TV-Auszeichnung : Im Ersten sieht man besser

Gute Fiktion, wenig Witz, viel Doku, ein bisschen RTL: Die neuen Grimme-Preisträger stehen fest.

Markus Ehrenberg
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Die zweite Frau. Matthias Brandt und Maria Popistasu. -Foto: WDR

In Zeiten der Debatte um Qualitätsfernsehen und öffentlich-rechtliches Profil ist das wohl eine gute Nachricht: ARD und ZDF haben bei der Vergabe der Adolf-Grimme-Preise 2009 abgeräumt. Allein die ARD heimste neun von insgesamt zwölf Trophäen ein. Als einziger Privatsender holte RTL eine Auszeichnung. In der Kategorie Fiktion wurde unter anderem der ARD-Film „Teufelsbraten“ mit Ulrich Noethen und Anna Fischer geehrt, gab das Grimme-Institut (Marl) am Mittwoch in Düsseldorf bekannt. Noethen spielt darin einen ungelernten Fabrikarbeiter in der Nachkriegszeit, der seine Tochter unterdrückt. Die jährlich vergebenen Preise gehören zu den wichtigsten Medienauszeichnungen Deutschlands. Für die insgesamt zwölf Wettbewerbspreise hatte es 65 Nominierungen gegeben.

Den Grimme-Publikumspreis erhielt der Norddeutsche Rundfunk für seinen „Tatort“ mit dem Titel „Auf der Sonnenseite“, bei dem Mehmet Kurtulus sein Debüt als Kommissar Cenk Batu gab – der erste verdeckte Ermittler unter den „Tatort“-Kommissaren. Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschulverbandes als Träger der begehrten Auszeichnung für Qualitäts-TV geht an Marietta Slomka und Claus Kleber für ihre Professionalität und „persönliche Handschrift“ bei der Moderation des „heute-journal“. RTL holte den einzigen Grimme-Preis für einen Privatsender mit seiner Comedyserie „Doctor’s Diary“ in der Sparte Unterhaltung, in der auch die Rubrik „Johannes Schlüter“ im NDR-Satiremagazin „Extra 3“ ausgezeichnet wurde. Dagegen ging die hoch gehandelte Pro7-Comedy „Switch Reloaded“ ebenso leer aus wie die RTL-Formate „Raus aus den Schulden“ und „Rach, der Restaurant-Tester“. „Die Privaten sind in Vielfalt und Qualität in einigen TV-Bereichen abgesackt“, sagte der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann. Erneut sei bei der TV-Unterhaltung „ein Mangel an Innovation und kreativem Witz“ zu kritisieren.

In der Sparte Fiktion erhielt die preisgekrönte Produktion „Ihr könnt euch niemals sicher sein“ (WDR) über einen als Amokläufer verdächtigten Schüler ungeahnte Aktualität. Die Schauspielerinnen Katja Riemann und Hannah Herzsprung waren im Familienporträt „Das wahre Leben“ der Serie „Debüt im Ersten“ ebenso preiswürdig wie das Duo Matthias Brandt/Maria Popistasu in „Die zweite Frau“ (Arte/WDR). Eine Sprayer-Gang spielt in der preisgekrönten ZDF-Produktion „Wholetrain“ die Hauptrolle.

Bei der Konkurrenz im Bereich Information und Kultur sei die Jury „auf einen ganz guten Jahrgang“ gestoßen, sagte Preisrichter Fritz Wolf. Einzelne Produktionen wie „Losers and Winners“ (WDR/Arte) über den Verkauf einer Dortmunder Kokerei nach China seien finanziell schwer zu realisieren gewesen. „Leben und Sterben für Kabul“ (NDR/WDR) dokumentiert den Bundeswehreinsatz in Afghanistan, „Sonbol – Ralley durch den Gottesstaat“ (SWR) zeigt das Leben einer iranischen Hobby-Rennfahrerin. „Der große Ausverkauf“ (WDR/Arte/BR) von Florian Opitz dokumentiert die Folgen der Privatisierung, und ein „Grimme-Preis-Spezial“ geht an Inge Classen und Katya Mader für ihre „Mädchengeschichten“ (ZDF/3sat). Den Sonderpreis Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen erhält Filmemacher Harald Bergmann für die WDR-Produktion „Brinkmanns Zorn“ über den Poeten Rolf Dieter Brinkmann. Das erstmals von der VG Bild-Kunst mit 15 000 Euro ausgestattete Eberhard-Fechner-Stipendium geht an die Regisseurin Suzan Sekerci, die „Djangos Erben“ für SWR und Arte dokumentiert hat. Der 45. Adolf-GrimmePreis wird am 3. April im Theater der Stadt Marl überreicht. Barbara Schöneberger moderiert. 3sat strahlt die Verleihung zeitversetzt aus. Markus Ehrenberg

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