Medien : Trauerarbeit im Pensionszimmer

„Tatort“ in Köln: Kommissar Max Ballauf verliert einen Kollegen und beinahe auch die Nerven

Thomas Gehringer

Max Ballauf ist in der „Tatort“-Reihe der Mann für tragische Verluste. Bereits zwei Geliebte (Folge 1 und 13), die Mutter (Folge 10) und der Vater (Folge 16) haben während der Karriere des Kölner Kommissars das Zeitliche gesegnet – bis auf die Mutter alle gewaltsam. Rechnet man die regelmäßig auftretenden Ex- oder Fast-Affären mit, aus denen am Ende doch nichts wurde, muss man sich wundern, dass der Mann noch kein depressives Nervenbündel geworden ist.

Aber Redaktion und Drehbuchautoren arbeiten weiter daran: In der heutigen „Tatort“-Folge 38 aus Köln wird Gerd Samland erschossen, ein Kollege von der Autobahnpolizei und ein alter Freund Ballaufs. Der Kommissar besäuft sich schluchzend in seinem kargen Pensionszimmer, in dem er seit Amtsantritt vor zehn Jahren immer noch lebt. Ganz so spurlos sind die vergangenen Jahre wohl doch nicht vorbeigegangen, auch wenn Trauer und Verzweiflung nicht unbedingt das Ding von Darsteller Klaus J. Behrendt sind. Wenn er zupacken kann, wirkt er allemal überzeugender.

Ballauf plagt ein schlechtes Gewissen, weil er sich um seinen Freund zuletzt nicht mehr gekümmert hatte. Das will er nun bei der Mördersuche wiedergutmachen, aber leider sind tote Polizisten, zumal wenn sie in einem Bordell gefunden werden, Sache der Abteilung Innere Ermittlungen.

Und „die Jungs werden sauer, wenn man in ihren Teich pinkelt“, wie sich Kollege Freddy Schenk (Dietmar Bär) auszudrücken pflegt. Auch Ballaufs Besuche bei Witwe Britta (Christina Große) kommen bei den Konkurrenzermittlern nicht gut an. Natürlich ist Britta ebenfalls eine Fast-Geliebte von Ballauf aus früheren Tagen. Dass am Ende auch ihr Leben in Gefahr gerät, kann einen nicht mehr wirklich überraschen.

„Spätschicht“ ist ein verwickelter Fall, ein klassischer Krimi, dessen Auflösung schon deshalb verblüffend erscheint, weil man zuvor mit reichlich Details und falschen Fährten verwirrt wurde. Thorsten Näter (Buch und Regie) hat insofern in dem Film um Korruption und skrupellose Geschäfte mit billigen Arbeitskräften aus Osteuropa ganze Arbeit geleistet. Kurz nach Ballaufs altem Freund und Kollegen Samland wird eine weitere Leiche gefunden, ein arbeitsloser polnischer Journalist, der für eine deutsche Spedition fuhr.

Seltsamerweise nehmen Ballauf und Schenk die Schwester des Opfers bei ihren Ermittlungen ständig mit, als sei weit und breit kein Dolmetscher aufzutreiben. Zwischendurch pfuscht Ballauf immer wieder den Kollegen von der „Inneren“ ins Handwerk. Spannung kommt vor allem deshalb auf, weil er und schließlich auch Schenk selbst in Verdacht geraten. Der schroffe, unsympathische Kriminalrat Brauer (Michael Lott) setzt ihnen kräftig zu. Der verbissene Eifer, mit dem er seine Kollegen jagt, wirkt allerdings etwas übertrieben.

Es gibt aber nicht nur einen Toten mehr aus Ballaufs privatem Umfeld, sondern auch lebendigen Zuwachs bei Familie Schenk. Wie Freddy zum Großvater wird und mit dem Vater seines Enkelkinds hadert, wird nebenbei räuberpistolenartig erzählt. So sind Freud und Leid im Kölner Team sauber verteilt, aber vielleicht erbarmt sich irgendwann ein Autor und schreibt den armen Ballauf wenigstens aus dem muffigen Pensionszimmer hinaus. Es muss ja nicht gleich eine Villa für ihn sein.

„Tatort: Spätschicht“, 20 Uhr 15, ARD

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