TV-Duell zwischen Gladiator und Clown : Boris Becker ist für alle da

"Becker gegen Pocher – Der Showdown" im RTL-Programm wird heute Abend Millionen vor den Fernseher treiben: "B.B." verdient Respekt und Dankbarkeit, nicht Mitleid.

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Was früher die „Becker-Faust“ war, ist heute die „Becker-Garnitur“.
Was früher die „Becker-Faust“ war, ist heute die „Becker-Garnitur“.Foto: dpa

Christoph Driessen war einigermaßen entsetzt. Der Mitarbeiter der Deutschen Presse-Agentur konnte die Aufzeichnung der RTL-Show „Alle auf den Kleinen – Becker gegen Pocher“ mitverfolgen. Warum setzt Becker sich dem aus? Warum tut er sich das an?, hat Christoph Driessen sich und Becker gefragt. „Es ist eine Herausforderung“, hat der geantwortet.

Boris Becker und Oliver Pocher hatten per Twitter ein paar Gemeinheiten über Frauen, Ex-Frauen und über den jeweils anderen geschrieben. Dieser Streit, wenn er denn einer ist, konnte kapitalisiert werden. Der Privatsender RTL hofft auf eine Traumquote, Becker bekommt angeblich eine sechsstellige Gage.

Der 45-jährige Becker bringt seine 37-jährige Frau Lilly mit, sie muss die sportlichen Herausforderungen im Stil von „Schlag den Raab“ übernehmen, ihr Mann hat eine Titanhüfte und kaputte Gelenke als Folge seines Leistungssports. Der 35-jährige Pocher bringt nur sich selber mit. „Becker gegen Pocher – Der Showdown“ wird drei Stunden dauern.

Pocher ist ein Clown. Soll machen, was er für falsch hält. Aber Boris Becker? Der dreimalige Wimbledon-Gewinner wird Gladiator fürs Kommerzfernsehen, seine Frau übernimmt die Rollator-Rolle.

Bei jedem dieser Becker’schen Auftritte ist vom Geldverdienenmüssen die Rede. Der frühere Tennisheld muss seine Haut zu Markte tragen. Er beutet vergangenen Ruhm und aktuellen Promi-Status aus. Seine mit Christian Schommers aufgeschriebene Autobiografie „Das Leben ist kein Spiel“ liegt auf den vorderen Rängen der Bestsellerlisten. Kommt er mit Frau Lilly aufs Oktoberfest zum Biertrinken, rangelt die Fotografenmeute um die Poleposition fürs nächste, beste Beckerbeim-Oktoberfest-Bild. Das öffentliche Interesse am öffentlichen Becker scheint ungebrochen.

Becker zieht Tantiemen aus dem Medieninteresse

Becker weiß um dieses Interesse, er zieht daraus seine Tantiemen. Und er muss das Interesse immer wieder befeuern, mit fraglichen Twitter-Statements und fragwürdigen Showauftritten wie am Freitag bei RTL-Pocher. Die Figur „Boris Becker“ ist eine Marke – und sie ist eine Leistung. Die Leistung, aus der Kommerzialisierung von vergangenem Ruhm und aktuellem Promi-Status eine immer größer gewordene Familie ernähren zu wollen, zu müssen, zu können.

Dafür wird ein Preis gezahlt. Boris Becker nervt nicht wenige, noch mehr halten ihn für peinlich. Aber Boris Becker ist für alle da, für die Fans, für die Feinde. Jeder kennt Becker, jeder hat zu ihm eine maßgebliche Meinung. „Das Becker“ wird Millionen vor den Fernseher treiben. Mitleid? Dankbarkeit ist gefragt. Dass der Voyeurismus befriedigt wird und dieses geile Gefühl, dass sich einer fürs Fremdschämen zum Pocher macht.

„Becker gegen Pocher – Der Showdown“, RTL, Freitag, 20 Uhr 15

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