TV-Event : Kirche, Ketzer, Kreuzzüge

Nach "Wanderhure" und "Die Tore der Welt": Sat 1 hat mit Kate Mosses Roman „Das verlorene Labyrinth“ ein weiteres Mittelalterdrama verfilmt.

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Mit Feuer und Schwert gegen die Albigenser in Südfrankreich: Der Event-Film spielt abwechselnd zu Anfang des 13. Jahrhunderts und in der Gegenwart.
Mit Feuer und Schwert gegen die Albigenser in Südfrankreich: Der Event-Film spielt abwechselnd zu Anfang des 13. Jahrhunderts und...Foto: Sat 1

Die Silhouette ist beeindruckend. Die mittelalterliche Burg der südfranzösischen Stadt Carcassonne ist so gut erhalten, weil sie nie im Kampf eingenommen wurde. Nur durch einen heimtückischen Verrat geriet sie zu Anfang des 13. Jahrhunderts in die Hände ihrer Feinde. Zu dieser Zeit spielt die Verfilmung des Kate-Mosse-Romans „Das verlorene Labyrinth“, die Sat 1 nun am Montag und Dienstag als Zweiteiler zeigt. Nach dem dritten Teil der „Wanderhure“ und dem Vierteiler „Tore der Welt“ beginnt das Jahr mit einem weiteren Mittelalter-Drama. Insgesamt 20 Millionen Euro wurden in die internationale Koproduktion gesteckt, in deren Mittelpunkt das Schicksal zweier Frauen steht.
Alles beginnt, als die junge Aushilfsarchäologin Alice Tanner (Vanessa Kirby) bei Ausgrabungen in Südfrankreich eine verborgene Höhle entdeckt. Die beiden Skelette darin lösen polizeiliche Ermittlungen aus. Das Symbol eines Labyrinths an der Wand und ein alter Ring rufen ganz andere Mächte auf den Plan. Nachdem Alice die Höhle betreten hat, hat sie eigenartige Déjà-Vus, sieht Szenen aus einer weit zurückliegenden Vergangenheit. Offenbar ist sie über die Zeit hinweg mit der jungen Heilerin Alais (Jessica Brown-Findlay) verbunden. Während der Belagerung von Carcassonne wurde ihr von ihrem Vater etwas sehr Bedeutendes anvertraut: Das wahre Geheimnis des Heiligen Grals, jener mythischen Reliquie, die ihrem Besitzer Unsterblichkeit verspricht. Tatsächlich verbirgt sich das Geheimnis in drei Büchern, die Alais nun um jeden Preis schützen muss.
Auf die Reliquie haben es auch die Kreuzzügler abgesehen, die im Auftrag von Papst Innozenz III. zu dieser Zeit gegen die Albigenser kämpfen. In Mosses Roman wird dieser Kreuzzug gegen die vermeintlichen Ketzer als eines der größten Verbrechen der katholischen Kirche beschrieben. Zehntausende kamen dabei ums Leben. Denn wer seinem Glauben nicht abschwor, landete auf dem Scheiterhaufen.
Zugleich stellt Mosse den Kreuzzug als machtpolitisches Instrument dar, mit dem die Adligen aus Frankreichs Norden ihren Einflussbereich auf den Süden ausgedehnt haben. So wird das Symbol des Labyrinths zur Klammer zwischen Mittelalter und Gegenwart sowie zwischen dem Kreuzzug von Papst Innozenz und einem Geheimorden der Neuzeit, der ebenfalls beste Verbindungen zur katholischen Kirche hat.
Durch die ständigen Wechsel der Zeitebenen wird die ohnehin verworrene Geschichte nicht unbedingt verständlicher. Ein größeres Ärgernis ist allerdings die Besetzung von Vanessa Kirby als Alice Tanner. Die Schauspielerin hat zwar die nötige Beinlänge für eine Topmodell-Karriere, zumal die Temperaturen in Südfrankreich genügend Gelegenheiten für kurze Shorts und dünne Kleidchen bieten. Ärgerlich nur, dass ihr Gesichtsausdruck dabei genauso so festgefroren ist wie auf einem Hochglanzfoto bei Heidi Klums TV-Show. Aber auch Golden-Globe-Gewinner John Hurt, der in dem Film einen geheimnisvollen Historiker spielt, agiert ungewöhnlich blass. Der Burgherr von Carcassonne, Graf Trancavel, wird übrigens von Tom Felton dargestellt, der als Draco Malfoy in den Harry-Potter-Verfilmungen den fiesen Gegenspieler des Zauberschülers geben durfte. Zu dieser Figur passte die meckernd-nasale deutsche Synchronstimme hervorragend, zu dem tapferen Burgherrn, der sich selbstlos für die Albigenser einsetzt, jedoch nicht.
Produziert wurde „Das verlorene Labyrinth“ von Scott Free Productions, Film Afrika Worldwide und Tandem Communications in München, die bereits die Ken-Follett-Romane „Die Säulen der Erde“ und die „Tore der Welt“ produziert hatten. Die Expertise für die Verfilmung historischer Stoffe ist dabei nur die eine Seite. Die Münchener haben zugleich das nötige Netzwerk für solche internationale Koproduktionen. Durch den weltweiten Verkauf wird der Zweiteilers in gut 100 Ländern zu sehen sein.
Dass die von Rola Bauer und Tim Halkin gegründete Produktionsgesellschaft dabei auf Erfolgsgaranten setzt, ist verständlich. Der Mosse-Roman war in 23 Ländern in den Top 10, in Großbritannien hielt sich das Buch sechs Monate auf Platz eins. Mit Carcassonne verbindet die Autorin mehr als nur die literarische Detektivgeschichte. Sie lebt mit ihrer Familie abwechselnd in West Sussex und in der südfranzösischen Stadt.
„Das verlorene Labyrinth“, Sat 1, Montag und Dienstag um 20 Uhr 15

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