Medien : Trockengelegt

„3 nach 9“ stellt in Hamburg sein neues Team vor

Simone SchellhammerD

„Wie alle radikalen Menschen ist Charlotte Roche sehr sanft auftretend“, sagt Giovanni di Lorenzo über seine neue Kollegin bei „3 nach 9“, die bisher alle ihre Fernseh-Engagements im Streit beendete. Die Beziehung zu Radio Bremen soll wohl etwas Festes werden. Man sei sehr schnell von der Idee überzeugt gewesen, dass sie eine gute Nachfolgerin für Amelie Fried werde. Charlotte Roche habe sofort zugesagt. Zur Pressekonferenz in Hamburg erschien der „Zeit“- Chefredakteur und Tagesspiegel-Herausgeber am Montag trotz einer fiebrigen Mandelentzündung: „Mein Herz hat Charlotte mit einer Antwort erobert, die sie Hubertus Meyer-Burckhardt in der ,NDR Talk Show‘ gab. Auf die Frage, wie sie ihr Buch ,Feuchtgebiete‘ zusammenfassen würde, sagte sie: ,Für Sie eine Wichsvorlage.‘“

In der altehrwürdigen Fernsehtalkshow von Radio Bremen allerdings will die gebürtige Engländerin und zweifache Mutter auf eine drastische Ausdrucksweise weitgehend verzichten. „Es kann natürlich passieren, dass ich solche Worte auch mal in der Sendung benutze. Vielleicht einmal im Jahr, und nur, wenn mich ein Gast dazu zwingt. Ich will nicht die Skandalnudel sein.“ Das Image der schockierenden Porno-Autorin will die 31-Jährige hinter sich lassen: „Man ist sehr reduziert auf das Buch.“ Bei „3 nach 9“ will sie wieder das tun, „was ich wirklich gelernt habe“: Leute interviewen. Dass sie das auf sehr charmante Weise kann, ist ein bisschen in Vergessenheit geraten. Ob beim Musiksender Viva 2, bei Arte, Pro 7 oder 3sat – Charlotte Roche interessiert sich stets für ihr Gegenüber, gibt ihm ein gutes Gefühl, feuert es an und ist akribisch vorbereitet. 2004 wurde sie mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Ihre zwei Erfolgsgeheimnisse: ein unendlich entspannter Humor und weitgehende Angstfreiheit.

Ihr neuer Arbeitgeber hat offenbar ebenfalls keine Angst, sich dabei mitzublamieren. Schließlich sei man „eine Plattform für Individualisten“, sagt Radio-Bremen-Programmdirektor Dirk Hansen. Als sich am 19. November 1974 zum ersten Mal im deutschen Fernsehen drei Moderatoren abends „3 nach 9“ mit Gästen an einen Tisch setzten, war Charlotte Roche noch nicht geboren. Sicher gebe es eine gewisse Skepsis bei den älteren Zuschauern. Die werde man aber nicht verprellen, verspricht Giovanni di Lorenzo. Was die Aufgabenverteilung angeht, fände er es gut, wenn Charlotte Roche auch einmal die Gäste interviewt, die sonst immer ihm zufallen: Politiker. Und Roche sagt, sie habe sich in ihren Vertrag schreiben lassen, dass alle Gespräche über Masturbation und Analverkehr Giovanni di Lorenzo führen muss. Nach der Veröffentlichung von „Feuchtgebiete“ 2008 hatte sie mit dem Fernsehen abgeschlossen: „Doch als mir dieser tolle, große, seriöse Job angeboten wurde, musste ich alles wieder revidieren.“ Sie sei ein großer Fan der Sendung. Ihren Einstand an der Seite von Giovanni di Lorenzo, der dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum bei der Talkshow feiert, gibt sie am 11. September mit Gästen wie dem Komiker Michael „Bully“ Herbig und Sänger Peter Kraus. Simone Schellhammer

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