Medien : Treibhaus Berlin

Wie sich Journalisten gegen Beeinflussung wehren

Lisa Wandt

Klaus Wowereit glaubt, mächtige Kräfte zu haben. „Ich kann Journalisten instrumentalisieren“, hat der Berliner Regierende Bürgermeister kürzlich in der ARD-Talkshow „Beckmann“ gesagt. Er wisse, worauf sie abfahren. Die Berliner Journaille sieht das ganz anders. „Dieser Satz gilt nur für den Partybürgermeister und die Boulevardmedien“, sagt Nico Fried von der „Süddeutschen Zeitung“. Politische Nachrichten könne Wowereit hingegen nicht manipulieren. Das Netzwerk Recherche hatte am Dienstagabend in die rheinland-pfälzische Landesvertretung geladen, um über „Licht und Schatten des Hauptstadtjournalismus“ zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob Journalisten Teil der politischen Klasse sind.

Günter Bannas von der „FAZ“ glaubt das nicht: „Ich höre nicht auf Politiker.“ Der Beweis: Er werde immer wieder von Nachrichten überrascht, beispielsweise von Franz Münteferings Rücktritt vom SPD–Vorsitz. Martin Bialecki von der Nachrichtenagentur dpa sagte, er werde schon mal von einem Politiker angerufen, und gebeten: „Bitte schreiben Sie das nicht.“ Aber das wehre er ab. Sollen Journalisten im Meinungskampf auf Augenhöhe mit Merkel & Co. stehen, wollte Moderator Thomas Leif wissen? „Nur um Politiker reinlegen zu können“, sagte Dieter Wonka von der „Leipziger Volkszeitung“. Das Podium war sich einig, dass Journalisten vor allem Chronisten sind und nicht Meinungsmacher. Negativbeispiel sei allerdings die Berichterstattung vor der Bundestagswahl 2005. „Wenn Medien versuchen, schlauer zu sein als das Volk, ist das nicht mehr journalistisch“, sagte Tissy Bruns vom Tagesspiegel. Diskutiert wurden auch die Thesen ihres Buches „Republik der Wichtigtuer“. Fried gab zu, sich zuweilen zu wichtig zu nehmen. Problematisch sei heute eher der Druck, schneller sein zu müssen, und der Exklusivitätswettbewerb, so das Fazit der Vertreter der Hauptstadtpresse. Es interessiere den Leser nicht, was Hinterbänkler zum Streit in der Koalition zu sagen hätten, sagte Bannas. Fried bezeichnete es zudem als eine „Bankrotterklärung des Journalismus“, dass Politiker nur noch Interviews gäben, wenn sie diese selbst korrigieren dürften. Das degradiere das Interview zur Pressemitteilung.

Und wie schützt sich der Journalist vor Politikern wie Wowereit? Am besten den Pressekodex einhalten: Der verpflichtet unter anderem dazu, Texte nicht von „privaten oder geschäftlichen Interessen“ beeinflussen zu lassen. Ebenso soll das Privatleben eines Politikers geachtet werden – Horst Seehofer hat der Kodex trotzdem nicht vor der Veröffentlichung seiner Affäre bewahrt. Lisa Wandt

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