TV-Expedition : Die Irren und die Nackte

„Entweder Broder“: Die Deutschland-Safari zu den schönsten 9/11-Verschwörungstheorien. Und Henryk M. Broder wird durch Indira Weis wieder jung.

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Endlich kommt zusammen, was längst zusammengehört: Indira Weis macht Henryk M. Broder wieder jung. Foto: HR
Endlich kommt zusammen, was längst zusammengehört: Indira Weis macht Henryk M. Broder wieder jung. Foto: HRFoto: HR/Preview Production

Sie sind zu dritt, und nur die Hündin im Bunde benimmt sich artgerecht. Wilma ist unterwegs mit Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad. Der polnische Jude und der ägyptische Moslem sind wieder auf Deutschlandsafari. „Entweder Broder“ war in der ersten Staffel am späten Sonntagabend so erfolgreich, dass die fünf neuen Folgen jetzt am Montag um 23 Uhr 30 laufen. Eine Belohnung für Spott, Spaß und Satire könnte anders aussehen.

Sei’s drum. Volvo „Kurt“ bringt die drei zu den entscheidenden Antworten. Zunächst auf die Frage „Was geschah wirklich am 11. September 2011?“. In einem arabischen Imbiss läuft es auf die Amerikaner, vor allem aber auf die Juden hinaus, die die Flugzeuge in die Türme gelenkt haben sollen. Andernorts wird das US-Militär in die Verantwortung genommen, auch die Sängerin Indira Weis sieht Amerika als Schuldigen. Auf die Täterschaft von Al Qaida kommt bei dieser bizarren Erhebung keiner, im Gegenteil, ernsthaft wird die Brodersche Provokation erörtert, dass Osama bin Laden ein CIA-Agent war.

Alle Ansichten werden mit Absicht veräußert. Broder und Abdel-Samad sind raffiniert genug, jene Geisteslandschaften zu bereisen, wo Irrsinn und Irrungen zu Hause sind. Allerdings so viel Irrsinn und mit solcher Inbrunst intoniert, dass der durchschnittliche Zuschauer sagt: „Haben die Recht und bin nur ich mit meiner Al-Qaida-9/11-These irrsinnig?“. Je länger die Exkursion dauert, desto klarer wird: In diesem Land herrscht eines reichlich – Meinungsfreiheit.

„Entweder Broder“ sucht mit Fleiß die Nahtstellen zwischen rechtsextrem und links daneben, raffiniert und rabaukig, böse und banal. Aber immer heiter geht es weiter. Henryk M. Broder hat, wie schon die erste Folge der zweiten Staffel zeigt, sich bestens in Format eingefunden. Gewollt oder ungewollt, Hamed Abdel-Samad ist nur noch Broders Sidekick. Schade um den klugen Beifahrer.

Indira Weis, die Teilnehmerin im RTL-„Dschungelcamp“, gibt mit großen Augen zu erkennen, dass die Welt, wie wir sie kennen, „eine ganz große Lüge“ ist. Alles eine Inszenierung, wir sind nur Kandidaten, und 9/11? Eben! Dass der Sängerin bei „Entweder Broder“ so viel Raum gegeben wird, hat so viel mit ihrem Ansichten wie mit ihrem Aussehen zu tun. Aber sehen Sie selbst, was zwischen Broder und dem Busenwunder im „Silicon Valley“ passieren muss, bis der Mann aufseufzt: „Lieber Gott, warum bin ich nicht mehr 30?“ Joachim Huber

„Entweder Broder – Eine Deutschlandsafari“, ARD, 23 Uhr 30

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