Tüv oder Tod : Berliner Jungs

„Bis dass der Rost uns scheidet“: Zwei Schrauber aus Berlin retten für den Männersender Dmax alte Autos vor der Schrottpresse.

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Den Erfolg der Ludolfs vor Augen. Der Männersender Dmax setzt große Hoffnungen in die beiden Kfz-Mechaniker Fabian Braasch (links) und Olaf Bernstein. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Den Erfolg der Ludolfs vor Augen. Der Männersender Dmax setzt große Hoffnungen in die beiden Kfz-Mechaniker Fabian Braasch (links)...

„Ohne Tüv ist ein Auto wie eine Stulle ohne Butter“, sagt Fabian Braasch. Zusammen mit Olaf Bernstein steht der Berliner Kfz-Mechaniker im Mittelpunkt der neuen TV-Serie „Bis dass der Rost uns scheidet“, die am Dienstag im Männersender Dmax startet. Ihre Aufgabe ist einfach umschrieben, aber schwer zu lösen. In 48 Stunden müssen die beiden leicht überdrehten Autoschrauber fast schrottreife Fahrzeuge wieder so weit instand setzen, dass sie mit einer neuen Tüv-Plakette auf den Straßenverkehr losgelassen werden können. Die Autobesitzer hatten ihre Fahrzeuge zuvor in einem Video vorgestellt. Ist die Entscheidung gefallen, läuft die Uhr. Und damit es nicht zu einfach wird, gilt zusätzlich ein Geldlimit. Mehr als 800 Euro steht den Beiden in der ersten Folge nicht zur Verfügung, um einen 1972er Opel Commodore auf Vordermann zu bringen. „Mir schwant Schlechtes“, entfährt es Olaf Bernstein.
Olaf Bernstein und Fabian Braasch sind zwei äußerst liebenswerte Berliner, die ständig herumflachsen. Olaf ist nie um eine Geschichte verlegen und Fabian kennt für jedes Auto-Problem die richtige Lösung. Vom Typus her könnten sich die beiden Kfz-Mechaniker nicht stärker von den Ludolfs unterscheiden. Aber wenn es um den Erfolg eines TV-Formats rund um das Auto geht, sind die Schrottplatz-Brüder aus Dernbach das Maß aller Dinge. „Die Ludolfs waren ein echter Glücksgriff. Solche Konstellationen kann man nicht jedes Jahr aus der Kiste zaubern“, bestätigt Dmax-Programmchef Oliver Nowonty. Acht Staffeln sind inzwischen gelaufen, die Prominenz der Brüder reichte sogar für einen Kinofilm. Zwar laufen noch mehrmals wöchentlich alte Ludolfs-Folgen auf Dmax, die neue Staffel mit dem neuem Konzept strahlt unter dem Titel „SEK Ludolf: Das Schrott-Einsatz-Kommando“ jedoch Sport<TH>1 vom 5. September an aus.
Einen Tag zuvor starten jedoch die beiden Berliner durch und müssen mit dem dem Opel Commodore gleich eine harte Nuss knacken. Denn bei den Oldies gibt es ein großes Problem: Ersatzteile sind Mangelware. Neben vielen Kleinarbeiten bereiten den Schraubern darum der kaputte Kühler und eine lockere Lenkstange die größten Sorgen. „Allet wird jut“ – nur Bernsteins unzerstörbarer Optimismus kann hier noch helfen.
Die beiden Berliner haben eine feste Arbeitsteilung. Fabian Braasch ist der Schrauber, Olaf Bernstein muss die Teile ranschaffen. Mit einem Transportfahrzeug, dem feuerroten Schraubermobil, klappert er Teilehändler und Schrottplätze ab. Erst wenn er erfolgreich war, kann sein Compagnon loslegen. „Das Warten ist anstrengender als die eigentliche Arbeit“, sagt der Kfz-Mechaniker entsprechend.
