• TV-Dokumentation: Waffen und Parteispenden – Arte beleuchtet die Geschichte der Familie Flick

TV-Dokumentation : Waffen und Parteispenden – Arte beleuchtet die Geschichte der Familie Flick

Lange gab es nur wenige und kaum private Bilder von Friedrich Flick. Arte zeigt nun die erste TV-Doku, die sich mit der Unternehmens- und Familiengeschichte der Flicks beschäftigt.

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Durch ehrliche Arbeit vom Tellerwäscher zum Millionär, pardon: Milliardär? Nein, märchenhaft ist die Geschichte des Familienkonzerns Flick, gemessen am ökonomischen Erfolg ein kapitalistischer Musterknabe, nicht gerade. Flick – der Name steht für trickreiche Spekulationen in der Weimarer Republik, für profitable Kooperation mit dem Nazi-Regime, für einträgliche Geschäfte bei der „Arisierung“ jüdischen Eigentums und den verbrecherischen Einsatz tausender Zwangsarbeiter. Und natürlich für jahrzehntelange „politische Landschaftspflege“ durch Parteispenden, die zu Beginn der achtziger Jahre in einen der größten Skandale Nachkriegsdeutschlands mündete.

Nicht erst die zweiteilige Dokumentation „Flick“ von Thomas Fischer, die Arte am morgigen Mittwoch zeigt, belegt, dass die Spendenpraxis ein probates Schmiermittel war, das systemübergreifend funktionierte. Sie ist die erste Fernsehdoku, die sich mit der Unternehmens- und Familiengeschichte der Flicks beschäftigt. „Bis vor zwei Jahren wäre ein solcher Film gar nicht möglich gewesen, weil es bis dahin nur ganz wenige und nur die offiziösen Bilder von Friedrich Flick gab“, sagt Autor Fischer. Nun hätten ihm auch Dokumente aus Privatarchiven aus dem Familienumfeld zur Verfügung gestanden. Mehr als die Hälfte der im Film gezeigten Bilder seien bisher öffentlich noch nicht zu sehen gewesen, erklärt Fischer. Während von den Flick-Erben trotz brieflicher Kontakte „unter dem Strich keiner mitgemacht hat“, standen Eberhard von Brauchitsch, Friedrich Karl Flicks rechte Hand, Otto Kaletsch, der Sohn des lebenslangen Friedrich-Flick-Vertrauten Konrad Kaletsch, sowie Elga Wieninger, die erste Ehefrau von Friedrich Karl Flick, Rede und Antwort.

Das zeithistorisch interessierte Fernsehen richtet den Scheinwerfer gerne auf den Einzelnen, auf strahlende und gefallene Helden, auf die Dramen in den Familien und hinter den Geschäftskulissen. Auch da haben die Flicks einiges zu bieten. Die realen Figuren werden auch durch Spielszenen skizziert, die für Dokus vergleichsweise ambitioniert sind und mit Norbert Skrowanek sogar einen eigenen Regisseur hatten. Die Dialoge basieren in den zentralen Passagen auf überlieferten Protokollen.Thomas Gehringer

„Flick“, Arte, Mittwoch, 20 Uhr 15 (Teil 1) und 21 Uhr 10 (Teil 2), in der ARD am 31. Mai (Teil 1) und 7. Juni (Teil 2), jeweils 21 Uhr

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