Medien : Tschö, Köln! Servus, München! Moin, Hamburg?

Umzug soll Wirtschaftsmagazine von G+J wirtschaftlich machen

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Seit Monaten wissen die 200 Redaktions und Verlagsangestellten von „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“ mitsamt ihren Familien nicht, ob sie nun wie bisher in Köln beziehungsweise München wohnen bleiben können oder nach Hamburg umziehen müssen. Immerhin ist es ein Unterschied, ob man im fröhlich-katholischen Rheinland beziehungsweise konservativ-bergischen Bayern lebt oder im zurückhaltend-protestantischen Norden. Weihnachten ist vorbei, die Unsicherheit ist immer noch da. So wie es aussieht, wird die Entscheidung in wenigen Tagen fallen – zugunsten des Umzugs.

Die treibende Kraft für den Standortwechsel ist der bei Gruner + Jahr seit kurzem im Vorstand für die Wirtschaftspublikationen zuständige Achim Twardy. Er will mit dem Umzug einerseits, dass in Redaktion, Anzeigen und Vertrieb Synergien genutzt werden zwischen den verlustreichen Wirtschaftsmagazinen und der nach ihrer Gründung vor vier Jahren noch immer defizitären „Financial Times Deutschland“. Andererseits rechnet der Verlag damit, dass nicht alle Mitarbeiter dem Ruf nach Hamburg folgen, er also durch den (auch nicht billigen) Umzug Personal spart. Insgesamt geht G + J von Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe aus – was angesichts der roten Zahlen notwendig wäre. Laut „Handelsblatt“ schreibt „Börse Online“ knapp vier Millionen Euro, „Capital“ knapp zwei Millionen und Impulse eine halbe Million Euro Verluste. „Börse Online“ war in den 90ern der Shooting-Star der Wirtschaftsmagazine; „Capital“ blickte auf eine 40 Jahre währende Tradition zurück, bevor der Verlag seine Erscheinungsweise im Rausch der Anzeigenjahre 1999/2000 von monatlich auf 14-täglich umstellte. Heute sind die beiden Blätter ebenso wie das Gründermagazin „Impulse“ die so genannten „Underperformer“, also Sorgenkinder von G + J. Der Verlag hält sich noch immer bedeckt, doch der Druck auf ihn, endlich Klarheit zu schaffen, wächst. usi

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