Eine Karriere im Fernsehen stand bei den beiden nicht auf dem Programm. Olaf Bernstein betreibt in Berlin-Weißensee eine eigene Werkstatt mit zehn Beschäftigten, Fabian Braasch ist in Biesdorf in einer Werkstatt angestellt. Kennengelernt haben sie sich erst nach dem Casting für Dmax, um dann festzustellen, wie stark sich ihre Bekanntenkreise überschneiden. Inzwischen betrachten sich beide als Freunde. Die Produktion der ersten sechs Folgen – die nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Orten wie in München handelt – erstreckte sich über insgesamt sechs Monate, in den die Berliner neben ihrer normalen Arbeit Zeit für die Drehtage freischaufeln mussten. Aber auch sonst hatten sich die beiden zuvor kein Bild davon gemacht, wie kompliziert die Dreharbeiten fürs Fernsehen sind. „Für alles werden neue Einstellungen gemacht, beinahe jede Handbewegung muss einzeln aufgenommen werden“, hatte sich Braasch anfangs gewundert.
Braasch und Bernstein sind vor allem eins: moderne Helden des Alltags. Sie dürfen den Daumen heben oder senken, wenn es darum geht, ob das geliebte Automobil eine Zukunft hat oder demnächst selbst als Ersatzteillieferant auf den Schrottplatz wandert. Zum Glück haben die Beiden ein Herz für alte Autos, nicht nur für Liebhaberstücke wie einen Fiat Spider Baujahr 1972, sondern genauso für einen Golf 2, den sie noch einmal vor der Schrottpresse zu bewahren versuchen. Selbst an solchen Herausforderungen wie der Reparatur eines Ami-Schlittens Marke Demon wagen sie sich heran - um dann festzustellen, dass bereits Heerscharen von Autoschraubern an diesem Fahrzeug ihr Glück versucht haben. In „Bis dass der Rost uns scheidet“ wird nicht gepimpt oder getunt, dieser Schrauberformat stellt die Alles-oder-nichts-Frage.
Olaf Bernstein und Fabian Braasch passen zum Konzept von Dmax: „Wir bauen neue Gesichter auf, die sehr entertainig sind. Und Bernstein und Braasch passen sehr gut zu diesem neuen Dmax. Sie sind bodenständig, bislang hatten sie keine Kamera-Erfahrung – das kommt auch beim Zuschauer an.“ Vor allem sind sie gut in ihrem Job, agieren aber dennoch auf Augenhöhe mit dem Zuschauer. Sie legen nicht jedes Wort auf die Goldwaage, so lange in der Serie alles mit rechten Dingen zugeht und kein Quatsch erzählt wird. Dabei soll „Bis dass der Rost uns scheidet“ trotz des eher dokumentarischen Ansatzes durchaus unterhaltsam sein, auf Scripted Reality wird allerdings verzichtet. „Es ist längst nicht immer klar, ob unsere Reparaturversuche immer funktionieren“, sagt Braasch.
Autos und Action, die Ludolfs und der Checker – Dmax ist unbestreitbar mit Autos groß geworden. Es wurde viel Schweiß und noch mehr Öl vergossen. Mit neuen Formaten wie „Bis dass der Rost uns scheidet“ will der Sender versuchen, das Thema auf eine neue Art zu erzählen. Am 16. Oktober kommt noch ein Trucker-Format namens „Asphalt-Cowboys“ hinzu –<TH>mit Gunter Gabriel als Kommentarstimme.
Dmax gehört zum Discovery Network Deutschland. Der Sender befindet sich im Aufwind, der Marktanteil konnte zuletzt auf 1,2 Prozent gesteigert werden, zudem arbeitet der Sender seit diesem Jahr profitabel. „Ein Marktanteil von zwei Prozent ist für uns keine Fiktion. In diesem Jahr werden wir das nicht erreichen, aber 2013 haben wir sehr viel vor, gerade mit Eigenproduktionen.“
Viele Produktionen stammen von der US-Mutter, aber auch in London wird viel für den internationalen Markt außerhalb der USA produziert. Die deutsche Tochter ist daran sowohl kreativ als auch finanziell beteiligt. Möglicherweise schafft es auch die „Rost“-Serie in den Export. Kommen die Schrauberaktionen von Bernstein und Braasch beim Dmax-Publikum an, könnten sich für die Beiden aber auch bei Dmax selbst weitere Einsatzgebiete öffnen. Beispielsweise in einer Sendung mit Auto-Reparaturtipps für Hobby-Schrauber.
[TV-HINWEIS]„Bis dass der Rost uns scheidet“, Dmax, Dienstag, 20 Uhr 15

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