absurd! Er ist bei sich zu Hause angekommen. Wohl schon deshalb hat sich dieser einst überaus schroffe Kriminalbeamte in einen umgänglichen Kerl verwandelt. Gut, er ist manchmal noch etwas impulsiv. Er kettet einen prominenten Zeugen nackt aufs Dach eines Bordells, ohrfeigt einen Amok laufenden Kollegen, entzieht der Ex-Frau die gemeinsame Tochter und kauft seiner Therapeutin Seidenstrümpfe; aber das sind menschliche Schwächen, mit denen wir uns identifizieren können. Klaus Borowski ist kein einsamer Held, sondern als „Tatort“-Kommissar ein „sozial verträglicher“ Typ, mit dem man gern mal ein Bier trinken geht. „Denn auch Humor gehört zu dieser Figur“, meint Axel Milberg.

Borowski ist somit einer, der „Ecken und Kanten zeigt, Fehler, Schwächen, und das macht ihn für den Darsteller ebenso interessant wie für den Zuschauer, der sich fragen kann: Wird er mal ein besserer Mensch sein als jetzt?“ In den siebziger Jahren gab es schon mal einen spannenden Kieler „Tatort“. Den Kommissar gab damals Klaus Schwarzkopf als Fincke. Doch das ist nicht das Einzige, was bei dieser Pilotfolge „Väter“ an die guten alten Zeiten erinnert. Nein, es ist auch die Geschichte, die sehr bewusst mit der Tradition des „Tatorts“ umgeht und an uralte Erfolgsmuster anknüpft.

Ein Verkehrsunfall mit Todesfolge kollidiert mit einem Wirtschaftsverbrechen, und unterwegs stolpern wir über ein falsches Geständnis, von dem wir schon wissen, wohin es führt: direkt zum wirklichen Täter. „Väter“ bedient endlich mal wieder das überaus befriedigende Muster des echten Männerkrimis. Frauen kommen nur als Ehefrau, Mutter, Putzfrau, Hure und Psychologin vor. Am schillerndsten ist die Psychologin: Maren Eggert gehört als Frieda Jung zum festen Stamm und wird uns noch viel Freude bereiten. Denn wahrscheinlich darf sich Frieda demnächst in Borowski verlieben, aber für den ist sie ja eigentlich zu jung. Noch heißer wäre es nämlich, wenn sie sich in Alim Zainalow verguckt (Mehdi Moinzadeh), in Borowskis exotischen und überaus attraktiven Assistenten. Aber das werden die Programmverantwortlichen vermutlich nicht zulassen, weil es einfach zu schön ist, um wahr zu sein. Und so werden sich auch Borowski und Frieda womöglich nie richtig kriegen. Es sei denn, irgendein beherzter Zeuge ruft beizeiten beim NDR an und bittet um Gnade.

„Tatort: Väter“, ARD, 20 Uhr 15

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