TV-Dokumentation : Wildes Deutschland

Eine fünfteilige Naturfilmreihe von Arte startet mit eindrucksvollen Bildern aus dem Spreewald.

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Der Kahnkorso im Herbst in Lehde ist das imposanteste Fest des Spreewalds. Foto: Arte
Der Kahnkorso im Herbst in Lehde ist das imposanteste Fest des Spreewalds. Foto: ArteFoto: © NDR Naturfilm/Christoph Hausch

Das bekannteste Exportprodukt des Spreewalds ist die gleichnamige Gurke. 46 000 Tonnen dieses Gemüses werden jährlich in alle Welt verschickt. Mit riesigen Erntefliegern, in den bis zu 30 Erntehelfer auf dem Boden liegend im Schneckentempo über die Felder gleiten, werden sie geerntet. Doch wie eine Gurke heranwächst bis sich aus der Spitze eine gelbe Blüte entwickelt, das wissen die wenigsten. Noch viel schwieriger wird es, beim Wachstum der einjährigen Pflanzen zuzusehen – es sei denn, man ist Dokumentarfilmer wie Christoph Hauschild. In seinem Film „Der Spreewald“, mit dem Arte die fünfteilige Reihe „Wildes Deutschland“ an diesem Montag eröffnet, zeigt er das Wachstum der Gurke hochauflösend im Extremzeitraffer.

Der Spreewald, in dem die Menschen lange Zeit elfenähnliche Wesen vermutet haben, ist in seiner Entrücktheit wie geschaffen für die Erkundung durch einen Naturfilmer. Mal lässt Hauschild die Blüten im Schnelldurchlauf sprießen, mal wird die Zeit fast angehalten, um in extremen HD-Zeitlupenaufnahmen den Flug der Prachtlibellen einzufangen. Ein anderes Mal nimmt er den Zuschauer in einem Heißluftballon mit, denn nur von oben lässt sich das Wasserlabyrinth des Spreewaldes entschlüsseln.

Für die Berliner ist der Spreewald zugleich Naherholungsgebiet und Speisekammer. Seit 1991 ist das Gebiet mit seinen rund 1000 Kilometern Wasserwegen ein Biosphärenreservat der Unesco, mit Eisvögeln und Fischottern, mit Hirschen und Seeadlern. Vor allem aber steht dort der größte Erlenauwald Europas, und das, obwohl die Bäume in der Mehrzahl von Hand gepflanzt wurden, weil die Samen nur im sandigen Boden keimen, nicht aber auf der dicken Moorschicht des Spreewaldes.

Für seine Dokumentation hat Hauschild den Spreewald und seine Bewohner, die Sorben, ein Jahr lang begleitet und dabei ein stimmungsvolles und abwechslungsreiches Bild gezeichnet. Oder besser gesagt von der Natur zeichnen lassen, so wie die vereisten Wasserwege im tiefen Winter, wenn die Spreewälder auf Schlittschuhen dahingleiten, auf den Bäumen eine zerbrechlich wirkende Reifschicht. Bis hin zum großen Kahnkorso mit den bunten Trachten und den herausgeputzten Tieren im Dorf Lehde im Herbst. Und immer wieder gilt es die Tierwelt zu entdecken, mit den Schwarzstörchen und Silberreihern, die man bei einem kurzen Abstecher nach Lübbenau nur selten zu sehen bekommt.

Die Doku-Reihe ist eine Koproduktion von BR, RBB, NDR, SWR und Arte. Nach dem Spreewald geht es nach Nordfriesland, in den Schwarzwald, an die Küste Vorpommerns und in die Berchtesgadener Alpen. Kurt Sagatz

„Wildes Deutschland“, Arte, Montag bis Freitag, 19 Uhr 30

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