TV-Doku : Zu viel Türkei in der Moschee?

Den Bau der meisten Moscheen in Deutschland verantwortet der Verein Ditib, die „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“ mit Sitz in Köln, wo auch das größte der neuen Gotteshäuser entstehen soll. Die Autoren Alessandro Nasini und Ahmet Senyurt versuchen dieser bedeutenden muslimischen Organisation auf den Zahn zu fühlen.

Thomas Gehringer
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Modellhaft? Kölner Großmoschee.Foto: WDR

Dass die Ditib der türkischen Religionsbehörde untersteht, ist weder neu noch wird das bestritten. Es ist Teil der Geschichte Deutschlands als Einwanderungsland. In den 80er Jahren, als die Ditib gegründet worden war, hat die Bundesregierung die Türkei damit beauftragt, die Ausübung der islamischen Religion für die „Gastarbeiter“ in Deutschland zu organisieren.

Kritiker wie der Islamwissenschaftler Michael Kiefer und die Islambeauftragte der SPD, Lale Akgün, drücken heute ihren Argwohn über die Einflussnahme durch den türkischen Staat oder die regierende Partei von Ministerpräsident Erdogan aus. Für die Ditib beteuert Sprecherin Ayse Aydin, der Verein lege Wert auf Staatsferne und einen unpolitischen Islam. Ditib-Chef Sadi Arslan ist allerdings zugleich Botschaftsrat in Berlin, ein Interview wollte der Theologe nicht geben. Konkrete Beispiele fragwürdiger Propaganda in den Gemeinden – die Ditib betreibt 880 Gotteshäuser in Deutschland – nennen die Autoren jedoch nicht. Weil es keine gibt? Aufschlussreicher ist die Gegenüberstellung der Baugeschichte verschiedener Moscheen in Deutschland. Auch in diesem Film gilt, nicht überraschend, der weitgehend konfliktfreie Neubau durch die Ditib-Gemeinde in Duisburg-Marxloh als vorbildliches Gegenbeispiel zu den Plänen in Köln, wo sich die Ditib-Zentrale eher um die politische Absicherung des repräsentativen Baus kümmerte und zu wenig mit den Anwohnern sprach. Auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude lobt die Ditib-Gemeinde vor Ort über den grünen Klee, während er „Offenheit bei der Zentrale nicht in gleichem Maße feststellen kann“. Die Moschee-Pläne in München liegen zurzeit aus finanziellen Gründen auf Eis. Wie Muslime, deren Familien aus Asien oder Nordafrika stammen, zur Ditib stehen, wie das Verhältnis zu anderen Muslimorganisationen in der Islamkonferenz ist, wäre auch keine unwichtige Frage gewesen.

„Für Allah und Vaterland“, ARD, 22 Uhr 45

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