TRENNUNG : Salbe mit großer Nebenwirkung

Der WDR setzt seinen Redakteur und Autor Klaus Martens vor die Tür. Es geht um sein umstrittenes Feature "Heilung unerwünscht: Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern". Der Sender zweifelt an der journalistischen Unabhängigkeit von Martens.

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Der WDR hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Redakteur und Autor Klaus Martens aus dem Programmbereich Politik und Zeitgeschehen Fernsehen getrennt. Zudem seien arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet worden, teilte der Sender am Freitag mit. Der WDR sehe es als erwiesen an, dass der Mitarbeiter als Autor des ARD-Features „Heilung unerwünscht: Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern“ gegen Programmgrundsätze verstoßen und falsche Angaben gegenüber dem WDR gemacht habe.

Die ARD hat den Film von Martens am 19. Oktober ausgestrahlt. Darin ging es um eine preisgünstig herzustellende Hautcreme, die bei Krankheiten wie Neurodermitis und Schuppenflechte ohne schwere Nebenwirkungen helfen soll. Kernthese des Features war, dass Pharmaunternehmen aus wirtschaftlichem Eigeninteresse die Markteinführung des Mittels Regividerm verhinderten.

Neben inhaltlicher Kritik am Film waren laut WDR auch Zweifel an der Unabhängigkeit des Autors laut geworden, weil Martens kurz nach der Ausstrahlung ein gleichnamiges Buch zum selben Thema veröffentlicht hatte. Nach der Sendung wurde bekannt, dass die Markteinführung der Creme für November 2009 geplant war. Kritiker monierten damals, dass mit Hilfe der ARD ein noch nicht ausreichend erforschtes Medikament vermarktet werde. Martens trat am 21. Oktober auch in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ auf. Er ist seit 1989 Redakteur und Autor beim WDR. Als Filmemacher erhielt er Preise für Beiträge über Wirtschaftsthemen.

Gegen das Feature wurde formelle Programmbeschwerde erhoben, WDR-Intendantin Monika Piel zog zur Klärung des Falles die interne Revision des Senders heran. Nach eingehender Prüfung habe der Mitarbeiter seine Vorgesetzten wie auch die Senderspitze „wiederholt über den Zusammenhang von Sendedatum und Buchveröffentlichung getäuscht“ und falsche Informationen gegeben. Intendantin Monika Piel erklärte, sie sei tief enttäuscht über den Vertrauensbruch. Die journalistische Unabhängigkeit sei aber nicht verhandelbar, der WDR dulde ein solches Fehlverhalten nicht. Joachim Huber

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