TV-DOKU : Kalkül und Kosmetik

Die Obamas, die Kohls, Sarkozy und Bruni: ARD-Reihe bringt Macht und Liebe zusammen

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Hollywood könnte es kaum besser inszenieren, wie sich Michelle und Barack Obama die US-Präsidentschaft teilen. Foto: ARDWDR-Pressestelle/Fotoredaktion

Barack Obama ist sicher nicht der erste amerikanische Präsident, der zu Hause seine Socken herumliegen lässt. Und sicher auch nicht der erste, der versucht, durch die „Enthüllung“ häuslicher Details Sympathiepunkte zu gewinnen. Wie er und Ehefrau Michelle vor der Kamera turteln und sich gegenseitig liebevoll ins Wort fallen, gehört zwar gewiss zur PR-Strategie, wirkt aber dennoch herzerfrischend normal. Wirklich schwer sympathisch, diese Obamas. Nur: Die Zeit der ungetrübten Verzauberung durch den charmanten Barack und die selbstbewusste Michelle ist vorbei. Als Präsident gelingt dem Wunderknaben aus Chicago keineswegs alles, schon gar nicht auf Anhieb. Und welche Rolle spielt seine Wunderwaffe Michelle nun?

Die erste Folge der neu aufgelegten ARD-Reihe „Liebe an der Macht“ erzählt die Geschichte vom Aufstieg des modernen amerikanischen Vorzeigepaars als flott komponierte Bilderreise, die die Imagekampagne der Obamas im Wahlkampf gründlich analysiert. Um Antworten auf aktuelle Fragen geht es weniger, was man am Ende durchaus vermisst. Aber ohne einen Ausflug in die Welt der „einzigen wirklichen Popstars der Politik“, so das Fazit des Autoren-Trios Francesca D’Amicis, Petra Höfer und Freddie Röckenhaus, hätte in der dritten Staffel der Doku-Reihe „Liebe an der Macht“ ein wichtiges Element gefehlt. Die ARD hat sich damit viel Zeit gelassen, die ersten beiden Staffeln liefen 2004 und 2005.

Die Mischung ist auch diesmal wieder reizvoll. Am Tag nach den Obamas geht es um Helmut und Hannelore Kohl – der Kontrast könnte kaum größer sein. Wo das US-Paar Bilder seiner offenherzigen Zuneigung in Hülle und Fülle produzieren lässt, scheint es vom deutschen Ex-Kanzler und seiner 2001 verstorbenen Gattin nur eine einzige Szene öffentlich demonstrierter Innigkeit zu geben, nach der Wahl Helmut Kohls zum Kanzler 1982. Die Zeitzeugen zeichnen ein differenziertes Bild, eines von großer Vertrautheit, aber auch von althergebrachter Rollenverteilung. Autor Michael Wech sprach mit Mitarbeitern und Freunden sowohl des Politikers als auch seiner Ehefrau, darunter Friedhelm Ost, Wolfgang Bergsdorf, Rita Süssmuth und Hannelore Moos, Sekretärin der Kanzlergattin. Eine Seltenheit: Hannelore Kohl allein im Interview, 1998 im Garten des Bonner Kanzlerbungalows. Ihr tragisches Ende, der Selbstmord einer schwer kranken Frau, bestimmt die Tonlage des Films – nicht nur zum Guten. „Ihr Lächeln wird zur Maske“, textet der Autor, der manchmal etwas plump den konservativen Lebensstil kritisiert. Hannelore Kohl wird allzu sehr auf die Rolle des Opfers reduziert und bleibt auch in dieser Lesart letztlich die Frau an seiner Seite.

Nach Triumph (Obama) und Tragödie (Kohl) folgt zum Abschluss eine wahrhaft romantische Liebesgeschichte aus Frankreich: Vom hibbeligen Machtmenschen Nicolas Sarkozy, dessen Eltern sich trennten und dessen ersten beiden Ehen scheiterten, und der schönen Carla Bruni, Topmodel, Sängerin, Tochter einer italienischen Industriellenfamilie, die sich als Ergebnis eines Seitensprungs ihrer Mutter aber als Außenseiterin fühlte und dies ebenfalls durch viel Ehrgeiz kompensierte. Die beiden, der konservative Präsident und die Linksliberale aus dem Pariser Künstlermilieu, lernten sich auf der Party eines PR-Beraters kennen. Die Liebe der Mächtigen, auch wenn sie geschickt eingefädelt ist, bleibt doch Liebe, wie es scheint. Thomas Gehringer

„Liebe an der Macht“, ARD, 21 Uhr 45

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