TV-Dokumentation : „Blutige Rosen“: Leben und Tod der Joan Root

Sie liebte die Tiere Afrikas und sie liebte Kenia. Weil sich die Umweltaktivistin mit den Falschen angelegt hatte, wurde sie ermordet. Das WDR-Fernsehen erinnert an Joan Root.

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Foto: WDRFoto: WDR/Alan Root

Vielleicht wäre es nicht passiert, wenn Allen Root seine Frau Joan nicht verlassen hätte, nachdem sie 20 Jahre lang als Top-Team mehr als 40 großartige Naturfilme über Afrikas Tierwelt gedreht hatten. Ein großzügiges Anwesen am Naivasha-See in Kenia bildete ihr gemeinsames Zuhause, wo Joan Dutzende kranke Tiere um sich sammelte. Aber dann ging niemand mehr mit ihr auf Kamerapirsch nach Löwen und Zebras. Mitte der neunziger Jahre war es auch mit der Ruhe vorbei. Unter kilometerlangen Plastikzelten reiften Rosen für den Export. Das Wasser dafür pumpte man aus dem See. Der Fischreichtum schwand, weil 20 000 Arbeiter mit ihren Familien billige Nahrung brauchten. Joan Root, die aus einer reichen britischen Farmerfamilie stammte, aber hatte alles: Besitz, Einfluss, doch wenig Freunde.

Selten hat ein Dokumentarfilm eine Geschichte, in der sich das Private und das Allgemeine eng vermischen, derart fesselnd erzählt wie diese vom WDR bearbeitete BBC-Produktion. Aus alten Schmalfilmen, Fotos und zahlreichen Gesprächen mit den Zeugen des Dramas setzt Henry Singer das widersprüchliche Bild einer Frau zusammen, die in ihrer zweiten Lebenshälfte eine engagierte Umweltaktivistin wurde und dafür mit dem Leben bezahlte. Sie kämpfte als Weiße in einem schwarzen Land, von dessen sozialen Problemen sie wenig begriff. Den geliebten See wollte sie retten und wurde bald abhängig von einer von ihr selbst bezahlten Eingreiftruppe, die den Wilderern die Netze wegnahm und sich durch rüdes Auftreten unbeliebt machte. Den Mord an der 69-Jährigen im Januar 2006 hat die anscheinend wenig motivierte kenianische Polizei nie aufklären können.

„Blutige Rosen“ zeigt ein Stück postkoloniale Geschichte pur und privat. Die wahren Betroffenen sieht man am Rande: die Schwarzen in den staubigen Straßen der Slums oder beim flinken Verpacken der Rosen, die vielleicht auch unser Supermarkt um die Ecke jeden Tag billig und frisch anbietet. Hans-Jörg Rother

„Blutige Rosen“, 23 Uhr 15, WDR-Fernsehen

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